Vanessa Low scheint für die WM in Neuseeland gerüstet. In ihrer SPORT1-Kolumne berichtet sie von einer Rekordleistung.

Liebe Leichtathletik-Freunde,

nachdem wir nun die intensive Trainingsphase beendet haben und in die ersten Wettkämpfe eingestiegen sind, sind es nun nur noch vier Wochen bis zum Abflug nach Neuseeland.

Ende November haben wir zum Abschluss des Wintertrainings noch einmal zwei Wochen in Kienbaum verbracht, um uns zwei Wochen von Job und Alltag zu entspannen und im Trainingslager unsere erarbeiteten Grundlagen anzuwenden.

Außerdem ging es darum zu testen, wie sich unsere Zeiten über die verschiedenen Distanzen im Verlauf des Wintertrainings entwickelt haben.

Neben leckerem Essen, einer entspannten Atmosphäre und idealen Trainingsbedingungen trafen wir dort unter anderem auch auf den Großteil der deutschen Nationalmannschaft mit Athleten anderer Vereine, Block- und Bundestrainer.

Wir konnten durchschnittlich zwei Trainingseinheiten pro Tag absolvieren und uns anschließend mit Hilfe von zwei Physiotherapeuten, Sauna oder Whirlpool entspannen.

Leider hat es bereits nach zwei Tagen angefangen intensiv zu schneien und bei bis zu Minus 13 Grad und gefrorenenr Tartanbahnen war es nicht mehr möglich draußen zu trainieren.

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Zum Glück gibt es genau wie auf unserer Heimatanlage eine gute Leichtathletikhalle mit Rundbahn und Zeitmesssystem. Dort konnten wir dann unter anderem unsere Samstags-Tempoläufe sehr erfolgreich absolvieren.

Für den Sonntag hatte unsere Trainerin Steffi Nerius sich dann etwas Besonderes ausgedacht. Einerseits sollten wir uns ein bisschen entspannen und regenerieren vom harten Training der vergangenen Woche, andererseits sollten wir unseren Körper einmal durch bewegen.

Somit stand nach eine alternativen Erwärmung Turnen auf dem Trainingsplan. Kopfstand, Handstand und Rolle vor- und rückwärts sind auch für uns eher Neuland und wurde von vielen zuletzt in der Grundschule geübt.

Nach einer sehr lustigen und trotzdem anstrengenden Einheit schlossen wir den Trainingstag mit einer "Kür" ab, wobei mein Trainingspartner Markus Rehm gar nicht schlecht abschnitt.

Durch die vielen ungewohnten Bewegungen und Belastungen für unseren Körper hatten die meisten von uns allerdings kleinere Blessuren und die Physiotherapeutin alle Hände voll zutun.

Zum Ende der zweiten Woche neigten sich dann langsam unsere Kräfte und Motivation dem Ende zu und wir waren dann doch irgendwie froh, die zwei Wochen so gut überstanden zu haben und freuten uns auf Zuhause.

Für meinen Trainingspartner Markus und mich ging es allerdings noch über das Wochenende ins nahe gelegene Tropical Island, ein riesiges Schwimmband, aufgebaut wie eine kleine Südseeinsel mit tropischen Regenwald, Lagune, Wasserfall und tollen Shows. Dort konnten wir uns von dem anstrengenden Training ausgiebig erholen und ein bisschen Freizeit genießen.

Alles in allem waren die vergangenen zwei Wochen eine wirklich schöne und spannende Zeit. Und so fiel es mir umso schwerer wieder in den Alltag und somit in die Berufsschule einzusteigen.

Mit vielen Referaten, Filmprojekten und schwierigen Unterrichtsthemen hab ich derzeit allerhand zu tun, sodass es mir gelegen kommt, zwei trainingsarme Wochen auf dem Plan zu haben.

Dies dient zum einen der Entspannung vom Trainingslager, zum anderen der körperlichen Regeneration für die bevorstehenden Wettkämpfe.

Am vergangenen Wochenende bestritten Markus Rehm und ich dann unseren ersten Wettkampf dieser Saison in Düsseldorf. Dort starteten wir außer Konkurrenz bei einem Schüler- und Jugend-Hallenwettkampf und konnten tolle persönliche Bestleistungen verbuchen.

Markus stellte mit 7,57 Sekunden über 60 Meter einen deutschen Hallenrekord seiner Startklasse auf und auch im Weitsprung konnte er mit einer Weite von 6,97 Meter eine persönliche Bestleistung und einen deutschen und internationalen Hallenrekord aufstellen.

Ich trat lediglich im Weitsprung an und stellte mit 4,17 Meter ebenfalls eine persönliche Bestleistung mit deutschen und internationalen Hallenrekord auf.

Dies war zwar nur ein kleiner Test für uns, um vor den nächste Woche stattfindenden deutschen Hallenmeisterschaften unsere eigenen Leistungen abzufragen und uns auf die Wettkampfsaison einzustellen, aber wir und auch unsere Trainerin waren sehr stolz auf die guten Ergebnisse, was auf eine erfolgreiche kommende Wettkampfsaison schließen lässt. Das harte Training soll sich anscheinend gelohnt haben.

Derzeit fiebere ich dem Abflug nach Neuseeland entgegen. Nur noch vier Wochen bis zum Start und ich bin schon mitten in der Vorbereitung für die große Reise.

Ich freue mich im Februar dann ausgiebig über die Weltmeisterschaft berichten zu können und hoffe ähnlich gute Ergebnisse verbuchen zu können.

In diesem Sinne,

Eure Vanessa

Vanessa Low (20) aus Schwerin verlor im Alter von 15 Jahren bei einem Zugunfall beide Beine. Noch im Krankenbett fällte sie den Entschluss, im Behindertensport nach ganz oben zu wollen. Bei der IWAS-WM in Bangalore gewann sie 2009 die Goldmedaille im Weitsprung und Silber über die 100 Meter. Zudem hält sie den Weltrekord im Weitsprung (3,98 Meter). Beim TSV Bayer 04 Leverkusen wird Low von Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius trainiert. Ihr großes Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2012 in London. In ihrer SPORT1-Kolumne berichtet sie regelmäßig über ihre Stationen auf dem Weg dorthin.

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