Markus Rehm schreibt über einen Coup bei der WM-Vorbereitung und freut sich über ein knapp gewonnenes Duell unter Freunden.

Endlich ist es so weit.

Nach einer langen Reise sind wir in Christchurch in Neuseeland angekommen und stehen in den Startlöchern für die WM.

Rückblende: In den vergangenen beiden Monaten waren noch einmal intensive Vorbereitungen auf die Titelkämpfe angesagt.

Neben dem Training standen noch zwei Vorbereitungswettkämpfe auf dem Plan, mit denen ich sehr zufrieden sein kann. Zum einen hatten wir einen Wettkampf in Düsseldorf, bei dem ich meinen Weltrekord von 6,84 auf (leider inoffizielle) 6,97 Meter verbesserte.

Solche Weiten habe ich mir dann natürlich auch für die Internationale Hallen-DM erhofft. Als wir jedoch nach Erfurt aufbrechen wollten, schneite es bei uns in Leverkusen ununterbrochen, und einige Athleten haben den Wettkampf aufgrund dieser Schneemengen abgesagt.

[image id="6296d779-6488-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Ich jedoch wollte gerne fahren, da auch meine Eltern und einige Freunde aus Oberfranken anreisten, um mich zu unterstützen.

Nach einer längeren Anreise haben wir es dann doch noch über die verschneiten Straßen nach Erfurt geschafft. Bereits am nächsten Tag standen die 60-Meterm-Läufe und der Weitsprung an.

Mehrere Athleten aus Ländern wie Frankreich, Russland, Tschechien und der Schweiz waren ebenfalls angereist.

Das machte den Wettkampf interessanter und die Konkurrenz größer, aber auch ich habe mich an diesem Tag relativ fit gefühlt und mich somit richtig auf den Wettkampf gefreut.

Im Vorlauf (7,55 Sekunden) wurde mein gutes Gefühl direkt bestätigt, zudem hab ich mit dieser Zeit auch den deutschen Hallenrekord eingestellt.

Im Finale startete ich dann in der offenen Klasse mit einigen Sehbehinderten und armamputierten Sprintern, die über die 60m noch etwas flotter unterwegs sind.

Ganz besonderes internes Highlight war, dass ich gegen meinen sehbehinderten Trainingspartner Marc Lembeck laufen durfte. Da wir beide uns im Training gerne duellieren, haben wir uns auf diesen Wettkampf besonders gefreut, denn auf internationalen Wettkämpfen starten wir in unterschiedlichen Startklassen.

Leider hab ich den Start im Finale nicht optimal getroffen und Marc lag direkt etwa zwei Meter vor mir. Diesen Rückstand habe ich jedoch bis zum Ziel aufgeholt, sodass wir fast zeitgleich durch das Ziel gelaufen sind.

Es war so knapp, dass wir die Ergebnisse abwarten mussten und ich lag mit einer Zeit von 7,56 Sekunden genau eine Hundertstel vorne.

Das bekommt er natürlich bis heute noch regelmäßig vorgehalten? aber selbstverständlich haben wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis.

Im Weitsprung hatten wir mit einem etwas schwierigen Belag zu kämpfen, wobei meine Teamkollegin Vanessa Low schon zuvor mit einer super Weite von 4,09 Metern bewies, was möglich war.

Nach den ersten, eher mäßige Sprüngen und zwei ungültigen hatte ich mit dem Wettkampf schon fast abgeschlossen und wollte im letzten Versuch noch einmal alles riskieren.

Bereits nach der Landung war mir klar, dass dieser Sprung ziemlich weit war und hörte gespannt auf das Ergebnis? 7,02 Meter! Ich war begeistert! Der erste amputierte Athlet, der die Sieben-Meter-Marke übersprungen hat!

Mit diesem überraschenden Ergebnis war mir der erste Platz auch nicht mehr zu nehmen.

Nach diesem Wettkampf war ich natürlich hoch motiviert für die letzten drei Wochen Training.

Nur an Weihnachten habe ich mir etwas Ruhe gegönnt und meine Familie besucht. Mit Familie, Freunden und Verwandten verbrachte ich einige entspannte Tage, ehe es wieder zurück nach Leverkusen ging.

Um nach Christchurch zu fliegen, sind wir pünktlich in Düsseldorf eingetroffen, wo uns auch direkt mitgeteilt wurde, dass unser Flug nach Frankfurt annulliert wurde. Na super!

Die Fluggesellschaft bestellt uns natürlich direkt ein Taxi, jedoch war das alles andere als ein guter Start in Richtung WM.

Die folgenden Flüge von zwölf Stunden nach Singapur und weitere neun Stunden bis Neuseeland verliefen dagegen problemlos.

Wir sind dort angekommen, wofür wir so lange trainiert haben, und ich kann es immer noch nicht so richtig glauben. Die ersten Eindrücke sind mehr als positiv, besonders von der entspannten Lebenseinstellung bin ich begeistert.

Ich freue mich auf die Wettkämpfe und hoffe auf eine schöne und erfolgreiche Zeit in Neuseeland!

Euer Markus

Markus Rehm (22) aus Donzdorf musste nach einem Wakeboard-Unfall im Alter von 14 Jahren der rechte Unterschenkel amputiert werden. Fortan verschrieb er sich erfolgreich dem Behindertensport. Bei der IWAS-WM in Bangalore gewann er 2009 Gold im Weitsprung und mit der 4 x100-m-Staffel. Zudem hält er den Weltrekord im Weitsprung (6,84 m). Beim TSV Bayer 04 Leverkusen wird Rehm von Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius trainiert. Sein großes Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2012 in London. In seiner SPORT1-Kolumne berichtet er regelmäßig über seine Stationen auf dem Weg dorthin.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel