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Bentele erhielt den Laureus Awards als "Welt-Behindertensportlerin des Jahres" © getty

Die Zukunft der Laureus-Preisträgerin ist völlig unklar und hängt auch vom Partner ab. Der Unistress hat Spuren hinterlassen.

München - Verena Bentele ist nicht dabei. Geht nicht.

Seit den Paralympischen Spielen vor fast einem Jahr in Vancouver hat die fünffache Goldmedaillengewinnerin nicht mehr auf Skiern gestanden.

Keine Zeit, die Magisterarbeit, Termine, Kümmern ums normale Leben, an Leistungssport war da nicht zu denken.

So findet der Weltcup in diesen Tagen in Finsterau im Bayerischen Wald ohne die frischgewählte Laureus-Preisträgerin statt (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1).

"Man fühlt sich nicht so wertgeschätzt"

Die 28-Jährige ist sicherlich der Topstar unter den deutschen Behindertensportlern. Spätestens seit die blinde Langläuferin in Vancouver in der Loipe mit ihrem Begleiter Thomas Friedrich so großartig abräumte.

Zweimal Gold im Biathlon, dreimal im Langlauf, dazu weitere sieben Goldmedaillen von den Paralympics in Nagano, Salt Lake City und Turin. Ausgesorgt aber hat sie damit nicht. (Machen Sie es wie SPORT1 und Verena Bentele: Unterstützen Sie München 2018)

"Olympische Biathletinnen, die so erfolgreich sind wie ich, verdienen wesentlich mehr", weiß Bentele.

Sie ärgert sich vor allem über die unterschiedliche Höhe der Medaillenprämien seitens der Sporthilfe: "Da gibt es erhebliche Differenzen, wir erhalten weniger als ein Drittel der olympischen Athleten. Da fühlt man sich nicht so wertgeschätzt."

Bentele, die Ausnahme

Doppel-Olympiasiegerin Manuela Neuner dürfte vor allem dank ihrer Werbeverträge bereits ausgesorgt haben.

Bentele versteht das: "Paralympische Wettbewerbe sind für Sponsoren nicht so interessant, die Medienpräsenz ist ja auch viel geringer." Sie selbst ist da eine Ausnahme: "Ich habe viele Sponsoren, die treu sind."

Neun Monate vor den Paralympics kamen sie und Friedrich auch in den Genuss der Topförderung, der eine konzentrierte Vorbereitung auf Vancouver ermöglichte.

Damit war es nach den Spielen vorbei. Der Partner muss wieder vollständig in seinem Job als Sportlehrer arbeiten, wo er ein betriebliches Gesundheitskonzept verantwortet.

Mit Sportlerehrgeit zum Magister

Bentele brachte ihre Magisterarbeit im Januar zu Ende. Literatur an der Uni München, Note 1,3.

"Zuletzt habe ich 14 Stunden am Tag vor dem PC gesessen, ich war fertig. Aber wenn man so lange studiert, dann muss es auch gut werden." Sportlerehrgeiz.

Jetzt sucht sie einen Job. Öffentlichkeitsarbeit oder eine Stelle im Personalbereich schweben ihr vor. Die Zukunft als Sportlerin bleibt offen.

München reizt, ist aber unwahrscheinlich

Natürlich würde sie Sotschi 2014 reizen, vor allem aber München 2018.

Wahrscheinlich aber scheint das nicht: "Ich muss jetzt meine berufliche Situation realisieren und im Sommer dann definitiv entscheiden."

Die Entscheidung hängt aber auch vom Job des Partners ab: "Wir sind ein Team. Der Sport ist inzwischen so professionell, dass man zweimal täglich trainieren muss."

Wulff hätte geholfen

102 Aktive aus 14 Nationen tummeln sich seit Dienstag beim Weltcup in Finsterau in den Loipen und suchen ihre Besten in fünf Wettbewerben. Dazu kommen knapp 100 Begleitläufer und Betreuer.

Dank lokaler Sponsoren und der Hilfe von 200 Ehrenamtlichen ist der Etat von rund 50.000 Euro dennoch gedeckt. "Ich bin zufrieden", sagt Organisator Karl Matschiner.

Dennoch hätte es ihm geholfen, wenn Schirmherr Bundespräsident Christian Wulff oder der Ministerpräsident Horst Seehofer persönlich vorbeigeschaut hätten: "Das steigert die Aufmerksamkeit."

Das Ereignis findet jedoch fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wo es vor einem Jahr noch Sondersendungen von den Paralympics im Fernsehen gab, gibt es in diesem Jahr lediglich einen kurzen Filmbericht am Sonntagabend im "Bayerischen Fernsehen".

Zwischen Abu Dhabi und Schulen

"Behindertensport wird nur dann hervorgehoben, wenn es deutsche Erfolge bei den Paralympics gibt", weiß Matschiner.

Wie von Verena Bentele, die in der Folge im letzten Jahr neben der Arbeit für das zuvor vernachlässigte Studium zahlreiche Termine und Einladungen wahrgenommen hat.

Sie war bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres in Baden-Baden und wurde zuletzt in Abu Dhabi bei den Laureus Awards als "Welt-Behindertensportlerin des Jahres" ausgezeichnet.

Nebenbei hält sie Vorträge über Motivation und Teamwork, gegen Honorar für große Firmen, auch mal gratis an Schulen befreundeter Lehrerinnen. "Ich bin überzeugt, dass ein Mensch mit Behinderung ein Vorbild sein kann", sagt Verena Bentele, "mir geht es super, ich kann mich nicht beschweren."

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