Eine Musikkapelle heißt Weltmeister Markus Rehm in seinem Heimatort willkommen. Gleich das zweite Training endet in der Klinik.

Liebe Leichathletik-Freunde,

Liebe Sportfreunde,

zwar hat meine Teamkollegin Vanessa Low bereits ausführlich über die Leichtathletik-WM in Christchurch berichtet. Aber nach den traurigen Nachrichten der vergangenen Wochen möchte auch ich noch einige Eindrücke aus der von einem Erdbeben erschütterten zweitgrößten Stadt Neuseelands schildern.

Als ich zurück in Deutschland war und morgens in den Nachrichten von diesem Unglück gehört hatte, war ich tief bestürzt. Die ersten Fernsehbilder zeigten auch Gebäude wie die Christchurch Cathedral, bei der unsere Eröffnungsfeier zur IPC WM stattfand.

Vor einigen Tagen hab ich zudem erfahren, dass auch unser Hotel zerstört wurde, in dem wir drei Wochen lang gewohnt haben.

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Auch wir haben einige Erdbeben erlebt, aber ich konnte mir nicht vorstellen, was für schlimme Auswirkungen ein solches haben kann. Ich kann die Ereignisse noch immer nicht fassen und gedenke der Verletzten und Opfer.

Nur schwer vorstellbar, dass wir nur einige Wochen zuvor noch eine sehr schöne Zeit in Christchurch hatten.

Ich war direkt von der Mentalität und der Lebenseinstellung begeistert, auch die Gastfreundschaft wurde dort sehr groß geschrieben.

Besonders gut gefiel mir auch die schöne und beeindruckende Landschaft, von der wir leider nicht sehr viel gesehen haben, aber vielleicht kann ich das irgendwann einmal nachholen!

Die ersten zwei Wochen hatten wir genug Zeit, um uns an das Klima und an die zwölf Stunden Zeitverschiebung zu gewöhnen.

Es war wirklich eine sehr entspannte und schöne Zeit in den ersten Tagen noch etwas Freizeit zu haben, um die Stadt und die Umgebung ein wenig zu erkunden. Letztendlich war ich dann aber auch ganz froh, dass die Wettkämpfe begannen und das taten Sie mit einer wirklich tollen Eröffnungsfeier.

In den ersten Tagen habe ich mir noch einige Wettkämpfe anderer Athleten angeschaut, bis dann endlich mein Wettkampftag bevorstand.

Leider waren meine Wettkämpfe etwas unglücklich gelegt, da ich den Weitsprung am Vormittag und den 100-m-Vorlauf am selben Tag nachmittags hatte.

Jedoch war mein Focus klar auf den Vormittag gerichtet, da ich mich auf diesen Wettkampf besonders gefreut und vorbereitet hatte.

Schon Morgens hatte ich ein ganz gutes Gefühl und hab mich einfach nur darauf gefreut das es losgeht? nach dem Frühstück ging es dann auch direkt mit dem Shuttle in Richtung Stadion.

Auf dem Weg dorthin und beim Aufwärmen merkte ich, dass langsam auch die Aufregung in mir stieg und ich wollte einfach nur ins Stadion und loslegen.

Nach dem Einspringen ging es dann endlich los. Bereits bei meinen ersten Sprung legte ich mit 6,67 vor und landete bereits beim zweiten Versuch mit 6,95m knapp vor der angepeilten 7-m-Marke.

Im vierten Versuch hab ich es dann mit 7,09 m geschafft, als erster beinamputierter Athlet offiziell über die 7-m-Marke zu springen. Somit habe ich schließlich meinen Wettkampf mit einer Goldmedaille und einem neuen Weltrekord beendet.

Natürlich fiel mir da echt ein Stein vom Herzen, da viele solche Weiten von mir erwarteten. Besonders aber habe ich es mir diese Weiten selbst als Ziel gesetzt und war natürlich überglücklich, bei einem solchen Wettkampf eine derartige Leistung abrufen zu können.

Auf Wunsch meiner Trainerin fuhr ich nach dem Wettkampf direkt zurück ins Hotel, um mich auf meinen 100m Vorlauf am Nachmittag zu konzentrieren.

Aber leider war bei mir an diesem Tag einfach die Luft raus und ich habe mein Ziel, eine Bestzeit zu laufen, nicht erreicht. Trotz allem bin ist sehr glücklich und zufrieden mit den Ergebnissen.

Am Ende der Wettkämpfe fand dann noch die 4x100m Staffel statt, bei der wir etwas improvisieren mussten, da sich Wojtek Czyz bei seinem Wettkampf leider verletzt hatte. Aber da es unter diesen Umständen bei dem Wettkampf hauptsächlich um den Spaß ging, waren wir auch mit einem vierten Platz sehr zufrieden.

Nach einer tollen Abschlussfeier, die weit über den offiziellen Teil hinausging, und einem Ausflug zum whale watching ging es dann auch schon wieder in Richtung Heimat.

Dort angekommen musste ich mich direkt um meinen Umzug nach Dortmund kümmern, da ich dort für ein Jahr eine Schule zum Orthopädietechniker- Meister besuche. Dank der Trainingspause hatte ich dann auch genug Zeit um mich ein wenig einzurichten und um alles zu kümmern. Auch hatte ich wieder einmal die Gelegenheit, in meine Heimat nach Reichenbach u. R. zu fahren um meine Familie und Freunde zu besuchen.

Dort wurde für mich dann ein großer Empfang mit all meinen Freunden, Verwandten und Bekannten organisiert. Empfangen von einer Musikkapelle und begrüßt von den Ansprachen des Vorstandes hatte ich einen tollen Abend, worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich war wirklich überrascht, wie viele Leute gekommen waren und auch meine sportlichen Aktivitäten bisher verfolgten.

Dann war endlich wieder Training angesagt. Leider habe ich mich direkt beim zweiten Training so am Finger verletzt, dass es direkt im Krankenhaus genäht werden musste.

So habe ich in den kommenden Tagen genug Zeit, um mich auf die Schule zu konzentrieren und die ersten Prüfungen hinter mich zu bringen.

Euer Markus Rehm

Markus Rehm (22) aus Donzdorf musste nach einem Wakeboard-Unfall im Alter von 14 Jahren der rechte Unterschenkel amputiert werden. Fortan verschrieb er sich erfolgreich dem Behindertensport. Bei der IWAS-WM in Bangalore gewann er 2009 Gold im Weitsprung und mit der 4 x100-m-Staffel. Zudem hält er den Weltrekord im Weitsprung (6,84 m). Beim TSV Bayer 04 Leverkusen wird Rehm von Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius trainiert. Sein großes Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2012 in London. In seiner SPORT1-Kolumne berichtet er regelmäßig über seine Stationen auf dem Weg dorthin.

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