vergrößernverkleinern
Vor seiner Rückkehr nach Leverkusen spielte Hanno Balitsch fünf Jahre für Hannover 96 © getty

Hanno Balitsch erklärt, warum er erste Bayer-Wahl als "Einfach Fußball"-Schirmherr war und was ihn mit den Kindern verbindet.

Von Michael Spandern

München - Als Profi-Fußballer steht er Woche für Woche im Fokus eines Millionenpublikums, doch sein soziales Engagement erleben nur wenige:

Hanno Balitsch, Mittelfeldspieler beim Bundesliga-Zweiten Bayer 04 Leverkusen, setzt sich als Schirmherr für das Pilotprogramm "Einfach Fußball" ein, das Fußball für Schülerinnen und Schüler mit geistiger und Lern-Behinderung fördert.

Der Bayer-Konzern und der Deutsche Fußball-Bund mit seiner Sepp-Herberger-Stiftung wollen damit mehr Kindern und Jugendlichen mit Behinderung den Weg in den Vereinsfußball ebnen und die Sozialkompetenz fördern - auch bei den nichtbehinderten Teilnehmern.

Neben Leverkusen bestehen Kooperationen zwischen Verein und Schulen auch in Altendiez, Krefeld-Uerdingen, Wuppertal, Dormagen, Köln, Rheda-Wiedenbrück und Kall. Und weitere Standorte sollen erschlossen werden.

Im SPORT1-Interview erklärt Hanno Balitsch, warum er erste Bayer-Wahl als Schirmherr war, was ihn mit den Kindern verbindet und was diese nach dem 1. "Einfach Fußball"-Cup am Sonntag in der BayArena von ihm erwarten können.

SPORT1: Herr Balitsch, als Bundesliga-Fußball gehören Sie zu den Erfolgreichen und Berühmten der Gesellschaft. Wie kommt es, dass Sie für das Pilotprogramm "Einfach Fußball" Pate stehen, das nur die wenigsten Ihrer Bundesliga-Kollegen kennen dürften?

Hanno Balitsch: Ehrlich gesagt hat unser Pressesprecher den Kontakt hergestellt. Er wusste, dass meine Partnerin Lehrerin ist und meine Eltern auch als Lehrer arbeiten, meine Mutter unterrichtet an einer Schule für geistig Behinderte. Daher gab es offensichtliche Berührungspunkte. Als mir der bei Bayer für das Programm Zuständige Uli Quaas "Einfach Fußball" und dessen Idee vorgestellt hat, war es für mich keine Frage, dass ich da gerne mitmache.

SPORT1: Wie groß ist Ihr Engagement als Schirmherr?

Balitsch: In erster Linie bemühe ich mich, durch meine Popularität das Programm bekannter zu machen. Und ich besuche nach und nach möglichst viele Standorte, schenke den Kindern Trikots oder original signierte Bälle und mache eine Trainingseinheit mit.

SPORT1: Wie gehen diese Kinder auf Sie zu?

Balitsch: Da gibt es schon Besonderheiten, auf die du dich einfach einlassen musst. DieMädchen und Jungs haben ein ganz anderes Distanzgefühl, was körperliche Nähe betrifft. Die sind ganz schnell ganz eng bei dir, und hätten am liebsten, dass alle Fotos eng umschlungen geschossen werden. Die Kinder kommen bis auf wenige Zentimeter an dein Gesicht, umjubeln aber auch jedes Tor viel inniger. Aber da ich es weiß, kann ich damit gut umgehen.

SPORT1: Sind Ihnen weitere Besonderheiten aufgefallen?

Balitsch: Eigentlich überwiegen die Gemeinsamkeiten, die uns verbinden - wie die totale Begeisterung vom Fußball. Sie freuen sich auch über kleinste Dinge. In Wuppertal war mal ein Riesenjubel, weil ein Junge den Ball dreimal hochgehalten hat. Das steckt an und macht mir total Spaß. Die Kinder wiederum berichten auch über ihre Schulklasse hinaus begeistert von diesem Training, hat mir mal ein Konrektor erzählt.

SPORT1: Ist Ihr Engagement auch Gesprächsthema mit Ihren Teamkollegen von Bayer?

Balitsch: Ja, wenn sie in den Medien etwas davon mitbekommen, fragen sie nach, was genau ich da mache. Im Stadionheft stand mal ein längerer Bericht. Und als ich Bälle zum Unterschreiben herumgereicht habe, wollten sie wissen, ob ich die bei Ebay verkaufe. Wenn ich das Programm dann erkläre, sind alle sofort Feuer und Flamme und unterstützen mich dabei.

SPORT1: Wegen der Erfolge des BVB und von Bayer ist viel von der neuen Generation von Profi-Kickern die Rede. Sagen Sie als mittlerweile 30-Jähriger mal: Ist diese Generation auch für soziale Themen erreichbar oder ist sie total auf Fußball fokussiert?

Balitsch: Das hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit dem Charakter. Bei uns gibt es auch genügend Jüngere, die soziale Projekte betreuen. Es geht darum, ob jemand dazu Lust und das Gespür dafür hat.

SPORT1: Bayer Leverkusen ist ein Verein, der sich wie kaum ein anderer für Behindertensport einsetzt. Woran merken das die Profi-Fußballer?

Balitsch: Wir haben relativ wenige Berührungspunkte mit den Behindertensportlern in unserem Verein. Ab und an bekommen wir mit, wenn diese Sportler im Rahmen von Bundesliga-Spielen für ihre Erfolge geehrt werden. Außerdem ist in unserem Stadionheft auch einiges über Leichtathletik, Schwimmen und Volleyball zu lesen, wo ja Schwerpunkte der Behinderten-Sparte liegen.

SPORT1: Ein Ziel des Programms ist die Förderung von Sozialkompetenz. Wo müssen Sie die als Repräsentant unter Beweis stellen?

Balitsch: Ich fühle mich nicht verpflichtet, mich anders zu präsentieren oder zu positionieren. Ich stelle meine Bekanntheit gerne in den Dienst der Sache, aber die Hauptarbeit mache nicht ich, sondern die Übungsleiter, die dieses Training jede Woche ehrenamtlich anbieten.

SPORT1: Halten Sie sich denn selbst für sozialkompetent?

Balitsch: Ich glaube schon, aber das muss ich nicht gerade in meiner täglichen Arbeit unter Beweis stellen. Allerdings reflektiert man seinen eigenen Beruf noch mal neu, wenn man sieht, mit wie viel Freude behinderte Menschen an den Fußball herangehen.

SPORT1: Das Programm setzt auf Integration: Nichtbehinderte Jugendliche helfen als Assistenten beim Training mit. Wäre es nicht noch besser, wenn Nichtbehinderte und Behinderte zusammen trainieren?

Balitsch: Den behinderten Kindern droht dann eine Ausgrenzung, erst recht, wenn sie aufgrund ihrer Behinderung koordinative, reaktive oder sprachliche Probleme haben und daher unterlegen sind. Dann verlieren sie den Spaß. Allerdings erinnere ich mich an einen Spieler, der so talentiert war, dass wir für ihn den Kontakt zu einer "normalen Fußballmannschaft" im ganz normalen Fußballverein hergestellt haben.

SPORT1: Am Sonntag steigt der 1. "Einfach Fußball"-Cup in Leverkusen, zu dem auch die Teilnehmer aus Altendiez, Uerdingen, Wuppertal, Dormagen, Köln und Kall kommen. Was erwartet die Kinder?

Balitsch: Erst mal finde ich es sensationell, dass die Kinder neben dem Training auch mal so einen Spieltag haben. Bayer hat das ganz toll umgesetzt. Die Mannschaften werden mit großem Bohei ausgelost, denn es spielen nicht die Standorte gegeneinander. Und dann besuchen alle zusammen unser Heimspiel gegen St. Pauli. Ich kann deswegen leider nicht beim Cup sein, werde den Kids auf der Tribüne aber vom Platz aus zujubeln.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel