Vanessa Low erzählt, wie sie trotz Müdigkeit und planloser Kampfrichter viel Erfolg bei der Junioren-WM in Dubai hatte.

Liebe Leichathletik-Freunde,

nachdem ich gesund, aber kaputt von den Wettkämpfen im Februar aus Neuseeland zurückkehrte, hab ich erst einmal zwei Woche Trainingspause eingelegt und konnte die Zeit gut nutzen, endlich meinen Führerschein zu beginnen.

Mittlerweile hab ich fast alle Theoriestunden fertig und warte derzeit auf ein Attest von einem Verkehrsarzt, um endlich mit meinen Praxisstunden beginnen zu können.

Ein Führerschein und ein eigenes Auto wären, grade für mich, eine enorme Erleichterung und würden mir im Alltag viel Zeit sparen.

Außerdem hatte ich viel für meine Ausbildung zu lernen.

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Im Hinblick auf die Junioren-Weltmeisterschaft, die im April in Dubai stattfand, begann ich dann trotz Lernstress für Schule und Führerschein wieder mit dem Training und kam schnell an meine Grenzen.

Da ich beschloss, auch die 200 Meter in Dubai laufen zu wollen, um eine mögliche weitere Medaille für Deutschland zu holen, standen extrem lange, anstrengende Läufe auf dem Trainingsplan, gekoppelt mit ausgiebigen Technik-Einheiten und anstrengendem Krafttraining.

Da mir allerdings die Weltmeisterschaft in Neuseeland noch in den Knochen saß und wir praktisch noch nicht in der Wettkampfphase der normalen Saison standen, fühlte ich mich trotz aller Anstrengungen nicht hundertprozentig fit und bereit für einen großen Wettkampf.

Als wir dann Mitte April bei ca. 40 Grad in Dubai ankamen, wusste ich sofort, dass gerade die 200 Meter ein sehr anstrengend werden würden. (Machen Sie es wie SPORT1 und Steffi Nerius: Unterstützen Sie München 2018)

Wir hatten noch zwei Tage Zeit, uns an das Wetter und die Bedingungen zu gewöhnen. Am Zweiten Wettkampftag war ich dann zuerst mit den 100 Meter an der Reihe, wo ich, bedingt durch die weiche Tartan-Bahn und die extremen Wetterverhältnisse, mit 18,10 deutlich unter meiner Bestzeit aus Neuseeland blieb. Trotzdem reichte es für Silber.

Am gleichen Tag noch ging es für mich weiter mit Weitsprung, meiner Paradedisziplin.

Da die Wettkampfrichter wenig Ahnung von Weitsprung und der Leichtathletik allgemein hatten, war der Wettkampf das reinste Chaos. Trotz allem konnte ich mit 3,98 m eine gute persönliche Leistung erzielen und konnte dem deutschen Team eine Goldmedaille verbuchen.

Im 200-Meter- Rennen am nächsten Tag lief es ebenfalls sehr gut. Ich ging mit einer persönlichen Bestleistung von 39,09 s an den Start und kam dann nach grade einmal 37,07 s ins Ziel!

Auf den letzten 50 Metern hatte ich schlimme Krämpfe in meinem linken Hüftbeuger, aber auf den letzten fünf Metern gelang es mir, auf das Bronze-Treppchen zu laufen und die Schmerzen im Bein waren schnell vergessen.

Im Großen und Ganzen konnte das deutsche Team viele Medaillen mit nach Hause bringen und landete im Medaillenspiegel auf dem vierten Platz.

Einen Tag früher als der Rest der deutschen Truppe reiste ich dann direkt weiter ins Trainingslager nach Zypern.

Nach einem Nachtflug und mit den 200 Meter Sprint in den Knochen war ich und meine Beine sehr schlapp, weswegen ich noch einen Tag Ruhepause einlegte. Darauf folgten viele anstrengende Einheiten mit schnellen Läufen, Technikeinheiten und anschließendem Sonnen.

Das Wetter war für zyprische Verhältnisse zwar eher schlecht, aber trotzdem sind wir alle ordentlich braun geworden und hatten die Gelegenheit uns vom Alltag auszuruhen, das leckere Essen zu genießen und auch einen kleinen Ausflug zu unternehmen.

Mit zwei Autos ging es von der Mitte der Insel hin zu Küste, wo wir uns an den Strand legen konnten und ein leckeres Kaffee-Buffet serviert bekamen.

Ich habe die Zeit in Dubai und in Zypern sehr genossen und trotzdem hab ich mich sehr auf Zuhause gefreut und bin froh, jetzt noch ein paar freie Tage genießen zu können. Am Wochenende werde ich Besuch von ein paar Freunden aus meiner Heimat bekommen und hoffe, dass das Wetter wieder Spitzenwerte erreicht.

In ein paar Tagen wird die Wettkampfsaison richtig beginnen und ich freue mich, bald davon berichten zu können!

Eure Vanessa Low

Vanessa Low (20) aus Schwerin verlor im Alter von 15 Jahren bei einem Zugunfall beide Beine. Noch im Krankenbett fällte sie den Entschluss, im Behindertensport nach ganz oben zu wollen. Bei der IWAS-WM in Bangalore gewann sie 2009 die Goldmedaille im Weitsprung und Silber über die 100 Meter. Zudem hält sie den Weltrekord im Weitsprung (3,98 Meter). Beim TSV Bayer 04 Leverkusen wird Low von Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius trainiert. Ihr großes Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2012 in London. In ihrer SPORT1-Kolumne berichtet sie regelmäßig über ihre Stationen auf dem Weg dorthin.

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