Vanessa Low erzählt, wie sie trotz Klausuren-Druck, fehlender Konkurrenz und widrigen Bedingungen Bestleistungen bringt.

Liebe Leichathletik-Freunde,

da mein letzter Bericht schon ein paar Monate her ist, ist seitdem natürlich viel passiert.

In den Niederlanden und auch in Deutschland fand die alljährliche IWAS-Wettkampf Serie statt, welche am letzten Mai-Wochenende in Emmen mit den Dutch Open Chamiponchips begann.

Dort erzielte ich mit 3,98 Meter im Weitsprung und mit 17,8 Sekunden über 100 Meter gute Leistungen. Da ich zu dieser Zeit einen Schulblock hatte, musste ich an dem darauffolgenden Mittwoch in Bottrop die Serie leider unterbrechen.

Am nachfolgenden Wochenende in Stadskanal stellte ich dann mit 3,99 Meter eine Saisonbestleistung im Weitsprung auf. Zudem wurde ich zu einem Einlagewettkampf bei einem großen internationalen Leichtathletik-Meeting in Hengelo, was einen Tag später statt fand, eingeladen.

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Bei schwierigen Bedingungen, ständig drehendem Wind und Regen, erzielte ich in dem 100-Meter-Lauf mit 17,35 Sekunden eine neue persönliche Bestleistung. Das Stadion war fast ausverkauft und somit war die Erfahrung, vor einem so großen Publikum zu laufen, bereits eine schöne Probe für die Paralympics im nächsten Jahr.

Die Zeit während meines Schulblocks war zudem sehr stressig. Da es Ende des Blocks Zeugnisse für das erste Lehrjahr gab, musste ich die restlichen Klausuren für dieses Jahr noch in den ersten Wochen schreiben.

Doch die Arbeit hat sich gelohnt und so habe ich mit der Durchschnittsnote 2 mein erstes Lehrjahr erfolgreich abgeschlossen und habe gezeigt, dass ich viel gelernt habe.

Zurück auf Arbeit und zurück in der Vorbereitung für die nächsten Wettkämpfe, kamen einige der australischen Wettklasse-Athleten in Leverkusen an, um bei einigen der deutschen Wettkämpfe teilzunehmen. Unter anderem waren auch zwei Athletinnen meiner Klasse dabei.

Bei dem internationalem Sportfest in Leverkusen sollten wir dann die Gelegenheit haben uns nach der WM wiederzutreffen. Leider mussten diese dann aber wegen einer Verletzung kurzfristig absagen. Trotz allem konnte ich bei einem schönen Wettkampf auf der Heimanlage mit einer 17,35 Sekunden über 100 Meter glänzen und auch im Weitsprung mit einer 3,96 meine guten Leistungen in dieser Saison bestätigen.

Am letzten Wochenende im Juli werden die deutschen Meisterschaften stattfinden und bilden für mich den Abschluss der Wettkampf-Saison 2011.

Dort werde ich zusätzlich zu den 100 Meter und Weitsprung noch die 200 Meter laufen und hoffe auch dort auf gute Leistungen.

Anschließend legen ich und die anderen Athleten meiner Trainingsgruppe eine sechswöchige Trainingspause ein, um uns von dem langen Jahr 2011, das ja bereits im Januar mit der WM in Neuseeland begann, zu erholen, neue Kraft und Motivation zusammeln und natürlich auch endlich mal wieder Zeit für Dinge zufinden, für die neben Training und Arbeit sonst keine Zeit bleibt.

So freue ich mich im August auf ein paar Wochen auf Sylt und natürlich auf ein paar schöne Wochenenden in der Heimat bei meiner Familie und meinen alten Freunden.

Außerdem geht ab August das zweite Ausbildungsjahr für mich los.

Viele liebe Grüße und bis bald,

Eure Vanessa Low

Vanessa Low (21) aus Schwerin verlor im Alter von 15 Jahren bei einem Zugunfall beide Beine. Noch im Krankenbett fällte sie den Entschluss, im Behindertensport nach ganz oben zu wollen. Bei der IWAS-WM in Bangalore gewann sie 2009 die Goldmedaille im Weitsprung und Silber über die 100 Meter. Zudem hält sie den Weltrekord im Weitsprung (3,98 Meter). Beim TSV Bayer 04 Leverkusen wird Low von Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius trainiert. Ihr großes Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2012 in London. In ihrer SPORT1-Kolumne berichtet sie regelmäßig über ihre Stationen auf dem Weg dorthin.

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