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Verena Bentele gewann bei den Paralympics insgesamt zwölf Medaillen, davon acht Goldene © getty

Die zwölfmalige Paralympics-Siegerin sieht ihre Zukunft in der Personalberatung. Dem Sport will sie dennoch treu bleiben.

München - Der deutsche Sport hat eines seiner Aushängeschilder verloren, Verena Bentele sucht neue Herausforderungen.

"Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Sie ist in den letzten Monaten gereift, und ich bin mir sicher, dass es die richtige ist", sagte die zwölfmalige Paralympics-Siegerin: "Trotzdem bin ich auch ein wenig traurig, denn ich hänge sehr am Sport."

In ihrer aktiven Laufbahn habe sie "sehr viele tolle Menschen kennengelernt" und "zahlreiche wunderschöne Momente" erlebt.

Zukünftig will sich Bentele vor allem ihrer beruflichen Karriere widmen.

Rücktritt vom Rücktritt?

Beim Deutschen Behindertensport-Verband (DBS) hat man derweil die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Bentele ihre einmalige Karriere doch noch fortsetzt.

"Das ist sehr schade. Eine Weltklasse-Athletin tritt auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ab. Ich schließe aber nie einen Rücktritt vom Rücktritt aus. Was heute nicht geht, geht vielleicht in einem Jahr", sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher.

Bentele hatte 2010 in Vancouver fünfmal Gold gewonnen und damit maßgeblichen Anteil am deutschen Sieg in der Nationenwertung.

Wegen ihrer herausragenden Erfolge war die 29-jährige Münchnerin anschließend mit dem "Bambi" in der Kategorie Sport sowie dem Laureus Award ausgezeichnet worden.

Der unbedingte Wille ist weg

Bei vier Winter-Paralympics hat sie insgesamt 16 Medaillen gesammelt. 13 Jahre nach ihrem ersten paralympischen Erfolg im japanischen Nagano ist nun Schluss. 2014 in Sotschi wird die blinde Langläuferin und Biathletin nicht mehr in die Loipe gehen.

"Es ist besser, jetzt aufzuhören. Der unbedingte Wille noch einmal alles neu aufzubauen, ist einfach nicht mehr vorhanden", so Bentele.

Begleitläufer Thomas Friedrich hatte nach den Spielen in Kanada seinen Rückzug erklärt. Kurz vor Beginn der Wintersaison wollte nun auch Bentele "Fakten schaffen".

Auf dem Rad erfolgreich

Bereits im vergangenen Sommer hatte die Vorbereitung auf den Winter im Hintergrund gestanden, Bentele konzentrierte sich vor allem auf den Radsport.

Bei den deutschen Paracycling-Meisterschaften im Juli holte sich die von Geburt an blinde Sportlerin an der Seite von Pilotin Annika Wechner den Titel im Zeitfahren.

Zwei Monate später folgte ein achter Platz bei der WM im dänischen Roskilde.

"Ich habe großen Spaß am Radfahren und Joggen, werde beides zukünftig aber nur als Hobby betreiben. Zu mehr fehlt mir einfach die Zeit", erklärt Bentele.

Vorträge in Kommunikation

Im Januar beendete die in Lindau am Bodensee geborene Behindertensportlerin ihr Magisterstudium in Literatur, Sprachwissenschaften und Pädagogik. Als Personalberaterin hält Bentele seitdem Vorträge und Seminare zu den Themen Motivation und Kommunikation.

"Zu meinen Kunden zählen Banken, Versicherungen sowie Firmen aus allen Wirtschaftsbereichen. Bei meiner Arbeit profitiere ich natürlich auch von meinen Erfahrungen aus meiner Sportlerkarriere", so Bentele.

Bentele sieht "positive Entwicklung"

Dem Sport will der Paralympics-Star auch zukünftig treu bleiben.

Die Schulsportstiftung Baden-Württemberg unterstützt Bentele bei der Integration behinderter Kinder in den Sportunterricht.

Als Botschafterin des Internationalen Paralympischen Komitees hat sie sich zudem der Nachwuchsarbeit verschrieben.

"Die Entwicklung in Deutschland ist sehr positiv. Ich möchte mein Wissen weitergeben und den paralympischen Sport weiter nach vorne bringen. Allen Fans, die mich über die Jahre so toll unterstützt und unserem Sport Aufmerksamkeit geschenkt haben, gebührt ein großer Dank", sagte Bentele.

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