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Gerd Schönfelder hat seine erste Olympia-Goldmedaille 1992 in Albertville gewonnen © getty

Der 16-fache Paralympics-Sieger ist "Behindertensportler des Jahres". Auch Schaffelhuber und das Frauen-Basketballteam sind geehrt.

München - Den nächsten Karriere-Höhepunkt zehn Monate nach dem Rücktritt nahm Gerd Schönfelder mit einem ungläubigen Schmunzeln auf.

"Anscheinend muss man erst zurücktreten, um alle Ehrungen zu bekommen", sagte der 16-malige Paralympics-Sieger nach der Auszeichnung als Deutschlands Behindertensportler des Jahres.

Und der krönende Abschluss könnte noch kommen: Wenn am 10. Dezember in Peking die Welt-Behindertensportler ausgezeichnet werden, gilt der armamputierte Skifahrer als Favorit. (News: IPC-Nominierung für Schönfelder).

Viermal Gold in Vancouver

"Ich bin sehr optimistisch", sagte der 41-Jährige, der nach zweimal WM-Gold im Januar seine Karriere beendet hatte und kürzlich bereits als erster Deutscher mit dem Samaranch-Preis ausgezeichnet wurde:

"Es geht um die Leistungen der vergangenen beiden Jahre. Und da habe ich mit viermal Gold in Vancouver auf dem Papier die Nase vorne."

DBS hofft auf Bentele-Comeback

Dies gilt auch für die ebenfalls nominierte Verena Bentele, die mit ihrem überraschenden Rücktritt vor wenigen Wochen den Deutschen Behindertensportverband (DBS) regelrecht schockte.

In Abwesenheit der fünffachen Goldmedaillengewinnerin von Vancouver hielt sich in Köln hartnäckig das Gerücht, Bentele könnte rechtzeitig vor den Paralympics in Sotschi 2014 vielleicht noch einmal zurückkehren.

Den Kampf um einen schnellen Rücktritt vom Rücktritt hat Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher aber aufgegeben. (Bericht: Nach den Gold-Jahren: Bentele startet zweite Karriere).

Bentele nicht drängen

"Man muss akzeptieren, dass Verena jetzt erst einmal den beruflichen Einstieg braucht, sucht und findet", sagte er und ergänzte:

"Es liegt auch in meiner Verantwortung, die Sportler nicht auf Teufel komm raus im Leistungssport zu halten, ohne die Frage nach dem Danach zu beantworten."

Auf die Frage, ob es ausgeschlossen sei, dass die blinde Bentele in Sotschi im Biathlon und Langlauf startet, meinte Beucher schmunzelnd: "Ausschließen kann man nie etwas."

Paralympics 2012 im Blick

Doch auch wenn sie in Peking für einen deutschen Doppel-Triumph sorgen können, fürs Erste sind dem DBS in Schönfelder und der "Magdalena Neuner des Behindertensports" die beiden Aushängeschilder verloren gegangen.

Um die Zukunft macht sich Beucher aber keine Sorgen. "Zum einen sind Verena und Gerd dem Sport nicht verloren gegangen", sagte er.

"Zum anderen werden wir bei den Paralympics in London mit einer ganz starken Mannschaft an den Start gehen", betonte Beucher.

Schaffelhuber "Sportlerin des Jahres"

150 deutsche Athleten werden dabei sein, eine Medaillenchance ist das harte Nominierungskriterium.

Auch die Rollstuhl-Basketballerinnen, die als Mannschaft des Jahres geehrt wurden, gelten dann als Gold-Anwärter.

Außer ihnen gehörte die Bühne aber diesmal noch den Wintersportlern. Denn zur Sportlerin des Jahres wurde Mono-Ski-Fahrerin Anna Schaffelhuber gewählt.

Abinote von 1,6

Die 18-Jährige gilt als Parade-Beispiel für Beuchers These, sich um Persönlichkeiten keine Sorgen machen zu müssen.

In Vancouver war sie bei der Schlussfeier bereits jüngste Fahnenträgerin aller Zeiten. In diesem Winter holte sie dreimal WM-Gold, baute "nebenbei" noch ein Abitur mit 1,6 und startete nun ein Jura-Studium.

"Es ist schade, dass Gerd und Verena zurückgetreten sind", sagt sie: "Aber ich habe erwartet, dass das Loch größer wird. "

Dank an Bundespräsident a.D. Köhler

Dass es im deutschen Behindertensport in der Breite wie der Spitze stimmt, ist auch ein kleines Verdienst von Horst Köhler.

Der Bundespräsident a.D. hat sich laut Beucher "vor, während und nach seiner Amtszeit" für den Behindertensport eingesetzt und bekam am Samstag als erste Person den Ehrenpreis des DBS.

Der Alt-Bundespräsident fühlte sich sichtlich wohl, hielt eine launige Rede und sang mit einem Gebärdenchor das Lied "Salve Colonia."

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