Horror-Doping: Elektrische Reize an Fuß und Hoden
London - Absichtlich zertrümmerte Gliedmaßen, Elektroden an Genitalien und abgeschnittene Katheter:
Mit einer schockierenden Beichte hat der querschnittsgelähmte Kletterer Brad Zdanivsky wenige Tage vor dem Start der Paralmypics in London (29. August bis 9. September) über ungewohnte Dopingmethoden im Behindertensport für Aufsehen gesorgt.
Das Zauberwort heißt "Boosting". Denn nach einer Rückenmarkverletzung leiden viele Sportler unter niedrigem Blutdruck, der bis zu Schwindelanfällen führen kann.
Dieser steigt auch bei Anstrengung nicht automatisch an, kann durch Reizungen unterhalb der Verletzungsstelle - die Behinderte oft nicht spüren - aber sprunghaft in die Höhe getrieben werden und so eine Leistungssteigerung erwirken.
Brutale Methoden
Angeblich sollen zahlreiche Sportler diese Methode bei den letzten Paralympics in Peking angewendet haben, obwohl sie seit 1994 verboten ist.
"Ich habe verschiedene Möglichkeiten versucht", sagte der Kanadier Zdanivsky in einer "BBC"-Dokumentation:
"Man kann stundenlang nicht auf die Toilette gehen und somit die Blase füllen, bis es schmerzt. Manche schneiden gar einen Katheter ab, um die Blase zu füllen. Das ist die einfachste und häufigste Methode. Ich bin sogar noch einen Schritt weitergegangen. Ich habe elektrische Reize an mein Bein geklemmt, an meinen Fuß, und sogar an meine Hoden."
Ein britischer Journalist berichtet gar von Sportlern, die ihm gegenüber erzählt hätten, dass sie mit kleinen Hämmern auf Zehen geschlagen oder diese sogar gebrochen hätten.
"Ein großes Risiko"
Doch das Blutdruck-Boosting hat natürlich seinen Preis.
"Es ist natürlich ein großes Risiko. Es besteht die Gefahr eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts", sagte Zdanivsky:
"Aber der Effekt ist nicht wegzudiskutieren. Es ist zwar sehr unangenehm, aber wenn es Ergebnisse bringt, nehmen die meisten dies in Kauf."
Zdanivsky bricht mit Tabu-Thema
Doch da die Ausmaße offenbar immer gravierender sind, will der 36-Jährige das Thema nicht mehr zum Tabu erklären.
"Es ist eine hässliche Büchse, die niemand öffnen will, um darüber zu reden", sagte er:
"Das wird sich wahrscheinlich erst ändern, wenn es ein tragisches Erlebnis gibt und jemand während des Wettkampfs stirbt."
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