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Markus Rehm gewann in Ulm die Deutschen Meisterschaften im Weitsprung
Markus Rehm gewann bei denParalympics 2012 die Goldmedaille im Weitsprung © getty

Der Behindertensportverband fühlt sich wegen des geplanten Teilnahmeverbots seiner Sportler bei den Leichtathleten übergangen.

München - Protest durch den Deutschen Behindertensportverband (DBS), keine baldige Übernahme der Regel durch den Leichtathletik-Weltverband (IAAF).

Dies waren am Montag Reaktionen auf eine gravierende Regeländerung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ab 2013.

Die DLV-Regelkommission hatte beschlossen, dass Athleten, die Prothesen oder weitere technische Hilfsmittel benötigen, künftig getrennt von Athleten ohne Handicap gewertet werden.

"Für die IAAF ist die Regeländerung des DLV bei der Councilsitzung in dieser Woche kein Thema. Damit wird sich frühestens der Kongress während der Weltmeisterschaften im August 2013 in Moskau beschäftigen", erklärte Helmut Digel, Mitglied im Führungszirkel des Weltverbandes, der in dieser Woche in Barcelona sein 100-Jähriges Jubiläum feiert.

Keine Abstimmung

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) fühlt sich in der Frage gemeinsamer Wettkämpfe von nicht behinderten und behinderten Sportlern vom DLV übergangen.

Der für Leistungssport zuständige Vizepräsident des DBS, Karl Quade, sagte am Montag in Köln: "Wir hätten vom DLV erwartet, dass er uns an Beratungen über eine Regeländerung beteiligt und unsere Standpunkte in seine Meinungsbildung einbezieht."

DBS fordert Einbeziehung

Der DLV sei zwar autonom in seinen Entscheidungen, aber unter dem gemeinsamen Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) müssten sich die Spitzenverbände bei so weitreichenden Fachfragen partnerschaftlich abstimmen "und nicht mit voreiligen Veröffentlichungen Frühstarts hervorrufen, mit denen andere Beteiligte benachteiligt werden".

Zu den vom DLV angestrebten Regeländerungen für Athleten und Athletinnen mit Handicaps will sich Quade, bei den Paralympics 2012 in London Chef de Mission der deutschen Mannschaft, vorerst nicht äußern.

"Es gibt teilweise komplizierte offene Fragen zu klären, und das wollen wir gemeinsam tun, bevor wir damit an die Öffentlichkeit gehen. Sportpolitische Alleingänge sind schädlich, wir müssen aufeinander zugehen und miteinander reden", sagte der DBS-Vizepräsident.

Popow spricht von Skandal

DLV-Präsident Clemens Prokop hatte nach Veröffentlichung der Regeländerung am Sonntag die Beweggründe seines Verbandes klargemacht:

"Es geht uns nicht um den Ausschluss von Behinderten, sie sind auch künftig willkommen. Es geht uns darum, Leistungen, die mit technischen Hilfsmitteln erbracht worden, getrennt zu bewerten. Und darum, mühsame Diskussionen zu verhindern, wenn in Einzelfällen geprüft wird, ob eine Prothese einen Vorteil bedeutet."

Paralympics-Sieger Heinrich Popow (29) hatte schroff auf die neue DLV-Regel reagiert: "Sollte der DLV den gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderungen aktiv verhindern, ist das ein Skandal und weit entfernt von der Lebenswirklichkeit und dem Sport."

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