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Dominic Jentsch gehört mit 21 Jahren zu den besten Billardspielern der Welt © intern

Zum Start des World Cup of Pool spricht Mega-Talent Dominic Jentsch über seinen Sport, Karriere und das Erwachsenwerden.

Von Benjamin Bauer

München - Das deutsche Mega-Talent Dominic Jentsch und Routinier Ralf Souquet kämpfen für Deutschland beim World Cup of Pool (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Jentsch gehört mit seinen 21 Jahren zu den besten Billardspielern der Welt und zusammen mit dem 44-jährigen Hall-of-Famer Souquet will er in London gegen die starken Konkurrenten aus den USA und Fernost den WM-Titel holen.

In der ersten Runde wartet auf die an Position 9 gesetzten Deutschen Serbien, das für das wegen Visumproblemen ausgefallene Malaysia nachrückt. (HINTERGRUND: So geht Pool-Billard)

Im Interview mit SPORT1 spricht Jentsch über die Rollenverteilung im Team, Ziele, Pool-Billard im Ausland - und warum die Sportart hilft, erwachsener zu werden. (TELETEXT: Mehr zum Billard auf Seite 112)

SPORT1: Mit Ralf Souquet ist eine Ikone an Ihrer Seite. Ist das eher Druck oder Entlastung?

Dominic Jentsch: Es ist für mich eine Ehre, erstens mit ihm zusammen zu spielen und zweitens für Deutschland allgemein. Es gibt keinen Druck, da wir seit mehreren Jahren eng befreundet sind. Er ist für mich eine Ikone, weil er den Sport lebt wie fast kein Anderer.

SPORT1: Was können Sie von Souquet lernen - auch wenn Sie Ihn bereits besiegt haben?

Jentsch: Er hat so eine hohe Hingabe zum Sport und trainiert sehr diszipliniert. Er hat so viele Jahre hinter sich und spielt trotzdem so konstant auf einem Niveau.

SPORT1: Weil Malaysia kein Visum erhalten hat, wartet nun Serbien als erster Gegner im World Cup of Pool. Wer ist Favorit?

Jentsch: Wir sind haushoher Favorit gegen die. Es ist auf jeden Fall ein einfacheres Los als Malaysia. England ist Favorit, da dort das Turnier stattfindet und sie generell starke Spieler haben. Außerdem gehen sie mit zwei Teams an den Start. In der zweiten Runde spielen wir wahrscheinlich direkt gegen das zweite englische Team. Außerdem sind Taiwan und die Philippinen favorisiert.

SPORT1: Billard ist in Asien und dem englischsprachigen Raum äußerst populär. Woran liegt das?

Jentsch: In Asien ist es so, dass Pool-Billard-Tische sogar in den Universitäten stehen. Pool-Billard gibt es als richtiges Fach, das von Schülern gewählt werden kann. Das ist dort so angesehen wie hier teilweise der Fußball. Ralf Souquet geht in China und Taiwan auf die Straße und wird um Autogramme gebeten.

SPORT1: Machen Sie doch mal Werbung für Billard. Warum sollten Jugendliche mit Billard beginnen?

Jentsch: Es fördert die Konzentration, und man lernt, diszipliniert zu sein. Ich bin unheimlich perfektionistisch geworden, auch in anderen Dingen im Leben. Und man braucht eine gewisse Hingabe, um den Sport erfolgreich betreiben zu können. Das hilft einem, erwachsener zu werden.

SPORT1: Auf wie viele Stunden Billard kommen Sie so am Tag?

Jentsch: Wenn ich in der Wettkampf-Vorbereitung bin, spiele ich vier bis fünf Stunden am Tag. Sonst komme ich auf zwei bis drei Stunden.

SPORT1: Machen Sie mentales Training hinsichtlich der Konzentrationsfähigkeit?

Jentsch: Ich war früher unglaublich dürr, und es hat ein bisschen an Selbstbewusstsein gemangelt. Mentales Training hatte ich so aber nicht.

SPORT1: Neben Ihrem Job als Sportsoldat bei der Bundeswehr machen Sie eine Ausbildung zum Ernährungsberater. Ist das für den Billardsport hilfreich?

Jentsch: Es ist die beste Möglichkeit, die es gibt, da ich jeden Tag trainieren kann. Es ist so eingeteilt, dass ich meistens morgens und mittags zum Billard und nachmittags ins Fitnessstudio gehe. Außerdem achte ich auf meine Ernährung.

SPORT1: Können Sie von Billard leben?

Jentsch: Ohne die Bundeswehr wäre es sehr schwer. Man benötigt dann schon Sponsoren und muss in der Weltspitze spielen. Wenn man sich für den Billard-Sport entscheidet, ist man nur unterwegs. Auf meinem Niveau könnte ich davon leben, ich müsste dann aber wahrscheinlich nach Amerika auswandern.

SPORT1: Ist das nach der Ausbildung eine Option?

Jentsch: Das ist bei mir noch nicht hundertprozentig entschieden. Ich versuche, so lange wie möglich mehrgleisig zu fahren, bis irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem man sich für ein Ja oder Nein entscheiden muss.

SPORT1: Wie lautet demnach Ihr Karriere-Ziel?

Jentsch: Die Karriere-Ziele verschieben sich immer wieder. Vor zwei Jahren wollte ich noch Europameister werden, das habe ich mittlerweile bereits zweimal erreicht. Ich wollte eine Euro-Tour gewinnen, das habe ich letztes Jahr auch erreicht. Und ich habe in Ungarn eines der größten Turniere in Europa gewonnen. Mein Ziel und Traum ist es, beim World Cup unter die besten Drei zu kommen. Und irgendwann den Mosconi Cup zu spielen und Weltmeister zu werden.

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