vergrößernverkleinern
Ralf Souquet ist neben Oliver Ortmann der einzige Europäer in der Hall of Fame Copyright: BSV DACHAU/Thomas Blaumoser © intern

Superstar Ralf Souquet spricht bei SPORT1 über die deutschen Chancen beim World Cup of Pool, Rituale und seine Karriere.

Von Jörg Bullinger

München - Angefangen hat alles auf dem Billardtisch in der Gastwirtschaft der Eltern.

Mittlerweile ist Ralf Souquet Profi und einer der erfolgreichsten Spieler der Welt. Sein Pokalschrank dürfte mittlerweile einem Pokalzimmer gewichen sein.

Rechnet man die Erfolge als Junior mit, hat der gebürtige Eschweiler über 200 Turniere gewonnen, darunter über 40-EM-Titel.

Der einzige Europäer in der Billard-Hall of Fame spricht im SPORT1-Interview vor dem Start des World Cup of Pool (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) über seine Popularität, die Titelchancen und die Boom-Chancen des Billards.

SPORT1: Wie kamen sie zum Billardspiel?

Ralf Souquet: Im Prinzip durch meine Eltern im Alter von sechs Jahren. Es hat mich niemand gezwungen, sondern ich war einfach von den farbigen Kugeln fasziniert. (TELETEXT: Mehr zum Billard auf Seite 112)

SPORT1:Wie gehen Sie in einen Wettkampf?

Souquet: Es gibt gewisse Abläufe, die man versucht einzuhalten, aber keinen festgeschriebenen Plan. Wenn man gewisse Dinge probiert hat und damit erfolgreich war, bildet man sich ein, dass man es die nächsten Turniere so weitermacht. Man kann sich auch in einen Aberglauben verrennen. Dann ist man mehr mit anderen Dingen beschäftigt. Das kann nach hinten losgehen.

SPORT1: Vor allem in Taiwan/Philippinen gelten Sie als großer Star. Geht die Popularität soweit, dass die Frauen Ihnen Heiratsanträge machen?

Souquet: Das ist mir bisher noch nicht passiert. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich verheiratet bin. Wenn man auf die Straße geht, wird man erkannt und nach einem Autogramm gefragt oder ob man auch mal ein Bild machen kann.

SPORT1: Mit Dominik Jentsch haben Sie einen Partner, mit dem Sie noch nie zusammen gespielt haben. Ein Nachteil gegenüber den anderen Mitstreitern?

Souquet: Nein. Sicherlich, mit Thorsten Homann bin ich bereits dreimal angetreten, und man kennt sich besser, was das Verhalten angeht. Es ist das einzige Turnier im Jahr, wo man Doppel spielt. Dadurch hat man sehr wenige Möglichkeiten überhaupt in dieser Form zu trainieren. Aber das geht den anderen Teilnehmern genauso. Man muss versuchen, die Stellung für den nächsten Ball so zu spielen, als ob man selbst den nächsten Stoß ausführen würde. Wenn ich versuche, mich auf die Vorlieben meines Partners einzustellen, dann kämpfe ich gegen meinen inneren Schweinehund oder muss mit einer Position spielen, die mir persönlich nicht liegt und damit schwäche ich mein Spiel.

SPORT1: Geht man an eine Partie mit einer Taktik ran, die sich am Gegner orientiert oder zieht man sein Spiel durch?

Souquet: Es hat jetzt eine Änderung gegeben. Wir hätten ursprünglich gegen Malaysia spielen sollen. Von daher wäre es fatal gewesen, wenn wir uns auf den Gegner eingestellt hätten. Der größte Gegner sind wir selbst, das Material sowie der Tisch und die Umgebung. Wir müssen unser Ding durchziehen und unser Bestes geben. Dann ist es egal, ob wir gegen China, Serbien oder Malaysia spielen.

SPORT1: Mit Darts erfreut sich ein "Kneipensport" großer Beliebtheit. Kann Billard diesen Hype auch schaffen und was muss dazu passieren?

Souquet: Letztendlich muss die Medien-Präsenz da sein. Dart ist deshalb so bekannt worden, weil es im Fernsehen ständig übertragen wird. Das hatten wir mit dem Billard bereits vor mittlerweile fast 20 Jahren. Damals war "Die Farbe des Geldes" im Kino und im Fernsehen. Der Hype war da. Jetzt besteht eine neue Möglichkeit, da SPORT1 das Event live überträgt. Ich bin davon überzeugt, dass der Sport durch weitere Übertragungen populärer wird. Er ist ja eigentlich sehr beliebt, denn es gibt über zwei Millionen Menschen, die tagtäglich Billard spielen. Ich weiß nicht, wie viele andere Sportarten das von sich behaupten können.

SPORT1: Ist Ronny O'Sullivan ein besserer Pool-Spieler als Ralf Souquet im Snooker?

Souquet: Das kann ich mit ruhigem Gewissen mit ja beantworten. Ich habe Ronny O'Sullivan Pool spielen sehen. Er hat zwar nicht gewonnen, war aber vorne mit dabei. Ich habe selbst noch kein Snooker-Turnier mitgespielt, aber ich bin sicher, dass ich nicht annähernd so erfolgreich spielen könnte wie O'Sullivan im Pool.

SPORT1: Was ist wahrscheinlicher: Mönchengladbach spielt nächste Saison international oder Deutschland wird mit dem Duo Souquet/Jentsch Weltmeister?

Souquet: Ich glaube eigentlich, dass beide Varianten möglich sind. Gladbach hat eine sehr gute Chance, nächstes Jahr wieder international zu spielen. Unsere Möglichkeiten sehe ich auch als sehr gut an. Um den World Cup of Pool zu gewinnen, brauchen wir zur richtigen Zeit das nötige Glück. Es ist ein K.o.-System, und man kann nicht sagen, dass der Favorit das Turnier gewinnen wird. Gladbach hat 34 Spiele in einer Saison, da kann man sich schon mal einen Ausrutscher erlauben.

SPORT1: Wie viele Jahre haben Ihrer Meinung nach als Profi-Poolspieler noch vor sich?

Souquet: Wenn ich feststellen müsste, dass ich nicht mehr mithalten könnte und die Erfolge fehlen oder die Sponsoren abspringen würden, müsste ich umdenken. Meine Ziele sind, Sstand heute, den Sport noch mindestens fünf oder zehn Jahre professionell zu betreiben.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel