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Nicolai Waljuew gab am 15.10.1993 sein Debüt als Profi-Boxer in Berlin © getty

Der Schwergewichts-Boxer erobert den vakanten Titel zurück. Nun muss er die WM-Krone gegen einen Angstgegner verteidigen.

Von Andreas Ziepa

Berlin - Der Russe Nikolai Walujew ist wieder Box-Weltmeister im Schwergewicht.

Der 2,13 Meter große Hüne aus St. Petersburg bezwang am Samstagabend in der Max-Schmeling-Halle in Berlin im Kampf um den vakanten Titel der WBA den US-Amerikaner John Ruiz mit 3:0-Punktrichterstimmen.

Die WBA hatte den Titel für vakant erklärt, nachdem der usbekische Weltmeister Ruslan Tschagajew zwei Pflichtverteidigungen gegen Walujew wegen Verletzungen abgesagt hatte.

Pflichtverteidigung gegen Tschagajew

Walujew ist nun dazu verpflichtet, den Titel bis zum 26. Juni 2009 gegen Tschagajew zu verteidigen.

In Berlin war Walujew bereits im Dezember 2005 ebenfalls gegen Ruiz zum ersten Mal in seiner Karriere Weltmeister im Schwergewicht geworden.

Am 15. April 2007 in Stuttgart verlor er seinen Titel nach Punkten überraschend an Tschagajew.

Punktrichter sorgt für Verwirrung

Takeshi Shimakawa sorgte mit seiner Wertung für John Ruiz für Verwirrung. Er hatte den Kampf mit 114:133 für den Amerikaner gewertet und damit zunächst einen einstimmigen Sieg von Nikolai Walujew verhindert.

Shimakawa hatte die letzte Runde zwar für Walujew gewertet, aber auf dem Punktzettel falsch eingetragen. Obwohl der Fehler schnell bemerkt und auch korrigiert wurde, war die Verwunderung nicht nur bei den Boxern groß.

Auch das Publikum reagierte verwirrt auf die knappe Entscheidung. Der große Jubel für den russischen Riesen blieb zunächst aus, es gab sogar Pfiffe für ihn.

Walujew lernt Boxen

Der zweite Sieg gegen John Ruiz war nach Aussage seines Managers Wilfried Sauerland der bisher beste Kampf von Nikolai Walujew. Unter der Ägide seines neuen Trainers Alexander Zimin hat der Mann aus St. Petersburg nicht nur acht Kilo abgenommen, sondern er ist auch viel beweglicher und schneller geworden.

Ein eleganter und leichtfüßiger Techniker wird aus dem 2,13 Meter-Mann zwar nicht mehr werden, aber vor den anderen Größen im Schwergewicht braucht er sich in dieser Verfassung aber auch nicht mehr zu fürchten.

Lektion erfahren

Auffällig war insbesondere wie taktisch klug Walujew den Kampf gegen den kleinen und flinken Ruiz führte. Er ließ den US-Amerikaner bei seinen schnellen Vorstößen immer wieder ins Leere laufen und brachte mit seiner Führhand die entscheidenden Treffer an.

Vor allem, dass er boxerisch so klar überlegen sein würde, war nicht zu erwarten gewesen. Walujew hat offensichtlich seine Lektion aus dem ersten Kampf gelernt, als er gegen die Nadelstiche von Ruiz nichts ausrichten konnte und immer wieder am Kopf getroffen wurde.

Aus dem belächelten russische Riesen, der vor allem durch seine körperliche Größe hervor sticht, ist ein ernst zunehmender Boxer im Schwergewicht geworden.

Die Feuertaufe wird aber der Rückkampf gegen den im Moment verletzten Ruslan Tschagajew, gegen den Walujew nach einer katastrophalen Leistung seinen Titel verloren hatte.

Ob er aber schon die Klasse hat, sich auch gegen den boxerisch starken Usbeken zu behaupten, wird eine spannende Frage.

Kein K.o.

Trotz der klareren Treffer gelang es dem Russen nicht, seinen Gegner den K.o. zu versetzten. Walujew fehlt es trotz seiner körperlichen Überlegenheit an Schlagkraft, um einen Kampf vorzeitig zu beenden.

Ein Makel, der gegen Tschagajew oder Klitschko zum Problem werden könnte.

Es war dann auch der mächtige Promoter Don King, der darauf hinwies, dass Walujew hier noch Nachholbedarf habe, wenn er in den USA erfolgreich sein wolle.

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