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"Iron Mike" Tyson gewann 44 seiner 50 Kämpfe durch K.o. © imago

Tysons vierjährige Tochter ist nach einem tragischen Unfall gestorben. Der wohl schwerste Schicksalsschlag für den Ex-Champ.

Phoenix - Als Mike Tysons Tochter Exodus ihr junges Leben ausgehaucht hatte, war der einst gefürchtetste Boxer der Welt nur noch ein Häufchen Elend.

Im dramatischen Überlebenskampf des nur vier Jahre alt gewordenen Mädchens in einem Krankenhaus in Phoenix nach einem Unfall im mütterlichen Haushalt konnte der frühere Champion aller Klassen seinem Kind nicht mehr helfen und musste den wohl schwersten Schicksalsschlag seines Lebens hinnehmen.

"Wir sind dankbar für die liebevolle Unterstützung und die vielen Gebete. Es gibt keine Worte für den tragischen Verlust unserer geliebten Kindes", ließ Tysons Familie nach dem Tod des Mädchens in einer Erklärung verlauten und bat "in dieser schwierigen Zeit um Respektierung unserer Privatsphäre, damit wir trauern und uns gegenseitig helfen können, den Schmerz zu ertragen".

Nur von Maschinen am Leben erhalten

Tyson war am Montag aus Las Vegas nach Arizona geeilt, wo seine Tochter auf der Intensivstation des St. Joseph's Hospital lag.

Angeblich soll Exodus schon zu diesem Zeitpunkt nur noch von technichen Geräten am Leben erhalten worden sein. Zuvor hatte der Notarzt das Mädchen laut Polizei "in einem extrem kritischen Zustand" in die Klinik eingeliefert.

Die Umstände des Unfalls sind ungeklärt. Fest steht lediglich, dass Exodus sich beim Spiel auf einem Laufband in einer von der Gerätekonsole herabhängen Schlinge verfangen und dadurch selbst stranguliert hatte.

Bis zur Ankunft des Notarztes hatte die von ihrem siebenjährigen Sohn Miguel alarmierte Mutter verzweifelt die Wiederbelebung des bereits bewusstlosen Kindes versucht. (Tyson-Tochter in Lebensgefahr)

"Sie konnte sich nicht selbst befreien"

"Es scheint ein tragisches Unglück gewesen zu sein. Sie ist entweder ausgerutscht oder hat ihren Kopf in die Schlinge gehalten, die sich wie ein Galgenstrick zuzog. Sie konnte sich nicht selbst befreien", sagte ein Polizeisprecher.

Für Mike Tyson, der mit mehreren Frauen insgesamt sechs Kinder hat, dürfte der Unfall das ungeachtet all seiner Skandale traurigste Kapitel seines Lebens bedeuten.

Als Indiz für seine tiefe Bindung zu Exodus, die mit ihrer Familie getrennt vom Vater lebte, darf die unverzügliche Reise des einstigen Skandalboxers ans Krankenbett seiner Tochter gelten.

Eine Karriere mit Gefängnisstrafen

Wie "Iron Mike" den Tod von Exodus verkraften wird, ist völlig offen. Sein bisheriges Leben jedenfalls ist geprägt von der schweren Kindheit und Jugend in den Slums des New Yorker Stadtteils Brooklyn, Problemen, Gewalt und großen Geldsorgen.

Als Tyson 2005 seine Karriere beendete, stand der heute 42-Jährige trotz Gesamteinnahmen von geschätzt mehr als 200 Millionen Dollar hoch verschuldet vor den Scherbenhaufen seiner Existenz.

1986 mit 20 Jahren und vier Monaten dank seiner vernichtenden Schlagkraft zum jüngsten Schwergewichts-Champions aller Zeiten aufgestiegen, verlor Tyson den Titel vier Jahre später an James "Buster" Douglas.

Nach Verbüßung einer dreijährigen Haftstrafe wegen Vergewaltigung eroberte Tyson zwar 1996 die Gürtel vom Briten Frank Bruno und seines US-Landsmannes Bruce Seldon, wurde aber noch im gleichen Jahr im US-Duell mit Ex-Champ Evander Holyfield wieder entthront.

Der Biss ins Ohr

Im Revanche-Kampf acht Monate später dokumentierten Tysons Bisse in Holyfields Ohr den Niedergang des "Baddest Man on the Planet", der sich 1999 durch eine Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis wegen Körperverletzung und den Kampf gegen Francois Botha, in dem Tyson dem Südafrikaner den Arm brechen wollte, fortsetzte.

Sein letzter Griff nach dem Titel scheiterte 2002 gegen den Briten Lennox Lewis durch eine ernüchternde K.o.Niederlage.

30 Millionen Dollar Schulden

Ein Jahr später meldete Tyson angesichts von 30 Millionen Dollar Schulden Konkurs an und scheiterte zwischen 2004 und 2005 zweimal mit Comeback-Versuchen.

Vor zwei Jahren musste der Ex-Champ wegen Drogenbesitzes nochmals für einen Tag ins Gefängnis und befindet sich seitdem auf Bewährung auf freiem Fuß.

Zuletzt hatte im Vorjahr die Premiere des Dokumentarfilms "Tyson" über sein Leben bei den Filmfestspielen in Cannes für Aufsehen gesorgt.

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