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Im ersten Vergleich musste Nikolaj Walujew (l.) ordentlich einstecken © getty

Nach einem peinlichen Chaos kommt es am Samstag zum Re-Match zwischen den Weltmeistern Ruslan Chagaev und Nikolaj Walujew.

Helsinki/Hamburg - Gesucht wird der wahre WBA-Weltmeister. Sowohl Nikolai Walujew als auch Ruslan Chagaev bezeichnen sich als Champions und werden von ihren Boxställen entsprechend angepriesen.

Um den Russen und den Usbeken, die für die deutschen Ställe Sauerland Event und Universum Box-Promotion in den Ring steigen, gab es monatelang ein peinliches Chaos, das von den Managern gefördert und dem Verband verantwortet wurde.

Am Samstag (23 Uhr) treffen die beiden Schwergewichtler in Helsinki nun erneut aufeinander (Walujew vs. Chagaev ist fix).

Danach soll endlich Klarheit herrschen, wer denn nun der Champion ist.

Walujews "wichtigster Kampf"

"Die Revanche des Riesen" heißt das reißerische Motto des Kampfes in Anspielung auf die erste Auseinandersetzung der beiden, die Chagaev im April 2007 für sich entschied und damit dem 2,13 Meter-Mann aus St. Petersburg die einzige Niederlage seiner Laufbahn beibrachte.

"Dies wird der wichtigste Kampf meiner Karriere sein", sagt der 35-Jährige. Und bei einer weiteren Niederlage wahrscheinlich auch der letzte.

Rundumerneuerung beim Russen

Vor zwei Jahren wurde Walujew von seinem 28 Zentimeter kleineren Kontrahenten nach allen Regeln der Kunst ausgeboxt und stand kurz vor einem K.o.

"Damals war ich nicht bereit, weder physisch noch psychisch", meint der St. Petersburger.

Er tauschte danach den Trainer aus, stellte die Ernährung um, veränderte Teile seines Umfeldes: "Jetzt ist alles besser."

Chaotische Verbandspolitik

Dass er überhaupt als Titelträger in den Ring steigen darf, liegt an der chaotischen Verbandspolitik der WBA-Funktionäre. Zweimal war ein Re-Match gegen Chagaev angesetzt, zweimal musste der Usbeke wegen Verletzungen passen.

Vor rund einem Jahr riss ihm die Achillessehne. Walujew boxte in der Zwischenzeit weiter, die WBA, die nur bei Titelkämpfen richtig fett mitkassiert, setzte für August 2008 einen WM-Kampf gegen John Ruiz an, und versprach gleichzeitig Chagaev, dass er bei seinem Comeback wieder Weltmeister sei.

Und jetzt haben alle den Salat.

Chagaev fühlt sich ungerecht behandelt

"Das alles hat mich wütend gemacht", sagt der noch ungeschlagene Wahl-Hamburger Chagaev, "normalerweise wird ein Boxer zum Interimsweltmeister ernannt, bis der wahre Titelträger wieder fit ist".

Er selbst kam im Februar mit einem Erfolg über Carl Drummond zurück.

Trainer Michael Timm stand nun im Training wieder auf Holzkisten, um die Größe des Gegners zu simulieren. "Ruslan wird wieder zeigen wie es geht", sagte Timm, "er ist hungrig, die Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren ist, mit den Fäusten zu beantworten".

Sauerland und Kohl mit eigenen Interessen

Die Promoter Wilfried Sauerland und Klaus-Peter Kohl hatten zuvor kein Interesse daran, die unübersichtliche Titelsituation zu klären.

Sie sind ihren TV-Partnern ARD und ZDF gegenüber verpflichtet, eine bestimmte Anzahl WM-Kämpfe zu zeigen und verkauften ihre Schwergewichtler bei den letzten Auftritten entsprechend.

ZDF-Ausstieg deutet sich an

Walujew und Chagaev kämpfen so auch einen Stellvertreterkrieg aus. Nach den bisherigen Gepflogenheiten zwischen den wichtigsten deutschen Ställen hätte das Re-Match im ZDF laufen müssen, da das erste Duell bereits in der ARD zu sehen war.

Eine gütliche Einigung wurde aber nicht erzielt, der Kampf wurde versteigert, Sauerland bot sicherlich dank seines TV-Partners mehr Geld und die ARD überträgt.

So deutet sich der Ausstieg der "Mainzelmännchen" aus dem Faustkampfgewerbe an. Der 2010 auslaufende Vertrag mit Universum soll nicht verlängert werden.

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