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Ruslan Chagaev bleibt zunächst Weltmeister im Wartestand © getty

Das Gezerre um den WBA-Titel geht nach der krankheitsbedingten Absage des Fights Chagaev vs. Walujew weiter. Ein Ringarzt kritisiert die Tests.

Helsinki - Nach der überraschenden Absage des WM-Kampfes zwischen Ruslan Chagaev und Nikolai Walujew am Freitagabend in Helsinki geht der Weltverband WBA in Klausur.

Innerhalb von einer Woche will die World Boxing Association alle Argumente abwägen und über die Zukunft im Schwergewicht entscheiden (Hepatitis! WM-Kampf geplatzt).

Dies gab die WBA am Samstagnachmittag nach einer dreieinhalbstündigen Beratung in einem Flughafenhotel in der finnischen Metropole bekannt.

Mit am Tisch saßen alle Beteiligten der neuerlichen Box-Posse: Der finnische Boxverband, der den Kampf aus medizinischen Gründen verboten hatte, der Usbeke Chagaev, dem bei einem Test Hepatitis-B-Erreger nachgewiesen worden waren, der Russe Walujew, der wegen der vermeintlichen Ansteckungsgefahr nicht antreten wollte, sowie die Promoter Wilfried Sauerland (Walujew) und Klaus-Peter Kohl (Chagaev).

Zwei Ställe, zwei Meinungen

Wie so oft in der Vergangenheit waren sich Sauerland und Kohl auch dieses Mal nicht einig in der Bewertung der dubiosen Vorgänge vom Vorabend.

Während Sauerland darauf pochte, der finnische Verband habe bei dem Kampfverbot nach seinen Regeln entschieden, warf Kohl den Gastgebern Fehler vor.

Sauerland forciert Nachtest

Der entscheidende Punkt bei der Betrachtung der Umstände war die mögliche Ansteckungsgefahr bei Ruslan Chagaev, der seit fünf Jahren an Hepatitis B leidet. Diese wurde bei einem vom Sauerland-Stall forcierten Nachtest offenbar festgestellt.

Während Sauerland darauf pochte, der finnische Verband habe bei dem Kampfverbot nach seinen Regeln entschieden, warf Kohl den Gastgebern Fehler vor.

"Der finnische Verband hat in der Anhörung erklärt, dass er den Kampf nicht untersagt habe, sondern durchführen lassen wollte, wenn Nikolai Walujew einer passiven Schutzimpfung (Immunglobuline/Anm. d. Red.) binnen 24 Stunden nach dem Kampf zugestimmt hätte", hieß es in einer Mitteilung des Hamburger Boxstalls.

"Eine Entscheidung von Walujew wurde nicht mitgeteilt. Die Universum Box-Promotion behält sich vor diesem Hintergrund rechtliche Schritte vor".

Chagaev wurde demnach in die Kategorie 1 eingestuft, also gering infektiös. Damit sei ein Risiko vorhanden, es folgte der Verbot der Austragung (WBA-Champion gesucht: Revanche des Riesen?).

Keine einheitliche Regelung

Dies sieht der renommierte Ringarzt Walter Wagner aus Bayreuth anders.

Wagner verwies auf das Problem, dass es international keine einheitliche Regelung für medizinische Tests gebe: "Ich habe in Deutschland Kämpfe von Chagaev sanktioniert, weil die Untersuchungen seit Jahren einen gleichen Wert ergaben, der eine Ansteckungsgefahr praktisch ausschließt. In Deutschland hätte der Kampf stattgefunden."

Alles ist möglich

Derzeit scheint offen, wie die WBA innerhalb der sieben Tage entscheiden wird.

Möglich ist alles, von einer Neuansetzung des Duells bis zur Vergabe des Titels an Nikolai Walujew, da Chagaev nun bereits zum dritten Mal nach zwei Absagen im Jahr 2008 einen Titelkampf platzen ließ.

Im April 2007 hatte Chagaev dem Russen Walujew die bislang einzige Niederlage zugefügt und sich damit den WBA-Gürtel gesichert.

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