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Don King dreht sein Fähnchen gerne nach dem Wind © getty

Während Sauerland und Kohl sich nach der Chagaev-Walujew-Absage die Haare raufen, geht Don King zur Wahrung seiner Interessen über.

Helsinki/Hamburg - Als Erster sprach natürlich Don King Klartext.

Während die deutschen Promoter Wilfried Sauerland und Klaus-Peter Kohl nach dem Box-Skandal von Helsinki noch ihre Betroffenheit über die kurzfristige Absage des für Samstag angesetzten Schwergewichtsduells um die WBA-Krone zwischen Nikolai Walujew und Ruslan Chagaev ausdrückten, ging der umtriebige Amerikaner sofort zur Wahrung seiner Interessen über.

"Die WBA muss Walujew schleunigst und eindeutig zum alleinigen Champion erklären", erklärte King (Hepatitis! WM-Kampf geplatzt).

Mit 50 Prozent ist King an den Promoter-Rechten für den "russischen Riesen" beteiligt.

Anreise trotz Absage

Trotz der Absage des Kampfes am Freitag um 22.19 Uhr Ortszeit setzte er sich in New York noch in eine Maschine, um Samstagfrüh in der finnischen Hauptstadt zu sein.

King muss keine Rücksicht nehmen auf den Verlust von rund 500.000 Euro, den sein deutscher Partner Sauerland durch die Absage zu tragen hat, ihn interessiert die Verärgerung der ARD nicht, und "Skandal" ist ohnehin sein zweiter Vorname. King reibt sich die Hände über die Vorfälle in Helsinki.

Schwach ansteckende Hepatitis-B-Infektion

Freitagabend hatte der finnische Verband bekannt gegeben, dass der Kampf abgesagt werden muss. Chagaev habe die obligatorischen medizinischen Tests nicht bestanden, da er eine schwach ansteckende Hepatitis-B-Infektion in sich trage.

Das gesundheitliche Risiko für Walujew sei zu hoch. Tatsächlich ist die Erkrankung von Chagaev seit Jahren bekannt, in Deutschland darf er damit allerdings kämpfen. Warum Sauerland-Event den Fight nach Finnland gelegt hat, obwohl dort andere Maßstäbe gelten, blieb unklar.

Sauerland wies den Verdacht, er habe eine Absage billigend in Kauf genommen, natürlich weit von sich: "Das ist absurd. Ich wäre doch verrückt, wenn ich freiwillig eine Kampfabsage riskieren würde. Wir haben durch die Absage eine halbe Million Euro verloren, weil die Versicherung bei Hepatitis B nicht zahlt."

Werte wie April 2007

Auch die Universum-Seite blieb stur. Die Hamburger hätten schließlich ebenfalls im Vorfeld wissen müssen, dass in Finnland andere Regeln gelten.

"Wir sind der Auffassung, dass der finnische Verband eine falsche Entscheidung getroffen hat", sagte Dietmar Poszwa aus der Universum-Geschäftsführung: "Die Werte, die der am Donnerstag veranlasste Nachtest aufwies, waren die gleichen, die Ruslan seit Jahren aufweist. Er war kampffähig, das hat uns auch Ringarzt Walter Wagner bestätigt." (Ringarzt übt Kritik)

Vor dem ersten Kampf zwischen den beiden im April 2007 in Düsseldorf waren die Werte identisch, damals war das kein Problem.

Chagaev am Boden zerstört

Chagaev war naturgemäß am Boden zerstört, als er die Nachricht von der Absage erfuhr. "Ich bin gesund und fit und verstehe nicht, warum ich nicht boxen darf", sagte der 30 Jahre alte Usbeke: "Ich hoffe, dass die WBA so schnell wie möglich einen neuen Termin für den Kampf findet." Auch sein Trainer Michael Timm war außer sich: "Ich kann noch immer nicht glauben, dass man unserem Sport sowas antut. Das ist ganz schlimm für das Boxen."

Entscheidung innerhalb einer Woche

Am Samstagmorgen hatte die WBA alle Beteiligten zu einem Gespräch gebeten, in dem alle Argumente vorgetragen wurden. Eine Entscheidung soll es innerhalb der kommenden Woche geben. Nicht auszuschließen ist, dass Chagaev der Titel aberkannt wird.

Der Usbeke hatte im April Walujew entthront, konnte danach aber zweimal nicht zu den Re-Matches antreten, einmal war er erkrankt und beim zweiten Mal Anfang 2008 war seine Achillessehne im Training gerissen.

Er durfte sich nach seinem Comeback wieder Weltmeister nennen, Walujew gilt als Interims-Champion. Der Fight sollte nun klären, wer der wahre Weltmeister ist.

Karriere des Ringgiganten auf der Kippe

Chagaev in Bestform ist eine Gefahr für Walujew, das ist jedem bewusst, auch Don King und dem Sauerland-Team.

Bei einer weiteren Niederlage des 35 Jahre alten St. Petersburgers wäre die Karriere des Ringgiganten möglicherweise beendet gewesen. Ganz zu Schweigen vom angestrebten Mega-Zahltag für eine Titelvereinigung mit einem der Klitschko-Brüder (WBA-Champion gesucht: Revanche des Riesen?).

"Wenn Walujew gegen Chagaev erneut verliert, ist dieser Kampf uninteressant", sagte Klitschko-Manager Bernd Bönte vor Wochen. Jetzt könnte er in diesem Jahr doch noch stattfinden - Don King freut sich schon.

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