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Der frühere Kickbox-Weltmeister Mladen Steko will seine Sportart in den Medien pushen © SPORT1

Polieren am Image: Mladen Steko will Kick-Boxen salonfähig machen. Im Sport1-Interview erklärt der 32-Jährige seine Pläne.

Von Jürgen Blöhs

München - Er war Olympia-Teilnehmer, 1998 bis 2003 WKA-Weltmeister sowie 2003 ISKA-Weltmeister, betreibt mit Bruder Pavlica zwei Gyms in München, trainiert und managt Welt-, Europa- und Deutsche Meister bei Profis und Amateuren, arbeitet mit dem Nachwuchs, veranstaltet Profi-Kampfabende - Mladen Steko lebt für den Kampfsport.

Aber alles war nicht möglich, also entschied sich der 32-jährige "Workoholic", seine aktive Laufbahn zu beenden, um das Thai- und Kickboxen in Deutschland voranzubringen. Ziel ist eine Medien-Präsenz wie das Boxen sie genießt.

Im Sport1-Interview verrät Steko, wie er das erreichen will - und was der Traum eines jeden Thai- und Kickboxers ist.

Sport1: Sie sind gerade mal 32 Jahre alt, steigen aber nicht mehr in den Ring. Warum?

Mladen Steko: Das schaffe ich zeitlich nicht. Ich habe mit meinem Bruder Pavlica zwei Gyms in München, wir trainieren und managen knapp über 50 Profis, davon 15 in der Weltspitze sowie viele Nachwuchs-Fighter, richten pro Jahr mindestens fünf Kampfabende aus und begleiten unsere Kämpfer zu Veranstaltungen. Morgens spiele ich eine Stunde mit meiner Tochter, und dann habe ich einen 14-Stunden-Tag, bevor ich um 23 Uhr nach Hause komme. Das gilt auch für die Wochenenden.

Sport1: Was sind Ihre Ziele als Trainer und Promoter?

Steko: Das Thai- und Kickboxen populärer und "seriöser" machen. Wie früher das Boxen wird unser Sport noch häufig mit dem Rotlicht-Milieu in Verbindung gebracht.

Sport1: Wie soll das funktionieren?

Steko: So wie das Boxen damals mit "Gentleman" Henry Maske aus der Schmuddelecke kam, haben wir zum Beispiel Christine Theiss als Vorbild. Sie wurde gerade mit dem "Bayerischen Sportpreis" ausgezeichnet und eilt derzeit von im Fernsehen von Show zu Show.

Sport1:Sehen Sie Fortschritte?

Steko: Ja, ob in Karlsruhe, Pforzheim, Stuttgart oder München? Die Hallen waren voll bei unseren letzten Veranstaltungen. Auch in Hamburg oder Berlin gibt es große Fan-Gemeinden.

Sport1: Warum erreicht Kickboxen trotzdem nicht die Aufmerksamkeit der TV-Sender?

Steko: Wir haben seit drei Jahren einen Vertrag mit dem DSF. Boxen ist bei allen großen Sendern präsent. Vielleicht wollen die kein Überangebot an Kampfsport. Da hinkt Deutschland weit hinter Frankreich oder den Niederlanden, wo RTL überträgt, hinterher.

Sport1: Warum finden sich so wenig gebürtige Deutsche in der Weltspitze?

Steko: Das ist wie beim Boxen. Viele Kämpfer aus Osteuropa drängen in die Spitze. Ich weiß nicht, ob sie zu mehr Opfern bereit sind oder die Deutschen einfach mehr Möglichkeiten haben, sich im Leben zu profilieren?

Sport1: Boxer träumen vom Madison Square Garden oder Las Vegas. Wie sieht es bei Ihren Kämpfern aus?

Steko: Die USA sind natürlich ein großes Ziel wegen der Reichweite im TV. Auch eine ausverkaufte Amsterdam-Arena ist ein tolles Gefühl. Ziel der Thai-Boxer ist natürlich ein großer Kampf in Bangkok, aber unser Las Vegas ist Tokio, wo man vor zehntausenden begeisterten Zuschauern kämpft. Und in Japan gibt?s die besten Börsen. Da sind sechsstellige Summen zu verdienen.

Sport1: Können Sie da als Promoter bei großen Kämpfen mitbieten?

Steko: Das ist schwer. Wir müssen genau abwägen, was wir wieder reinbekommen. Wir sind noch nie mit Verlust aus einem Kampfabend gegangen - und das soll so bleiben.

Sport1: Wie ist es um die Objektivität der Kampfrichter bestellt?

Steko: Da gibt es nationale Unterschiede: Einige bewerten die Härte der Schläge, andere eher die Masse und dann wird auch der Kampfstil unterschiedlich gewichtet. Aber im Großen und Ganzen werden die Urteile akzeptiert, da offensichtlicher Betrug gar nicht möglich ist, denn bei einem umstrittenen Ergebnis kann Protest eingelegt werden. Dann wird der Kampf auf Video angesehen und von neuen Punktrichtern bewertet.

Sport1: Wie ist es in Deutschland um den Nachwuchs bestellt?

Steko: Sehr gut. Gerade deutsche Talente wie Maximilian Köcknitz oder Mario Stanislaw sind auf einem sehr guten Weg. Man muss abwarten, wie sie den Sprung ins Profi-Lager schaffen, denn der ist ähnlich schwer wie beim Boxen.

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