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Wladimir Klitschko ist Weltmeister der Verbände IBF, WBO und IBO © imago

Wladimir Klitschko rechnet mit seinem angedachten Gegner David Haye ab. Mehr als eine große Klappe habe der Engländer nicht zu bieten.

Von Rainer Nachtwey

München - Während sich Wladimir Klitschko noch für den WM-Kampf am 20. Juni gegen Ruslan Chagaev vorbereitet, rechnet "Dr. Steelhammer" mit seinem eigentlichen Gegner David Haye ab.

"Haye hat nichts außer einem großen Mund. Er hat nichts eingehalten, was er versprochen hat", sagte er über den angedachten englischen Herausforderer in der "Abendzeitung". Haye hatte den Fight in der Arena AufSchalke aufgrund einer Verletzung platzen lassen (WM-Kampf Klitschko gegen Haye geplatzt).

Das Klitschko-Management bemühte sich sofort um einen Ersatz und fand ihn in Chagaev. Darüber ist der "kleine Klitschko" nicht traurig.

Dankesbrief an Chagaev

"Sportlich ist das eine viel größere Herausforderung. Vielleicht sollte ich Ruslan ein Dankschreiben schicken, dafür dass er eingesprungen ist", sagte Ukrainer. "Verdient hat er es sich."

Dass er nun ausgerechnet gegen Chagaev boxen wird, war zu Beginn eine Überraschung. Schließlich hatte die Hepatitis-B-Erkrankung des Usbeken vor zwei Wochen für die Absage des angesetzten Fights gegen Nikolai Walujew gesorgt (Hepatitis! WM-Kampf geplatzt).

"Aus einem Haufen Mist erwächst eine wunderschöne Blume"

Angst, sich anzustecken, habe er nicht, meinte Klitschko. Er verstehe auch nicht, dass Walujew sich nicht habe impfen lassen, schließlich hätte man von Chagaevs Zustand bereits beim ersten Kampf gewusst.

Er freue sich vielmehr auf das Duell mit dem Rechtsausleger (Klitschko auf Schalke nun gegen Chagaev). "Der Fight ist noch besser als der Kampf gegen Haye. Haye ist absolut unreif. Als Mensch und als Kämpfer. Aber wie man sieht, aus allem Übel entsteht Besseres. Aus einem Haufen Mist erwächst eine wunderschöne Blume", meinte Klitschko.

"Ruslan hingegen ist ein feiner zurückhaltender, respektvoller Mensch. Ein Mann der Taten sprechen lässt", lobte er den Charakter seines Gegners. "Haye ist der Gegenentwurf."

Haye hat die Grenze überschritten

Generell ließ Klitschko kein gutes Wort an dem angedachten Gegner.

Dessen Provokationen mit Bildern auf seinem T-Shirt, auf denen Haye die abgeschlagenen Köpfe von Klitschko und dessen Bruder Vitali hochhält, bezeichnete er als "schändlich" (Haye sorgt für Eklat: Klitschko geköpft).

"Er hat Dinge gemacht, die unter der Gürtellinie waren. Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Aber dort, wo es um die Familie geht, ist jede Grenze überschritten. Als Vitali die Fotomontage sah, hätte er ihn am liebsten gleich verprügelt."

Dies hatte Klitschko eigentlich am 20. Juni vorgehabt. Als Haye den Kampf dann platzen ließ, fühlte sich der 33-Jährige betrogen: "Ich wollte ihn unbedingt bestrafen, sein Antlitz in ein Pizzagesicht verwandeln. Mit sehr viel Ketchup drauf."

Klitschko widerspricht seinem Trainer

Deshalb wäre er sehr überrascht gewesen, als sein Trainer Emanuel Steward über Haye sagte, der Engländer würde ihn an den jungen Cassius Clay erinnern.

"Es passiert nicht oft, dass ich Emanuel widersprechen muss. Aber ich denke, jeglicher Vergleich in dieser Richtung verbietet sich. Das wäre so, als würde man einen Elefanten mit einer Maus vergleichen", sagte Klitschko.

Schließlich stehe Ali nicht nur für großartigstes Boxen, sondern auch für den Kampf für Menschenrechte, für die Schwarzenbewegung, die Antikriegsbewegung, für Völkerverständigung und für Zivilcourage. "Und wofür steht David Haye?", fragte Klitschko und gab die Antwort gleich selbst: "Für eine große Klappe und schlechte Manieren."

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