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Fäustelei an frischer Luft: Jack Dempsey boxt im Juli 1923 gegen Tommy Gibbons © imago

Freiluftkämpfe, wie der zwischen Wladimir Klitschko und Ruslan Chagaev, haben im Boxen Tradition. Ein historischer Rückblick.

München - Rekorde, Dramen, Anekdoten - Boxen in Freiluftarenen war schon immer ein Spektakel für die Zuschauer.

Gilt der kleine Blick in die Historie als Maßstab, dürfen sich die rund 60.000 Fans im WM-Stadion auf Schalke am Samstag auf ein ereignisreiches Schwergewichts-Duell zwischen Zweifach-Weltmeister Wladimir Klitschko und dem neuen Herausforderer Ruslan Chagaev freuen (Klitschko: "Der beste Mann nach meinem Bruder").

"Man bekommt in einer Halle nie eine solche Stimmung wie in einem Stadion", sagt Hartmut Scherzer.

Vorbild "Rumble in the Jungle"

Der freie Journalist weiß, wovon er redet. Er saß zum Beispiel am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion, als Muhammad Ali den tapferen deutschen Schwergewichtler Karl Mildenberger vor 35.000 Zuschauern in Runde zwölf stoppte.

Auch beim "Rumble in the Jungle" am 30. Oktober 1974 gehörte Scherzer zu den Chronisten vor Ort.

Ali sorgte im Nationalstadion von Kinshasa/Zaire mit seiner "Rope-a-dope"-Taktik für eine Sensation, als er den bis dahin ungeschlagenen Muskelmann George Foreman in der achten Runde vom WM-Thron knockte. "Wenn der Kampf später begonnen hätte, wäre er wohl abgebrochen worden. Es gab eine halbe Stunde nach dem Schlussgong ein Unwetter", erklärt Scherzer.

Die Gefahr eines Abbruchs besteht auf Schalke nicht, denn das Dach könnte unabhängig vom Wetter wegen Lärmschutzbestimmungen verschlossen werden.

Trauriger Axel Schulz

Beim Reviernachbarn aus Dortmund war man dem Wetter am 22. Juni 1996 ausgesetzt, es regnete den ganzen Tag, weswegen nur etwas mehr als 20.000 Zuschauer ins Westfalenstadion strömten. Traurig wie das Wetter war auch erneut die Leistung von Axel Schulz, der den Kampf um die vakante IBF-WM gegen Michael Moorer verlor.

Wenige Wochen später waren das Wetter, die Stimmung und vor allem der Kampf besser.

25.000 Zuschauer am Millerntor sahen ein spektakuläres Duell zwischen Halbschwergewichts-Weltmeister Dariusz Michalczewski und Graciano Rocchigiani.

"Schweine seid ihr"

Der Berliner Rechtsausleger versohlte den WBO-Champion über sieben Runden, leistete sich dann einen Nachschlag und wurde nach einer bühnenreifen Vorstellung von Michalczewski von Ringrichter Joe O'Neill disqualifiziert.

"Schweine seid ihr, Betrüger!", schrie Rocky seinerzeit auf der Pressekonferenz in Richtung Promoter Klaus-Peter Kohl.

Schmeling lockt die Massen

Für Freiluft-Rekorde sorgten vor allem die Oldtimer. Den Kampf zwischen Max Schmeling und Walter Neusel am 26. August 1934 auf der Sandbahn in Hamburg-Lokstedt sahen 102.000 Zuschauer - Europarekord.

Vor allem in den Staaten zog Schmeling die Massen an, 53.000 Zuschauer im Yankee Stadium in New York sahen am 8. Juni 1933 seine Niederlage gegen Max Baer.

Es war die erste Promotion von Ex-Weltmeister Jack Dempsey, sie brachte damals Einnahmen von 239.676 Dollar und wurde als Kampf des Jahres ausgezeichnet. Weltmeister wurde Schmeling am 12. Juni 1930 gegen Jack Sharkey, vor 80.000 Fans im Yankee Stadium.

Ein Mann für Spektakel

Nun zu Jack Dempsey: Der "Manassa Mauler" war der Mann für Bestmarken und Spektakel.

Am 2. July 1921 verteidigte er seinen Schwergewichts-Titel durch K.o. in der 4. Runde gegen Georges Carpentier. Es war der erste Fight, der im nationalen Radio übertragen wurde. Die 91.000 Zuschauer im Boyle's Thirty Acres, Jersey City/New Jersey, brachten mit 1,8 Millionen Dollar die erste Millionen-Einnahme der Boxgeschichte.

Und dann war da noch Dempseys letzte erfolgreiche Titelverteidigung gegen den "Wilden Bullen aus den Pampas", Luis Firpo, am 14. September 1923 in den Polo Grounds von New York.

Sieben Mal am Boden

85.000 Zuschauer im Baseball-Stadion der New York Giants sahen eine unglaubliche erste Runde.

Der hünenhafte Firpo ging siebenmal zu Boden und schickte dann Dempsey zweimal in den Staub. Dabei flog der Weltmeister einmal durch die Ringseile und landete auf einer Schreibmaschine. Dempsey knockte Firpo dann in Runde zwei aus.

Den Zuschauer-Weltrekord hält im Übrigen ein mexikanischer Box-Superstar. Julio Cesar Chavez verteidigte seinen WBC-Titel im Juniorwelter am 20. Februar 1993 gegen Greg Haugen mit Erfolg vor über 136.000 Zuschauern im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt.

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