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Für Ruslan Chagaev (l.) stehen Frau (r.) und Kinder eindeutig an erster Stelle © getty

Im Ring kennt Ruslan Chagaev kein Mitleid - privat gibt sich der Boxer ganz zahm. Hier unterscheidet er sich von seinem Idol.

München - Boxer, Sport-Pädagoge, Familienvater: Seinen Traumberuf hätte Ruslan Chagaev schnell gefunden.

"Wenn ich kein Boxer wäre, wäre ich einfach gerne nur Papa und würde viel Zeit mit meiner Familie verbringen", sagt der 30 Jahre alte Schwergewichtler, der im Profilager zur Weltspitze gehört.

Doch seinen Traum wird er noch ein wenig zurückstellen, denn am Samstag kann er mit einem Sieg gegen Zweifach-Weltmeister Wladimir Klitschko (ab 22 Uhr) zu den ganz Großen in der Königsklasse aufsteigen (Klitschko nun auf Schalke gegen Chagaev) .

Überagende Amateurstatistik

Einen guten Namen hat Ruslan Chagaev im Boxen ohnehin schon (Klitschko: "Der beste Mann nach meinem Bruder").

Von 85 Amateurkämpfen verlor er nur drei. 1997 besiegte er bei den Weltmeisterschaften in Budapest im Schwergewichts-Finale den großen Kubaner Felix Savon.

Dieser Titel wurde ihm später aberkannt, weil er zuvor bereits zwei Profikämpfe in den USA absolviert hatte. Diese wurden später als Schaukämpfe deklariert, nach einjähriger Sperre konnte er weitermachen und wurde 2001 in Belfast Amateurchampion im Superschwer.

Seit 2003 Profi

Nach seinem Wechsel ins Profilager heuerte Chagaev 2003 bei der Universum-Box-Promotion von Klaus-Peter Kohl an und entthronte am 14. April 2007 den russischen Boxriesen Nikolaj Walujew als WBA-Weltmeister.

In den folgenden 26 Monaten scheiterte ein Rückkampf gegen Walujew an Verletzungen oder Krankheit. Am Kampftag am 30. Mai sagte schließlich der finnische Box-Verband erneut den Titelfight gegen den 2,13-m-Mann Walujew ab, weil Chagaev Träger eines Hepatitis-B-Antigens ist und deswegen ein Risiko sei (Hepatitis! WM-Kampf geplatzt).

"Ich war wütend und geschockt", erklärt der eigentlich gutmütig wirkende Chagaev, der zurzeit bei der WBA als "Weltmeister im Wartestand" geführt wird.

Vorbild Mike Tyson

Sein Trainer Michael Timm bezeichnet den Rechtsausleger als "Teddybären", der im Ring aber explodieren kann. Rusan Chagaevs Vorbild ist Mike Tyson. "Ich liebe seinen Stil zu boxen, aggressiv, stark, energisch", sagt er.

Chagaev ist aber ein intelligenter Boxer, der seine Gegner systematisch mit Schlägen eindeckt und stoppt. 17 von 25 Siegen kamen dadurch vorzeitig, nur einmal gab es ein Unentschieden.

Sein Kampfname "White Tyson" ist nicht ganz zutreffend, weil er seine Gegner anders als einst "Iron Mike" nicht mit einem Schlag ausknockt.

Familie sehr wichtig

Wenn Ruslan Chagaev nicht in der Trainingshalle oder im Ring ist, widmet er seine ganze Aufmerksamkeit der Familie. Seine Ehefrau Viktoria stammt aus Armenien und ist Ärztin.

Sie konvertierte zum Islam, weil Chagaev Moslem ist. Das Paar hat die Söhne Artur und Alan. Der Profiboxer ist ausgebildeter Sportpädagoge, er liebt schnelle Autos und italienische Küche. Lieblingsessen: Spaghetti mit Scampis.

Seinen derzeitigen Beruf schätzt er, gesteht aber auch, dass es zuweilen Überwindung kostet. "Jeden Tag das harte Training, sich immer wieder motivieren. Die Disziplin, den Trainingsplan einzuhalten. Und natürlich Weltmeister zu bleiben!", sagt er.

Besondere Beziehung zu Schalke 04

Eine besondere Beziehung hat er mittlerweile zum Fußball-Bundesligisten Schalke 04 entwickelt. Dort hatte er im Januar 2008 vor seinem Fight in Düsseldorf gegen Matt Skelton ein Showsparring unter anderem mit Marcelo Bordon gemacht. Seit Mittwoch ist er nun Schalke-Mitglied 78.401 mit der Nummer 80044769.

Aber der Sport wird zur Nebensache, wenn es um die Familie geht. Eine Sache nach Beendigung seiner Karriere hat Ruslan Chagaev schon im Auge: "Vielleicht eine Weltreise mit meiner Familie."

(Klitschko: "Der beste Mann nach meinem Bruder")

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