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Allein Zweifach-Weltmeister Wladimir Klitschko muss gegen Chagaev um seine Titel bangen © getty

Weil die WBA das Duell zwischen dem Weltmeister und Chagaev nicht als Titelvereinigung anerkennt, wird der Fight zum einseitigen Risiko.

München - Nun wird der so genannte Mega-Fight plötzlich zum einseitigen Risiko:

Der Kampf zwischen Zweifach-Weltmeister Wladimir Klitschko und Ruslan Chagaev in der WM-Arena auf Schalke (ab 22 Uhr) wird keine Titelvereinigung sein.

Der in Panama ansässige Weltverband WBA informierte den Usbeken Chagaev und seinen Promoter Klaus-Peter Kohl in der Nacht zum Samstag, dass der Fight gegen IBF/WBO-Weltmeister Klitschko wegen schwebender Verfahren nicht als Titelfight mitsanktioniert werde.

"Ruslan ist weiterhin Weltmeister. Es wird heute Abend nicht um den WBA-Gürtel geboxt. Darüber hinaus hat die WBA noch nichts entschieden", sagte Klaus-Peter Kohl.

Und weiter: "Wir konzentrieren uns jetzt auf den Kampf gegen Wladimir Klitschko. Alles andere sehen wir danach."

Nachwehen wegen Walujew

Das bedeutet allerdings auch: Allein Klitschko setzt seine Gürtel aufs Spiel - während Chagaev nicht Gefahr läuft, seinen Titel zu verlieren.

Wie die WBA in einem kurzen Schreiben mitteilte, werde die Prüfung der Absage des WBA-Titelfights zwischen Chagaev und Nikolaj Walujew am 30. Mai in Helsinki sowie die Bearbeitung der Sonderanfrage (Special Request) zum Status von Ruslan Chagaev nicht vor dem 21. Juni abgeschlossen sein.

Daher habe man eine Titelvereinigung im Schwergewicht nicht sanktioniert.

Zur Erklärung: Ruslan Chagaev wird von der WBA derzeit als "Weltmeister im Wartestand" geführt und nimmt deshalb auch seinen WM-Gürtel mit in den Ring. Der russische Riese Nikolaj Walujew wird als WBA-Champion geführt.

Absage der Finnen

Hintergrund: Am 30. Mai in Helsinki sollte im direkten Duell ursprünglich geklärt werden, wer der Weltmeister ist.

Doch der finnische Box-Verband hatte den Fight am Kampftag abgesagt, weil seiner Meinung nach wegen der Hepatitis-B-Infektion von Chagaev eine Ansteckungsgefahr bestehe.

Walujew hatte sich seinerzeit geweigert, eine prophylaktische Impfung vorzunehmen. Chagaev ist seit Jahren Träger eines Hepatitis-B-Antigens. In seinem Blut zirkulieren aber keine Viren, weshalb nach Experten-Aussagen keine Infektionsgefahr bestehen soll.

Sauerland protestiert

Das ist seit 2003 bekannt. Aus diesem Grund hatte Universum-Chef Kohl sowohl die Prüfung der Absage von Helsinki als auch die des Status' von Chagaev beantragt. 118391(DIASHOW: Fallobst, Dinos und ein unterschätzter Schläger)

Konkurrenz-Promoter Wilfried Sauerland, dessen Fighter Walujew, die Don King Productions sowie Ex-Weltmeister John Ruiz hatten gegen die kurzfristige Status-Klärung Protest eingelegt.

Der 30 Jahre alte Rechtsausleger Chagaev, der Walujew 2007 als Weltmeister entthront hatte, ist als Ersatzgegner für den Kampf auf Schalke eingesprungen, weil Wladimir Klitschkos ursprünglich vorgesehener Kontrahent David Haye wegen Verletzung hatte absagen müssen.

"Bin der stärkste Mann"

Ohne das Etikett einer Titel-Vereinigung, dafür mit der Sorge, die eigenen Gürtel zu verlieren, dürfte Klitschko die Aufgabe gegen den Usbeken nun noch motivierter angehen.

"Ich muss beweisen, dass ich der stärkste Mann im Schwergewicht bin, und das werde ich auch", sagte der 33-Jährige, der als eindeutiger Favorit in den Ring steigt.

"Ich werde alles für das Kampf-Motto 'Knockout auf Schalke' tun." 52 von 55 Profikämpfen gewann "Dr. Steelhammer", 46 davon vorzeitig.

Europarekord im Boxen

"Ich freue mich wahnsinnig auf diese 60.000 Zuschauer, die live dabei sind", sagt der Ukrainer. Weil das Dach des WM-Stadions geschlossen sein wird, bedeutet das wohl Europarekord für eine Indoor-Veranstaltung im Boxen.

2007 hatten Joe Calzaghe und Mikkel Kessler vor 51.000 Zuschauern im damals geschlossenen Millennium Stadium in Cardiff gekämpft.

Der US-Kanal ESPN überträgt live, wird den Kampf zur besten amerikanischen TV-Sendezeit noch mal zeigen.

Medien-Spektakel weltweit

110 Länder sind angeschlossen. In Deutschland werden über 10 Millionen Menschen vor dem Fernseher sitzen.

Chagaev zeigt sich so oder so unbeeindruckt.

"Ich bin kleiner, aber ich bin giftig. Darauf muss er sich mit seiner Größe auch einstellen", sagt der 30 Jahre alte und in 26 Kämpfen noch ungeschlagene Usbeke (25 Siege/17 K.o., 1 Unentschieden). (Überfälle auf den großen Wladimir?)

Wirbel um Chagaevs Gesundheit

In der Kampfwoche war der Wirbel um die Gesundheit des Herausforderers aber erst richtig losgegangen:

Der Berliner Box-Manager Mario Pokowietz und dann die Vereinigung der US-Ringärzte hatten wegen der gesundheitlichen Risiken für die Menschen unmittelbar am Ring eine Absage des Kampfes gefordert. (Wegen Chagaevs Hepatitis: Ärzte fordern Kampf-Absage)

Das Gesundheitsamt Gelsenkirchen sieht sich wegen der vorliegenden medizinischen Fakten aber nicht zum Einschreiten veranlasst.

Hepatitis: Klitschko geimpft

"Wir haben uns mit den Mediziniern beraten und halten das Risiko einer Ansteckung für so gering, dass es hinter den Bedenken zurücksteht", sagt Gelsenkirchens Gesundheitsdezernentin Henriette Reker.

Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bezeichnet sein Arzt Dr. Michael Ehner als "gleich Null".

Weltmeister Klitschko ist durch seine Unesco-Reisen gegen Hepatitis B geimpft.

Interessantes Duell

So darf man sich bei der größten Stadion-Box-Veranstaltung seit der Ära Schmeling auf ein sportlich interessantes Duell freuen.

Chagaev, 2001 Amateur-Weltmeister im Superschwer, ist bei einer Körpergröße von 1,85 Meter größere Konkurrenz gewohnt.

Als Amateur gewann der Rechtsausleger zwei von drei Fights gegen das kubanische Idol Felix Savon. Walujew entthronte er 2007 als WBA-Weltmeister.

"Ein intelligenter Boxer"

"Er ist vielleicht nicht außergewöhnlich schnell und körperlich beeindruckend. Aber er ist ein intelligenter Boxer. Der Schlüssel zum Sieg wird in der Schnelligkeit liegen", sagt Klitschkos Meistertrainer Emanuel Steward.

Fünf Millionen Euro für Klitschko

Finanziell hat sich der Fight auch ohne die Aussicht auf eine Titel-Vereinigung schon jetzt für beide Lager gelohnt: Klitschkos Börse wird auf knapp 5 Millionen Euro geschätzt, Chagaev kassiert rund 1,3 Millionen.

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