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Ein ehemaliger Box-Weltmeister unterstützt Spitzenathlten
Henry Maske wurde holte 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul Gold © getty

Henry Maske hat in seiner Karriere fast alles erreicht - und sich mit seinem Rücktritt vom Rücktritt quasi unsterblich gemacht.

Von Philip Seiler

Voller Spannung sitze ich am 31. März diesen Jahres mit Freunden vor dem Fernseher.

Uns alle beschäftigt an diesem Abend nur eine Frage: Wie wird sich Henry zehn Jahre nach seinem letzten Kampf schlagen?

Wie die meisten Experten geben auch wir ihm nur wenige Chancen. Schließlich steht ihm mit Virgil Hill ein aktiver Boxer und der aktuelle Weltmeister im Cruisergewicht gegenüber.

Der US-Amerikaner ist zugleich der Mann, gegen den Maske den einzigen seiner 31 Profikämpfe verloren hat.

"Kann ich das auch noch?"

Am 23. November 1996 unterlag er nach einem unsauberen Kampf mit 1:2-Richterstimmen und beendete damit seine Karriere.

"Diese Niederlage hat mich zehn Jahre lang beschäftigt", sagte der heute 43-Jährige ein paar Monate vor seinem Comeback.

Als der zwölf Tage ältere Hill im Januar 2006 den Titel im Cruisergewicht gewann, wurde in Maske endgültig wieder der Kampfgeist geweckt und er fragte sich: "Kann ich das auch noch?"

Und so kündigte er im Juli 2006 sein Comeback an und forderte Hill zum Rückkampf auf. Runde acht: Hill geht zu Boden!

Hill verliert die Geduld

Nach sieben Monaten hartem Training ist es für den Gentleman nun soweit.

Er bekommt seine Revanche. In dem Moment, als er mit schwarzer Kapuze die ausverkaufte Münchner Olympiahalle betritt, bekomme ich eine Gänsehaut.

Kurze Zeit später ertönt der Gong und der Kampf beginnt. Beide Kämpfer tasten sich zu Beginn nur vorsichtig ab und scheuen das Risiko.

Zum ersten Schlagabtausch kommt es erst in Runde vier. Im Gegensatz zum Duell vor zehneinhalb Jahren übernimmt Maske aber auch danach nicht die Initiative, sondern wartet, bis Hill die Geduld verliert.

Was auch passiert.

Doch sobald der Mann aus Missouri dem Deutschen näher kommt, weicht der geschickt aus und kontert mit seiner Rechten.

Dass Maske seit 1996 nicht mehr im Ring stand, merkt zu diesem Zeitpunkt keiner mehr. In der achten Runde geht Hill nach einem Zusammenprall plötzlich zu Boden. Blut strömt aus einer Wunde über dem linken Auge, doch es geht weiter.

"So kann man nicht aufhören!"

Kurz vor Ende der letzten Runde beginnen die 12.500 Zuschauer dann bereits frenetisch zu jubeln und feiern ihren Helden.

Mit dem Gong reißt auch Maske die Arme hoch und jubelt nach der 3:0-Richterwertung so ausgelassen wie noch nie. Er tanzt durch den Ring, küsst den Referee auf die Wange und umarmt seine Frau Manuela.

Danach packt er sich das Mikrofon und brüllt seinem Coach Manfred Wolke zweimal den Satz "So kann man aufhören!" entgegen.

Meine Freunde und ich haben Tränen in den Augen und freuen uns mit ihm. Wir müssen uns aber auch eingestehen, dass wir ihn zuvor unterschätzt haben. Doch der Kämpfer Maske hat uns eines Besseren belehrt.

Denkmal ist gesetzt

Obwohl Hill ihn nach dem Kampf um einen erneuten Rückkampf bittet, tritt Maske nun ein für alle Mal zurück.

Schließlich ging es ihm nur um die Revanche. Denn erreicht hat er zuvor schon fast alles.

Von 1993 bis 1996 war er Weltmeister im Halbschwergewicht und hat seinen Titel in dieser Zeit zehnmal verteidigt.

Mit seinem Comeback hat der "Gentleman" sich endgültig ein Denkmal gesetzt.

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