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Wladimir Klitschko feiert gegen Ruslan Chagaev schon seinen 47. K.o.-Sieg © imago

Nach dem überzeugenden Sieg über Chagaev verspricht Wladimir Klitschko noch bessere Fights für die Zukunft. Experten mit viel Lob.

Von Jürgen Blöhs

Gelsenkirchen ? Eine Kampfnacht, wie Deutschland sie noch nie gesehen hat, endete während der Pause zur zehnten Runde. (KAMPFBERICHT: Klitschko lässt Chagaev keine Chance)

Ruslan Chagaev blieb in der Ecke, Kontrahent Wladimir Klitschko ließ sich von seinen Fans unter den 61.000 Zuschauern feiern - weil das Dach der in der Schalker Veltins-Arena geschlossen war, Europarekord für einen Boxkampf in einer Halle.

"Ich wollte weiterkämpfen", sagte Chagaev nach dem Fight.

Chagaev wollte weiterboxen

Aber Michael Timm baute auf "meine Erfahrung. Ich wollte Ruslan schützen. Er ist mit gerade mal 30 in einem Alter, in dem das Schwergewichtsboxen gerade erst anfängt. Warum sollte ich ihn vernichten lassen?"

"Um weiter zu boxen, hätte er mich ausknocken müssen", erkannte der Chagaev-Coach die Überlegenheit des Gegners an.

Nur drei Vorkämpfe

Vor der Demonstration seiner Stärke hatte Klitschos K2-Stall den Fans eine Show a la USA geboten. Nur drei Vorkämpfe gab es zu sehen.

Stattdessen präsentierte die Berliner Band The Boss Hoss eine knappe dreiviertel Stunde ihre Top-Hits, und Oliver Pocher unterhielt das Publikum.

"Pferdeflüsterer und Hühnerbeschützer"

Beim Gang durch die Reihen ging der Comedian zielstrebig auf einen Zuschauer los, dem das Rotlicht förmlich aus dem weißen Anzug strahlte, und fragte nach dessen Beruf.

"Pferdeflüsterer und Hühnerbeschützer", die spontane Antwort zur Gaudi der Zuschauer.

Und als Pocher die zwei Hauptkämpfe des Abends ankündigte, hatte der bekennende Hannover-96-Fan die Schalker endgültig auf seiner Seite.

Becker gegen Pocher

"Zunächst kämpft Boris Becker gegen Pocher", spielte der 31-Jährige auf seine noch frisch Beziehung mit Ex-Becker-Gespielin Sandy Meyer-Wölden an.

"Dann stehen sich Rudi Assauer und Simone Thomalla gegenüber."

Mit Feuerwerk in den Ring

Nachdem Mando Diao das Publikum endgültig wachgerockt hatte, wurde beim Einmarsch Klitschkos ein Feuerwerk gezündet. Und ein Feuerwerk brannte der 33-Jährige auch im Ring ab.

Bereits in der zweiten Runde schickte Dr. Steelhammer den ?Weißen Tyson? erstmals in dessen Karriere zu Boden. Ein Schlag von dem sich der Usbeke sichtlich beeindruckt zeigte.

"Habe ein Glaskinn"

Auf die Frage, warum er nach dem Niederschlag nicht eine schnellere Entscheidung gesucht habe, hatte der Ukrainer eine überraschende Antwort parat.

"Ich lag nach Punkten klar vorn. Warum sollte ich zu viel riskieren. Ich habe doch ein Glaskinn", so Klitschko lächelnd, um, dann wieder ernst, hinzuzufügen: "Ich habe die Marschroute, die mit meinem Trainer Emanuel Steward besprochen worden war, durchgezogen. Das mag nicht jedem Zuschauer gefallen, ist aber erfolgreich."

"Wladimir hat viel dazugelernt"

"Wladimir hat viel dazugelernt. Er war der bessere und schnellere Boxer und ist der beste Schwergewichtler der Welt. Er hat Ruslans Konzept kaputtgemacht", war Timm, der den Ukrainer aus gemeinsamen Zeiten bei Universum bestens kennt, beeindruckt.

Und Chagaev erwies sich als fairer Verlierer: "Heute war Wladimir klar besser."

"WBA kann man nicht mehr ernst nehmen"

"Das war der beste Wladimir, den ich je gesehen haben", lobte Chagaev-Promoter Klaus-Peter Kohl seinen ehemaligen Schützling.

"So stark habe ich ihn noch nie erlebt", schloss sich Bernd Bönte an und konnte sich einen Hieb Richtung Box-Verband WBA, die verhindert hatte, dass es zu einem Vereinigungskampf der IBF-, WBO- und IBO-Titel Klitschkos mit dem WBA-Titel kommt.

"Für mich hat Wladimir heute auch den WBA-Titel gewonnen. Die WBA kann man nicht mehr ernst nehmen", so der Klitschko-Manager.

"Mein bester Kampf kommt noch"

Nur der Vielgelobte wollte sich der Meinung nicht anschließen: "Das war nicht mein bester Kampf. Ruslan war super vorbereitet und hat gezeigt, wie man meinen Jab neutralisieren kann. Da muss ich dran arbeiten", so Klitschko.

"Mein bester und stärkster Kampf kommt noch", ist sich Klitschko sicher, sich noch weiter steigern zu können.

"War am Boden"

"Vor sechs Jahren war ich am Boden. Erst die Niederlage gegen Corrie Sanders, kurz danach gegen Lemon Brewster. Die Kritiker hatten mich abgeschrieben. Danke dafür. Sie haben mich motiviert. Ohne sie wäre ich jetzt nicht hier vor 61.000 Zuschauern. Ich habe nie so gern geboxt wie heute", so Klitschko.

"Als Vitali und ich damals bei Kohl anfingen, hat der gesagt, eines Tages kämpfen wir auf Schalke. Der Traum ist wahr geworden. Heute sind wir hier, wenn auch in unterschiedlichen Ringecken", so Klitschko Richtung Kohl.

Und eines ist klar: "Ich komme wieder!" ? zur nächsten Show auf Schalke.

So schnell wird die jedoch nicht kommen. Klitschko wird seinen WBC-Titel voraussichtlich Mitte September woanders verteidigen. Wer dann der Gegner sein wird, ist noch offen.

Jetzt gegen Haye - oder doch Walujew?

Ein möglicher Kandidat ist offenbar der Engländer David Haye, der ursprünglich in Gelsenkirchen gegen Klitschko antreten sollte und wegen einer Verletzung absagte.

"Mit großer Wahrscheinlichkeit muss ich jetzt gegen ihn boxen", so Klitschko.

Und der 2,02-Meter-Mann ist auf Haye offenbar besonders heiß, weil dieser die beiden Ukrainer mit Schmähtiraden und geschmacklosen T-Shirts (Motiv der enthaupteten Klitschko-Brüder/Anm. d. Red.) diffamiert hatte.

Als weitere Kandidaten für Witali Klitschko gelten auch der russsische Box-Riese Nikolaj Walujew, der bei der WBA als Weltmeister geführt wird. Oder der Amerikaner Chris Arreola.

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