vergrößernverkleinern
Ruslan Chagaev (r.) blieb gegen Wladimir Klitschko meist nur der Rückzug © imago

Der unterlegene Chagaev hat schwer zu knapsen an der Niederlage gegen Klitschko. Doch Promoter Kohl glaubt an eine bessere Zukunft.

Gelsenkirchen - Die schwarze Schirmmütze verdeckte den Cut über dem linken Auge, der Blick ging ins Leere, die Worte fielen Ruslan Chagaev schwer.

Was zum größten Tag seiner Boxkarriere werden sollte, wurde für den Usbeken zur bittersten Lehrstunde. (NACHBERICHT: "Warum sollte ich ihn vernichten lassen?")

"Der Cut tut nicht weh, viel schlimmer ist der Herzschmerz", sagte der 30-Jährige. Trost erhielt er von seinem Bezwinger. "Ich hatte auch dreimal in meinem Leben Herzschmerz. Er wird da durchkommen", sagte Wladimir Klitschko in Anspielung auf seine drei Niederlagen.

Nach neun Runden vergeblichen Anlaufens gegen den übermächtigen Schwergewichts-Weltmeister aus der Ukraine und seinem ersten Niederschlag überhaupt kam für Chagaev das Aus.

Von lucky punch will Timm nichts wissen

Trainer Michael Timm machte dem ungleichen Duell auf Schalke nach einem Schlaghagel des Champions ein Ende. "Ich wollte Ruslan schützen. Warum sollte ich ihn vernichten lassen? Warum sollte ich auf den lucky punch warten? Das ist alles Blödsinn", sagte Timm.

Klare Worte auch an seinen Schützling, der sich tapfer weiter gegen seine erste Niederlage als Profi stemmen wollte. "Schade, dass der Abbruch kam. Ich hätte weitergeboxt, ich hätte gekonnt", sagte Chagaev.

Doch das kam für Timm nicht in Frage: "Ich hätte ihn nicht mehr aus der Ecke gelassen, da hätte er mich schon ausknocken müssen."

"Es war einfach nicht mein Tag"

Chagaev fügte sich und wollte sich anschließend nur noch entschuldigen: "Es tut mir leid. Es war heute einfach nicht mein Tag. Es war Wladimirs Tag, er ist der richtige Weltmeister."

Ersatzherausforderer Chagaev war an diesem Abend chancenlos. Nicht einen einzigen Kopftreffer landete der 30-Jährige, der für den Briten David Haye eingesprungen war und damit die Veranstaltung in der Arena gerettet hatte.

Nur einmal traf er, allerdings nach dem Rundengong. "Ich habe keine Formel gegen ihn gefunden. Ich konnte mein Konzept einfach nicht umsetzen", sagte der ausgebildete Sportpädagoge, der mit der Ärztin Wiktoria verheiratet ist und zwei Söhne hat.

Harte Rechte leitet Niederlage ein

Die Vorentscheidung auf Schalke fiel früh. In Runde zwei musste Ruslan Chagaev nach einer harten Rechten von Klitschko erstmals in 27 Profikämpfen auf die Bretter. (KAMPFBERICHT: Klitschko lässt Chagaev keine Chance)

"Der Schlag war nicht hart, aber er kam schnell. Als ich wieder stand, war ich voll da", sagte Chagaev. Aber dann kassierte er immer wieder Klitschkos linke Führhand, und gelegentlich kam auch noch dessen Rechte dazu.

Ein Cut über dem linken Auge behinderte Chagaev zusätzlich. "Der schnelle Niederschlag, das ganze Theater im Vorfeld und das Drumherum haben ihn offenbar gehemmt", sagte Chagaev-Promoter Klaus-Peter Kohl, der weiter an seinen Schützling glaubt.

Kohl glaubt trotzdem an Chagaev

"Ruslan ist erst 30 Jahre alt. Seine beste Zeit kommt erst noch. Er hat heute neue Erfahrungen gesammelt, und ich bin sicher, dass er aus seinen Fehlern lernen wird. Das hat auch Wladimir getan", so Kohl, der einst die Geschicke der Klitschko-Brüder lenkte.

Und weiter: "Er wird in Zukunft zeigen, was in ihm steckt."

Gegen wen, das ist angesichts der verworrenen Situation im Weltverband WBA unklar.

Chagaev wird dort noch als Weltmeister im Wartestand geführt. Doch nach der Absage des Titelkampfes am 30. Mai in Helsinki gegen den Russen Nikolai Walujew wegen der angeblichen Hepatitis-B-Ansteckungsgefahr durch Chagaev muss die WBA entscheiden, wer ihr Weltmeister ist.

"Wir warten jetzt in Ruhe ab. Erst dann können wir uns Gedanken machen, wie es weitergeht´, sagte Kohl.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel