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Wladimir Klitschko boxt in der Linksauslage © getty

Niederschläge gehören bei Boxern zum Beruf. Wladimir Klitschko erlebte in seiner Karriere etliche, stand aber immer wieder auf.

Von Nils Reschke

München - Seine Laufbahn war nicht immer eine Bilderbuch-Karriere.

Doch als Wladimir Klitschko am 14. Oktober 2000 seinen Bruder Vitali rächte und sich den WBO-Titel gegen den Rechtsausleger Chris Byrd sicherte, da war die heile Klitschko-Welt wieder hergestellt.

"Dr. Steelhammer? war geboren, schwere Zeiten für den Schwergewichtler sollten folgen.

Bis sich der Kreis am 20. Juni 2009 schloss. Erneut gegen einen Rechtsausleger.

Schock durch Sanders

Viele Experten sprachen schon vom neuen Lennox Lewis, der neuen Nummer eins im Schwergewicht, als der "Steelhammer? fünf Mal in Folge seinen Titel Derrick Jefferson, Charles Shufford, Ray Mercer, Jameel McCline und Francois Botha verteidigte.

Wer also sollte Wladimir ernsthaft in Bedrängnis bringen? Die Antwort war simpel und schockierend zugleich: Nur Klitschko selbst konnte das.

Und so starrten Millionen Boxfans vor dem Fernseher am 8. März 2003 fassungslos auf die Mattscheibe, als der zweitklassige Südafrikaner Corrie Sanders den Weltmeister gleich vier Mal auf die Bretter schickte, schon in der zweiten Runde nach technischen K.o. gewann.

Ein "Glaskinn? führt in die Krise

Das wollte der Ukrainer nicht wahrhaben. So wollte er nicht gedemütigt werden. Und nur ein Jahr später stand er am 10. April 2004 Lamon Brewster im Ring gegenüber ? erneut einem Gegner von eher schwächeren Format, alles andere als ein Großer im Box-Zirkus.

Klitschko kämpfte, dominierte den Schlagabtausch, in dem Brewster sogar seinen ersten Niederschlag seiner Profikarriere hinnehmen musste. In Runde vier war Wladimir Klitschko auf WBO-Titelkurs.

Doch dann läutete der Gong die fünfte Runde und somit auch Klitschkos Schicksal ein: Der Ukrainer war urplötzlich stehend k.o., kassierte mehrfach folgenschwere Treffer, die den Ringrichter letztendlich dazu veranlassten, den Kampf abzubrechen. Zu Boden ging Klitschko nicht ? dennoch war er am Boden zerstört. Und seine Karriere schien es auch.

Pfeifkonzert in Atlantic City

Fortan wurde es ruhig für Wladimir Klitschko im Boxring, umso lauter neben den Seilen. Da war von der Manipulation seiner Getränke im Kampf gegen Brewster die Rede, weswegen sogar das FBI ermittelte.

Für Klitschko begann ein langer, steiniger Weg zurück zum Titel. Zwar besiegte er DaVarryl Williamson, doch wenig überzeugend. Auch in diesem Kampf ging Klitschko zu Boden.

Längst spotteten die Medien über "Doktor Glaskinn?. Vom "Steelhammer? sprach keiner mehr, im Gegenteil: Am 24. September 2005 erntete Klitschko in Atlantic City ein gellendes Pfeifkonzert, als er zum Punktsieger des Kampfes gegen Samuel Peter erkoren wurde.

Zwei Mal wurde der Ukrainer auch hier auf die Bretter geschickt. Letztendlich war es wohl ein Sieg der Gerechtigkeit, denn dem waren jeweils zwei unerlaubte Nackenschläge des Nigerianers vorausgegangen.

Mit Kämpferherz aus der Krise

Jetzt war "Dr. Steelhammer? nicht mehr zu bremsen. "Ich will alle WM-Titel? verkündete er lauthals ? und ließ Taten sprechen.

Am 22. April 2006 besiegte Klitschko Chris Byrd, kassierte dafür die Gürtel der IBO und IBF. Das renommierte Ring Magazine stufte ihn mittlerweile an Nummer eins ein.

Am 23. Februar 2008 eroberte die Eisenfaust dann auch noch den WBO-Titel des Russen Sultan Ibragimow, ehe er am 20. Juni 2009 nach diversen Titelverteidigungen Box-Geschichte schrieb: 61.000 Fans wollten Klitschko "auf Schalke? boxen sehen ? so viele wie seit Max Schmeling nicht mehr. Zudem ein neuer Hallenrekord.

Wladimir Klitschko sollte das Publikum nicht enttäuschen. In einer nie zuvor gesehenen Dominanz zeigte er den noch ungeschlagenen Usbeken Ruslan Chagayev seine Grenzen auf, der in Runde neun das Handtuch warf. Das "Glaskinn? war Geschichte, "Dr. Steelhammer? boxte seinen besten Kampf ? dank Kämpferherz in der Krise.

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