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Felix Sturm und Klaus-Peter Kohl - Kohl wurde 2003 zum "Manager des Jahres" gewählt © imago

Felix Sturms fristlose Kündigung stürzt Universum in die Krise. Der Champion würde lieber aufhören als weiter für Kohl zu boxen.

Hamburg - Der Zeitpunkt scheint mit Bedacht gewählt.

Box-Promoter Klaus-Peter Kohl ist ebenso im Urlaub wie sein Schwiegersohn und potenzieller Nachfolger Dietmar Poszwa.

Und genau in diesem Moment wird die fristlose Kündigung von Weltmeister Felix Sturm bei Kohls Universum Box-Promotion publik gemacht. Der Mittelgewichtler hat zum ersten Schlag ausgeholt.

Universum schweigt und arbeitet an seiner Verteidigungstaktik.

"Uns liegt ein anwaltliches Kündigungsschreiben vor", sagte das Hamburger Unternehmen in einer dürren Mitteilung, und: "Felix Sturm hat einen gültigen Vertrag, und dieser ist beidseitig zu erfüllen. Kündigungsgründe liegen nicht vor."

Sturm will nicht mehr

Bis Mitte November läuft Sturms Vertrag mit Kohls Unternehmen noch und kann mit einer einseitigen Option verlängert werden.

Doch der 30-jährige Leverkusener will nicht mehr. Anderswo warten anscheinend fettere Fleischtöpfe.

Karriere-Ende wäre die Alternative

Der TV-Sender "RTL" ist mit den Klitschko-Brüdern wieder erfolgreich ins Box-Geschäft eingestiegen, der smarte Sturm könnte da durchaus noch ins Programm passen.

Die werbefinanzierten Übertragungen bei den Kölnern bringen auf jeden Fall ein Vielfaches dessen, was das "ZDF" als TV-Partner von Universum bieten kann.

Die Cross-Promotion um so ein Box-Event im Privatfernsehen ist ebenfalls fast unbezahlbar und hilft sehr bei der Suche nach Sponsoren. Sturm, der ebenfalls zurzeit urlaubt, ließ seinen persönlichen Manager Roland Bedak mitteilen, dass er lieber seine Karriere beende, als weiterhin für Universum anzutreten.

Der Kölner, der in der rheinischen Metropole ein "Institut für Ernährungsmanagement" betreibt, äußerte sich am Mittwoch allerdings nicht mehr zu den Vorgängen.

Der TV-Vertrag läuft bald aus

Kohl verliert damit aller Wahrscheinlichkeit nach erneut ein wichtiges Zugpferd.

2004 hatten bereits die Brüder Witali und Wladimir Klitschko den Hamburger verlassen, in dessen Stall sie zu Weltmeistern wurden. Sturm war nach dem Karriereende von Regina Halmich der letzte Quotengarant und echte Star im Wandsbeker Box-Universum.

Angesichts der schleppenden Verhandlungen mit dem "ZDF" über eine Verlängerung des im August 2010 auslaufenden Vertrages ist der Abgang des feinen Technikers ein Tiefschlag.

"Künstlernamen" seit 2000

So übernehmen jetzt die Juristen das Gefecht.

Seit dem Eingang des Kündigungsschreibens bei Universum am 4. August befinden sich die Parteien in einem schwebenden Verfahren. Am Ende werden wahrscheinlich Gerichte zu klären haben, ob die einseitige Option von Universum auf Vertragsverlängerung rechtens oder sittenwidrig ist.

Nach den Olympischen Spielen 2000 wurde der gebürtige Bosnier Adnan Catic Profi bei Kohl und nahm seinen "Künstlernamen" an.

33 Siege und zwei Niederlagen weist seine Kampfbilanz aus, 2003 wurde er erstmals Weltmeister.

Kohl wurde kalt erwischt

Problematisch bei deutschen Box-Verträgen ist, dass Manager und Promoter ein und dasselbe Unternehmen sein können.

Damit ist es fast unmöglich, dass der Boxer die optimale Kampfbörse erzielt. In den USA ist diese Konstellation ausdrücklich verboten.

Ein "zerstörtes Vertrauensverhältnis" zwischen Boxer und Promoter/Manager könnte als weiteres Argument für eine fristlose Kündigung angeführt werden. Das könnte auch erklären, warum es im Vorfeld der Kündigung keinerlei Gespräche beider Seiten über eine Vertragsverlängerung gegeben hat.

Kohl wurde jedenfalls kalt erwischt.

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