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Nach kurzzeitiger Trennung kehrte Marco Huck im April 2008 zu Trainer Ulli Wegner zurück © imago

Daheim in Ostwestfalen kämpft Marco Huck am Samstag gegen Victor Emilio Ramirez um den WM-Titel. Aber explodieren soll er nicht.

Halle/Westfalen - Für Marco Huck ist es die Chance seines Lebens. Genau genommen die zweite Chance seines Lebens.

Nachdem der Profiboxer aus Berlin vor 20 Monaten die erste nicht nutzen konnte, muss er es am Samstag (22.15 Uhr) nun packen. Weltmeister kann er werden, soll er werden. Im Cruisergewicht beim Verband WBO.

Der im ehemaligen Jugoslawien geborene Deutsche fordert Titelverteidiger Victor Emilio Ramirez aus Argentinien in der gigantischen Arena in Halle/Westfalen, wo sonst Rasentennis gespielt wird und der TBV Lemgo in der Handball-Bundesliga antritt.

Empor aus sozialen Brennpunkten

Marco Huck lebte unter seinem Geburtsnamen Muamer Hukic seit seinem achten Lebensjahr in Bielefeld und kämpfte sich in sozialen Brennpunkten durchs Leben.

Er wird von seinem Promoter Wilfried Sauerland und Hallenbetreiber Gerry Weber deshalb als "Lokalmatador" angepriesen.

"Seit ich boxe, will ich Weltmeister werden", sagte der 24-Jährige, "dass ich mir den Traum nun in meiner Heimat erfüllen kann, ist umso schöner."

Nicht explodieren, sondern abwarten

Der ehemalige Kickboxer, der mit 18 bereits Weltmeister in dieser Sportart war, hat einen gewaltigen Bumms in seiner Rechten, er kann Gegnern richtig wehtun.

Disziplin und Deckungsarbeit aber waren lange Zeit nicht seine Stärken. "Es wird darauf ankommen, klug zu boxen", weiß der Herausforderer, "Trainer Ulli Wegner legt deshalb Wert darauf, dass ich nicht explodiere im Kampf, sondern klug und taktisch auf den richtigen Zeitpunkt hinboxe."

Ob das seiner inneren Überzeugung entspricht oder auswendig gelernt ist, wird man gegen Ramirez sehen. "Käpt'n Huck" ohne Brechstange zum Sieg

Intermezzo bei Manfred Wolke

Nach seiner bislang einzigen Niederlage am 29. Dezember 2007 bei seiner ersten WM-Chance gegen den US-Amerikaner Steve Cunningham trennte er sich kurzfristig von Meistertrainer Wegner.

Andere waren Schuld an der Niederlage, glaubte der Heißsporn. Aber nach einem Intermezzo bei Manfred Wolke kehrte er schon nach einem Vierteljahr zu dem Berliner zurück.

"Ich habe mein Leben auf diese zweite Chance ausgerichtet", verkündete der Herausforderer, "ich bin gereift."

Langer Ausbildungsprozess

Den jugendlichen Haudrauf übernahm Ulli Wegner mit der Erfahrung von nur 15 Amateurkämpfen.

Der Ausbildungsprozess war lang, inzwischen ist Huck Europameister, einen Titel, den er niederlegen muss, wenn er den WM-Titel gewinnt.

"Auf seine Entwicklung bin ich stolz", sagt Wegner und erinnert sich an die vielen Mühen mit dem Bielefelder auf dem Weg an die Spitze: "Wenn Huck Weltmeister wird, ist das für mich wie ein Doktortitel."

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