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Jack Culcay-Keth holte das erste deutsche WM-Gold seit Zoltan Lunka 1995 © getty

Anstatt Gold zu feiern, macht sich Jack Culcay-Keth aus dem Staub. Sein Sieg gilt als Meilenstein und markiert einen Neuanfang.

Mailand - Als die deutsche Delegation am Abend im Mailänder Hotel Ripamonti auf das erste WM-Gold nach 14 Jahren anstieß, war der neue Box-Held schon längst über alle Berge.

Jack Culcay-Keth hatte sich nach seinem Gold-Coup bei der Amateurbox-WM schnell ins Auto seiner Freundin Judith gesetzt und ließ sich über die Alpen ins heimische Darmstadt kutschieren.

"Das war anstrengend, aber ich bin total happy. Jetzt mache ich erst mal Urlaub", sagte der Goldjunge.

"Reißaus-Aktion" kein Problem

Die deutsche Staffel hätte ihren Weltmeister gerne hochleben lassen, zeigte aber Verständnis für die rasche Abreise:

"Die Jungs waren vier Wochen im Einsatz. Da kann ich verstehen, dass er schnell nach Hause will", sagte Disziplintrainer Roland Kubath.

David gegen Goliath

Kurz zuvor hatte der gebürtige Ecuadorianer Culcay-Keth, der im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen war, ganze Arbeit geleistet.

Gegen den einen Kopf größeren Andrej Samkowoj zeigte der 23 Jahre alte Weltergewichtler eine taktische Meisterleistung.

"Ich wollte abwarten und explosionsartig reagieren. Das ist mir gelungen", sagte der Vize-Europameister nach seinem 7:4-Punktsieg.

Erster WM-Titel seit 1995

Als der Schlussgong ertönte, herrschte in der deutschen Ecke Riesenjubel. Erstmals seit 1995 gab es wieder Gold bei einer WM.

Letztmals gewann Fliegengewichtler Zoltan Lunka (Halle) in Berlin vor 14 Jahren den Titel. "Wahnsinn, mit zwei Medaillen gehören wir zu den besten acht Nationen der WM", sagte Präsident Jürgen Kyas vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV).

Beblik ebenfalls mit Edelmetall

Neben Culcay-Keth hatte der Chemnitzer Ronny Beblik im Fliegengewicht Bronze geholt.

In der Stunde des Triumphes schienen Enttäuschungen und Häme der letzten Jahre vergessen. Sowohl bei der WM 2007 in Chicago als auch bei Olympia ein Jahr später war der DBV ohne Medaille geblieben.

Neuanfang geglückt

Als Folge wurde der langjährige Bundestrainer Helmut Ranze Anfang April 2009 durch Kubath und Diagnosetrainer Harry Kappell ersetzt.

"Der Neuanfang ist geglückt. Unser junges Team hat sich achtbar geschlagen", sagte Kubath.

Erfoglreiche Bilanz bei starker Konkurrenz

In der Tat lässt sich die Bilanz sehen. Neben Culcay-Keth waren vier weitere Faustkämpfer der neunköpfigen WM-Staffel des DBV ins Viertelfinale eingezogen.

Erfolgreichste Nationen der Titelkämpfe, bei denen 554 Boxer aus 133 Nationen teilnehmen, waren am Ende Italien und Russland mit jeweils zwei Titeln in den elf Gewichtsklassen.

Culcay weckt Begehrlichkeit

In die Freude um den neuen WM-Champion Culcay-Keth mischte sich auch Sorge um die Zukunft. "Natürlich wollen die Profis ihn haben. In Mailand waren einige ihrer Agenten unterwegs", sagte Kubath.

Die deutschen Top-Promoter Wilfried Sauerland (Berlin) und Klaus-Peter Kohl (Hamburg) dürften ihre Netze schon ausgeworfen haben. Der umworbene Jung-Champion wollte sich jedoch nicht in die Karten schauen lassen:

Reiz an Olympia noch nicht verflogen

"Dazu sage ich nichts. Mal abwarten. Der Wechsel ins Profilager ist reizvoll, aber ich könnte mir auch vorstellen, noch einmal als Amateur bei Olympia zu starten." Und es besser zu machen als in Peking.

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