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Jack Culcay-Keth wurde 1985 in Ambato, Ecuador geboren © imago

Amateur-Weltmeister Jack Culcay-Keth spricht im Interview mit Sport1.de über Olympia 2012 und Vergleiche mit Henry Maske.

Von Jürgen Blöhs

München - Bei den Weltmeisterschaften der Amateure gewann Jack Culcay-Keth nach langer Zeit mal wieder einen WM-Titel für den Deutschen Box-Verband (DBV). Das gelang zuletzt vor 14 Jahren Zoltan Lunka vor heimischem Publikum in Berlin.

Der 7:4-Erfolg des Weltergewichtlers im Finale von Mailand über den Russen Andrej Samkowoi weckt natürlich Begehrlichkeiten bei den Profi-Promotern.

Doch der Zeitsoldat lehnt bisher alle Angebote ab und verzichtet auf viel Geld. .

"Ich möchte auf jeden Fall noch meinen Traum erfüllen und bei Olympia 2012 die Goldmedaille gewinnen", verriet der 24-Jährige in einem Gespräch mit Sport1.de.

"Olympia ist durchaus ein bisschen lange hin. Aber man tut manchmal auch Sachen, die nicht optimal sind, um seine Träume zu erfüllen", bedauert Moritz Klatten bei Sport1.de ein wenig die Entscheidung des Athleten.

"Er ist dann vielleicht ein bisschen spät dran für die Profis, aber es ist nicht so, dass der letzte Zug abgefahren ist", hält der Berater des Weltmeisters eine späte Profi-Karriere für möglich.

"Dynamischer als Maske"

Sehr zur Freude des Verbands, der sein Aushängeschild gern noch eine Zeitlang halten würde.

"Es war eine Riesenleistung", lobt Roland Kubath seinen Schützling und hofft, dass Culcay-Keth den Verlockungen des Geldes widersteht. "Schließlich ist olympisches Gold der Traum eines jeden Athleten. Ich hoffe, dass er das wahrnehmen wird."

Der BBV-Trainer schätzt den frischgebackenen Weltmeister bei N24 höher ein als den ehemaligen Vorzeige-Athleten Henry Maske: "Das Gegenangriffs-Oientierte haben beide sicherlich gemein. Auch hat Jack ein gutes Auge und hervorragende Reflexe. Allerdings ist er wesentlich dynamischer als Maske und hat ganz andere Qualitäten."

Lunka kein Vorbild

Ein Lob, über das sich der Sohn einer deutschen Mutter und eines Vaters aus Ecuador sehr freut, "aber ich boxe eigentlich ganz anders".

Und hoffentlich auch erfolgreicher als Lunka, der nur ein Jahr nach seinem WM-Triumph Olympia-Bronze erkämpfte, im Profi-Lager dann zwar 21 seiner 23 Kämpfe gewann, aber meist gegen klar unterlegene Gegner.

Nach einer t.K.o-Niederlage am 23. März 2003 im Kampf um den WBO-WM-Titel gegen den Mexikaner Fernando Montiel hängte der gebürtige Rumäne seine Boxhandschuhe an den Nagel.

Sport1.de: Herr Culcay-Keth, laut Presseberichten sind Sie direkt nach dem WM-Triumph in den Urlaub gefahren. Keine Lust zum Feiern?

Jack Culcay-Keth: Nein. Ich bin nach dem Kampf sofort nach Hause gefahren, nach Darmstadt. Aber das ist für mich wie Urlaub, denn ich trainiere in Heidelberg und kämpfe in der Bundesliga für Hertha BSC Berlin.

Sport1.de: Hatten Sie mit dem Gewinn des WM-Titels gerechnet?

Culcay-Keth: Gerechnet nicht, aber gehofft. Gerade beim Boxen geht man natürlich immer in einen Kampf, um zu gewinnen.

Sport1.de: Vergleichen Sie mal die Vorbereitung auf einen WM-Kampf mit der eines Profis.

Culcay-Keth: Das ist kaum zu vergleichen. Ich muss mich auf ein Turnier vorbereiten, mit lauter unterschiedlich boxenden Gegnern. Profis fangen sechs bis acht Wochen vor einem WM-Kampf mit der Vorbereitung an, ich habe mich sechs Monate auf die WM vorbereitet.

Sport1.de: Haben nach dem Triumph schon Profi-Boxställe angefragt?

Culcay-Keth: Ich habe gehört, dass schon jemand Interesse gezeigt hat, nicht nur in Deutschland sondern auch aus den USA. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, weil da noch Zeit ist.

Sport1.de: Zeit?

Culcay-Keth: Ich möchte mir auf jeden Fall noch meinen Traum erfüllen und bei Olympia 2012 die Goldmedaille gewinnen.

Sport1.de: Olympia sind noch drei Jahre. Dann sind Sie 27. Läuft Ihnen nicht die Zeit davon?

Culcay-Keth: In unserem Sport ist 27 noch nicht zu alt.

Sport1.de: Ihr Trainer Roland Kubath vergleicht Sie mit Henry Maske. Ist Maske eines Ihrer Vorbilder?

Culcay-Keth: Mein erstes Vorbild war natürlich mein Vater, der selbst Boxer war und mich immer unterstützt und auch trainiert hat. Von den Großen mag ich am liebsten Roy Jones jr. Der Vergleich mit Maske ist ein Lob, aber ich boxe eigentlich ganz anders.

Sport1.de: Sie boxen im Weltergewicht. Ist das Ihre natürliche Gewichtsklasse?

Culcay-Keth: Nein, ich muss immer rund drei Kilo abkochen, aber das geht noch.

Sport1.de: Die Weltmeister im Weltergewicht sind in Deutschland nur Experten bekannt. Ein Nachteil für die Profi-Laufbahn?

Culcay-Keth: Als Profi würde ich aufsteigen, ins Mittelgewicht, wo unter anderem Felix Sturm und bis vor Kurzem Arthur Abraham geboxt haben.

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