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Arthur Abraham (r.) knockte Jermain Taylor wenige Sekunden vor Kampfende aus © getty

Nach seinem Sieg gegen Jermain Taylor wünscht Arthur Abraham "Gute Besserung". Sein nächster Kontrahent ist ihm eher unbekannt.

Von Sebastian Binder

München - Eigentlich hatte niemand mehr mit dem K.o. gerechnet. Die Zuschauer hatten sich mit dem Sieg nach Punkten für Arthur Abraham über Jermain Taylor abgefunden.

Warum auch nicht? Sie hatten einen spektakulären Kampf in der Berliner O2-World gesehen, der für jeden Box-Fan etwas zu bieten hatte.

Doch buchstäblich in letzter Sekunde sorgte Abraham für das Tüpfelchen auf dem i: Eine hart geschlagene Rechte des Deutsch-Armeniers durchbrach die Doppeldeckung des Amerikaners und traf ihn am Kinn.

Taylor krachte zu Boden und jedem war klar, dass er nicht mehr aufstehen würde.

"Dann macht es bumm"

Abraham selbst erklärte seinen spektakulären K.o.-Schlag in bester Gerd-Müller-Manier: "Er hat gedacht, ich schlage nicht mehr. Dann hat es Bumm gemacht, und danach war Schluss."

Es war der 25. K.o-Sieg des 29-Jährigen im 31. Kampf. "Wenn man den K.o. nicht will, dann kommt er. Man kann ihn nicht erzwingen", verriet "King Arthur" nach dem Kampf sein Erfolgsrezept.

Dabei fing der Fight für Abraham alles andere als optimal an. In den ersten zwei Runden war Taylor der stärkere Boxer, ohne allerdings wirklich erfolgversprechend zu treffen.

Tiefschlag von Taylor

Aufzuwachen schien Abraham erst, als er in der sechsten Runde einen üblen Tiefschlag von Taylor hinnehmen musste. Spätestens ab diesem Zeitpunkt dominierte der Wahl-Berliner den Kampf nach Belieben.

In der neunten Runde ließ Abraham dann eine Serie von Schlägen auf Taylor einprasseln, die die Knie des Amerikaners sichtlich zum Wackeln brachten.

Eigentlich sollte das nicht überraschen, denn Abraham sagt über sich selbst, dass er ein "Spätstarter" sei und immer ein "paar Runden braucht, um in den Kampf hineinnzukommen."

Abraham gibt sich mitfühlend

Der Knock-Out kam für Taylor ebenso heftig, wie unerwartet. "Arthur hat mich kalt erwischt", gab der US-Amerikaner nach dem Kampf offen zu 164085(die Bilder des Kampfs).

Taylor musste nach dem Niederschlag mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Angeblich konnte er sich auch nicht mehr erinnern, in welcher Runde er zu Boden gegangen war.

"Er hat einen harten Punch und ist ein toller Fighter", zollte Taylor Abraham Respekt.

Der Sieger gab sich mitfühlend mit dem Unterlegenen. "Ich will gegen meine Gegner gewinnen, aber ich will sie nicht verletzen. Ich hoffe, dass es Jermain bald wieder besser geht", ließ Abraham verlauten.

Schwere Zeiten für "Bad Intentions"

Auf den unterlegenen Taylor kommen nun wohl schwere Zeiten in der Boxwelt zu. Vor noch nicht allzu langer Zeit hielt "Bad Intentions" alle vier wichtigen Gürtel im Mittelgewicht.

Mittlerweile musste er die vierte Niederlage im fünften Kampf in Folge hinnehmen.

Seine Tage als Spitzenboxer scheinen gezählt. Dennoch gab sich Taylor kämpferisch: "Ich habe noch zwei Fights und hoffe, ich kann diese Gegner schlagen."

Kessler gibt sich unbeeindruckt

Ganz anders sieht es bei Arthur Abraham aus. Nach dem vielleicht besten Kampf seiner Boxkarriere gilt Abraham endgültig als der große Favorit auf den Gewinn des Super-Six-Turniers, neben Mikkel Kessler, der eine beeindruckende Bilanz von 41 Siegen in 42 Kämpfen vorzuweisen hat 162750(DIASHOW: Die Teilnehmer des Super-Six-Turniers).

Der "Viking Warrior" befand sich ebenfalls unter den 14.000 Zuschauern in der O2-World. Wirklich beeindruckt war der Däne allerdings nicht. "Arthur hat einen großartigen Job gemacht, aber ich habe keine Angst vor ihm", gab sich der WBA-Weltmeister gelassen.

Zum Kampf zwischen Abraham und Kessler könnte es ohnehin frühestens im Halbfinale des Super-Six-Turniers kommen.

"Jeder Kampf wird schwer"

Als nächstes steht für "König Arthur" am 23. Januar 2010 der Kampf gegen Andre Dirrell an. Sonderlich nervös schien das den Deutsch-Armenier nicht zu machen (Die Teilnehmer des Turniers im Stenogramm).

"Ich habe noch keinen einzigen Kampf von Dirrell gesehen", gab Abraham zu. Dennoch freue er sich darauf "in den USA zu boxen" und versprach eine "weitere große Boxnacht."

Bevor Abraham sich auf den Kampf gegen Direll vorbereitet, nimmt er sich erst einmal eine zweiwöchige Auszeit.

Dann gilt es, konzentriert weiter zu arbeiten, denn auch Coach Ulli Wegner ist klar: "Jeder Kampf wird schwer. Wir haben den gewonnen, das war unsere Pflicht. Wir haben nun eine gute Ausgangsposition."

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