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Ronny Beblik verteidigte in Berlin seinen DM-Titel im Fliegengewicht © imago

Die Aussicht auf Olympisches Edelmetall hält die Boxer nicht im Amateurbereich. Eine neue Serie soll eine Zukunft bieten.

Berlin - Am Wochenende haben die deutschen Amateurboxer in Berlin zum 87. Mal um nationale Meistertitel gekämpft, doch wie so oft hat davon kaum jemand Notiz genommen.

Das Amateurboxen leidet nicht nur hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung an akuter Bedeutungslosigkeit, weshalb die guten Boxer meist schon beim erstbesten Angebot zu den Profis flüchten.

Darum plant der Weltverband AIBA nun eine revolutionäre Wettkampfserie, bei der auch Deutschland mitmischen will.

"Ich unterstütze die neue Serie in vollem Umfang. Ich sehe das als einzige Möglichkeit, die Jungs bei uns zu behalten", sagte Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV).

Er wolle unbedingt mit einem deutschen Team dabei sein, sollte tatsächlich wie geplant der Startschuss für das ehrgeizige Projekt im November 2010 fallen.

12 Teams mit 20 Boxern in 5 Klassen

In der "World Series of Boxing" sollen zwölf Teams mit jeweils bis zu 20 Boxern in fünf ausgewählten Gewichtsklassen jährlich über fünf Monate einen Einzel- und einen Team-Champion ermitteln.

Gekämpft wird unter Profibedingungen im 10:9-Wertungssystem, über fünfmal drei Minuten, ohne Kopfschutz und Shirt.

Der Reiz an der Sache: Alle teilnehmenden Athleten sollen Dreijahresverträge mit einem festen Grundgehalt bekommen. Das soll durch TV-Gelder refinanziert werden. Dafür zuständig ist Sportrechte-Vermarkter IMG.

London und Moskau dabei

In Asien stehen bereits vier Länder als Standorte fest, auch in den USA und Kanada haben sich Teams angemeldet.

Für Europa sind London und Moskau fest eingeplant. Es gibt Bestrebungen, auch eine deutsche Mannschaft an den Start zu schicken.

"Wir wollen den olympischen Boxern mit dieser Liga einen Weg aufzeigen, wie sie Geld verdienen können, ohne durch den Wechsel ins Profilager den Traum von Olympia aufgeben zu müssen", sagte Mirko Wolf.

Der ehemalige deutsche Boxmeister ist bei der AIBA mit der Akquirierung der europäischen Standorte beschäftigt.

Keine Angst bei Profi-Boxställen

Die Profi-Boxställe sehen die Entwicklung gelassen.

"Die Serie ist für uns keine Konkurrenz. Wir verkaufen Namen, die verkaufen eine Turnierform", sagte Hagen Doering von Sauerland Event, der den Erfolg der Serie anzweifelt: "Wen wollen sie mit Ausnahme der speziellen Boxfans damit hinter dem Ofen hervorlocken?"

Bei den Sportlern kommt der Plan dagegen sehr gut an. "Es ist mal etwas anderes. Es geht darum, mehr Medienwirksamkeit zu erreichen", sagte der WM-Dritte Ronny Beblik aus Chemnitz, der in Berlin seinen Titel im Fliegengewicht erfolgreich verteidigte.

Culcay-Keth an Profis verloren

Weltergewichts-Weltmeister Jack Culcay-Keth verzichtete auf den Start in Berlin. Der Darmstädter, eigentlich die größte deutsche Medaillenhoffnung für Olympia 2012 in London, steht vor einem Wechsel zu den Profis.

Auch die Aussicht auf die neue Serie kann den 24-Jährigen wohl nicht mehr umstimmen. "Man muss davon ausgehen, dass er uns verlassen wird", sagte Kyas.

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