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WBA-Weltmeister Nikolai Walujew wechselte 2003 von Kohl zum Sauerland-Stall © imago

Der WBA-Weltmeister wird von seinem Herausforderer David Haye schwer provoziert. Der Russe will mit einem neuen Schlag kontern.

Nürnberg/Hamburg - Zwischen Dampfbügeleisen und Riesen-Schokoküssen wirbt ein Lebensmittel-Discounter auf seiner Internetseite für den Box-Kampf zwischen Nikolai Walujew und David Haye am.

Angebot im Supermarkt

Die Schwergewichts-WM um den Gürtel der WBA als Angebot im Supermarkt, Tickets ab 13,50 Euro. Das irritiert zunächst, weist aber auf den Stellenwert des Schwergewichts im Schatten der Klitschko-Brüder hin. Am Freitag waren immer noch Tickets für die maximal 9000 Zuschauer fassende Arena in Nürnberg zu erhalten.

Dabei hat insbesondere der britische Herausforderer David Haye fast nichts ausgelassen, um den Kampf zu promoten. Perfekt spielte er seine Rolle als Provokateur mit großen Sprüchen und geschmacklosen Gesten. "Alle werden sehen, wie ich Walujew zerstöre", kündigte der 29-Jährige im Vorfeld an, "ich habe noch nie einen hässlicheren Menschen gesehen."

"Er ist ein Idiot"

Titelverteidiger Walujew nahm die Beleidigungen mit anscheinend stoischer Ruhe hin. Der 2,13 Meter lange Russe wirkte wie immer zurückhaltend. "Er ist ein Idiot. Soll er reden, was er will", sagte der 36-Jährige, "viel schlimmer wäre es, wenn er mir im Kampf Ärger bereiten würde."

Seine gewaltige physische Überlegenheit von 22 Zentimetern mehr Körperlänge und rund 50 Kilo mehr Gewicht verleiht dem in 52 Kämpfen nur einmal bezwungenen Walujew ein Gefühl der Unbesiegbarkeit.

Haye wird schnell um ihn herumtanzen und versuchen zu treffen. Wirkung wird er dabei voraussichtlich nur wenig erzielen, obwohl er als schlagstark gilt.

Nummer drei hinter den Klitschkos

Haye hat allerdings bereits vom Sturz des Giganten geträumt: "Wenn ich ihn K.o. schlage, wird der Ringboden zusammenbrechen", fabuliert der Brite, "ich habe die Chance Geschichte zu schreiben als der erste Boxer, der das Biest zu Boden schickt. Das wird ein Knall, lauter als jedes Feuerwerk."

Der ehemalige Cruisergewicht-Weltmeister hat allerdings erst einen Kampf im Schwergewicht bestritten. Dennoch wird er in unabhängigen Ranglisten als Nummer drei hinter den Klitschko-Brüdern geführt.

Britanniens Superstar

Er ist ein Superstar in Großbritannien und kassiert bei der TV-Vermarktung des Kampfes auf der Insel im Bezahlfernsehen gehörig mit. Seine beiden bereits geplanten Kämpfe zunächst gegen Wladimir und anschließend gegen Vitali Klitschko ließ er unter anderem deswegen kurzfristig platzen, weil es keine Einigung über die TV-Rechte gab.

Statt im September vor 60.000 Zuschauern in Frankfurt/Main gegen Vitali zu boxen, tritt er nun also gegen Walujew an.

Vorbereitung in der Abgeschiedenheit

Dessen Promoter Wilfried Sauerland nutzte die schleppenden Verhandlungen mit den Klitschkos schnell aus und kann dadurch seinem TV-Partner ARD einen namhaften Gegner präsentieren. "Wir haben den WM-Kampf nur unserer PR-Kampagne zu verdanken", sagte Hayes Trainer Adam Booth.

Der Titelverteidiger hat sich wie gewohnt wochenlang in der Abgeschiedenheit von Kienbaum auf den Kampf vorbereitet und trotz seines fortgeschrittenen Alters sogar noch etwas dazugelernt. "Ich habe einen neuen Schlag, ich versuche dabei, meinen Gegner von oben zu treffen", sagte Walujew, "wir haben ihn Hammerschlag getauft."

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