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David Haye ist der erste britische Schwergewichts-Champ seit Lennox Lewis © getty

David Haye nimmt dem schwerfälligen Nikolai Walujew den WBA-Titel im Schwergewicht ab und klopft erneut große Sprüche.

Nürnberg - Selbst beim abschließenden Interview im Boxring musste Nikolai Walujew dem neuen Champion David Haye noch den Vortritt lassen.

Der TV-Reporter hatte seine Frage bereits gestellt, aber Walujew verstand sie nicht.

Da schwenkte die Kamera blitzschnell um und Haye war am Zug. Es klappte einfach nichts für den "russischen Riesen" in dieser Samstagnacht in Nürnberg, in der er vom neuen Weltmeister zu einem Box-Zwerg zurückgeschrumpft wurde 172079(Die Bilder des Kampfes).

Dominanter Haye

Haye dominierte den Fight mit seiner größeren boxerischen Klasse und Schnelligkeit und nahm Walujew nach zwölf Runden vollkommen verdient den Schwergewichts-Titel der WBA ab.

116:112, 116:112 und 114:114 urteilten die Punktrichter, wobei der Spanier, der den Kampf unentschieden gesehen hat, dringend seinen Augenarzt aufsuchen sollte. Haye ist damit der erste Brite seit Lennox Lewis 2003, der einen Schwergewichtstitel trägt.

"Ich will in dieser Gewichtsklasse, zu der ja auch die Klitschkos gehören, jetzt richtig aufräumen", kündigte Haye an.

Türen weit offen

Für den Londoner stehen die Türen zu den ganz großen Kämpfen weit offen. Und die Promoter Wilfried Sauerland und Don King verdienen dabei mit. Beide haben sich für die freiwillige Titelverteidigung ihres Schützlings Walujew die Promotionrechte an Haye gesichert. "David muss jetzt bis Mai eine Pflichtverteidigung absolvieren", sagte Sauerland.

Während sich der 29 Jahre alte Brite minutenlang auf den Seilen stehend von seinen knapp 3000 Landsleuten unter den 8000 in der Arena feiern ließ, wirkte Walujew nach seiner zweiten Niederlage im 53. Kampf seltsam emotionslos.

"Ich will wiederkommen"

"Ich werde weiterkämpfen und wiederkommen", kündigte er jedoch an. Wilfried Sauerland schränkte jedoch ein: "Was Nikolaj betrifft, werden wir jetzt ein paar Wochen abwarten und dann weitersehen."

Die Attraktivität des bereits 36 Jahre alten St. Petersburgers hat schließlich deutlich gelitten.

Der 22 Zentimeter kleinere und fast 45 Kilo leichtere Engländer zeigte die Grenzen von Walujew ebenso deutlich auf wie Ruslan Chagaev im April 2007, als er erstmals seinen WM-Gürtel verlor und Evander Holyfield im letzten Dezember. Immer wieder forderte Trainer Alexander Simin vergebens Kombinationen von seinem Schützling: "Eins, zwei, drei!" Walujew aber kann das nicht.

Tapsiger Walujew

Den beweglichen Haye vermochte der knapp 144 Kilo schwere Russe nie zu stellen, er tapste schwerfällig hinter ihm her, während der Londoner ein, zwei Treffer setzte und wieder verschwand. "Ich war nicht bereit, so viel zu laufen", erklärte Walujew, "wenn Haye zweimal schlägt und nicht getroffen wird, gewinnt er eben den Kampf."

Der Plan des ehemaligen Cruisergewichts-Champions ging also voll auf: "Ich habe gesagt, ich lasse ihn dumm aussehen, und das habe ich getan." In der zwölften Runde konnte er Walujew sogar sichtbar anknocken. Der Riese wankte sichtbar, aber er fiel nicht. "Walujew hat das härteste Kinn der Welt", meinte Haye.

Pflichtverteidigung gegen Ruiz

Der smarte Brite wird nach seiner Pflichtverteidigung, wahrscheinlich gegen das 37 Jahre alte amerikanische Auslaufmodell John Ruiz, den Weg zu den millionenschweren Kämpfen in Las Vegas und im US-Pay-TV gehen.

Seine Entscheidung in diesem Sommer, den Klitschko-Brüdern aus dem Weg zu gehen, war also goldrichtig.

Walujews künftige Attraktion besteht dagegen nur noch in der Frage, ob ihn jemand tatsächlich mal zu Boden schlägt. Keine schöne Perspektive.

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