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Vitali Klitschko und sein langjährigen Coach Fritz Sdunek bei der Vorbereitung © getty

Trotz Herzproblemen bereitet Fritz Sdunek Vitali Klitschko auf den WM-Fight gegen Kevin Johnson vor. Seine Zukunft ist ungewiss.

Bern/Hamburg - Er hat wieder voll durchgezogen. Wochen vorher die Trainingspläne geschrieben, nach denen Witali Klitschko fit gemacht wurde für den WM-Kampf am Samstag (22.10 Uhr) in Bern gegen Kevin Johnson (USA).

Coach Fritz Sdunek hielt die Pratzen hin, Klitschko knallte drauf, er spielte Tischtennis mit dem Ukrainer, ließ ihn schwimmen, schindete ihn und sich im Trainingslager. Volles Programm, wider alle Vernunft.

Eigentlich sollte Sdunek die Vorweihnachtszeit ruhig genießen, statt den 38 Jahre alten Schwergewichtschamp auf seine Verteidigung des WBC-Gürtels vorzubereiten. 156419(DIASHOW: Klitschko vs. Arreola).

Auszeit erst im Januar

Die Gesundheit ist angeschlagen, Sdunek hat sich auf Anraten seiner Ärzte eine "Auszeit" verordnet.

Aber noch nicht jetzt, erst im Januar. Vorher zieht der 62-Jährige noch den Klitschko-Kampf und eine Woche später in Schwerin den Fight von Sebastian Zbik gegen Emanuele Della Rosa durch.

Dann soll es endlich in das eigene Apartment auf Grand Canaria gehen. Auftanken. "Die Warnung der Ärzte und meine angegriffene Gesundheit muss ich sehr ernst nehmen. Nach den besonders intensiven Kampfvorbereitungen im Sommer und Herbst habe ich die

Quittung für diese harten körperlichen Belastungen bekommen", sagt Sdunek.

Volltreffer führt zur Krebsdiagnose

Vor 18 Monaten hatten Ärzte einen Krebstumor an seiner Lippe entdeckt. Zufällig, weil sein Schützling Denis Boitzow im Training einen blutigen Volltreffer gelandet hatte.

"Ich muss Denis also dankbar sein", sagt Sdunek mit seinem trockenen Humor. Nach erfolgreicher Therapie kamen Herzprobleme hinzu. Die häufigen Rückenschmerzen sind da fast eine Lappalie.

Seit 15 Jahren arbeitet Sdunek für die Universum Box-Promotion in Hamburg. Der an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in der ehemaligen DDR ausgebildete Diplom-Sportlehrer hat mit wissenschaftlichen Trainingsplänen, taktischem Geschick und pädagogischem Einfühlungsvermögen zwölf Boxer zu Weltmeistern gemacht, darunter Topstars wie Dariusz Michalczewski, die Klitschko-Brüder und Zsolt Erdei. (Klitschko schlägt Arreola windelweich)

Schaburow und Grigorian profilieren sich

Die Zukunft von Sdunek in "seinem" Universum-Gym in Hamburg-Wandsbek scheint allerdings völlig ungewiss.

Michael Timm wächst immer mehr in die Rolle eines Cheftrainers hinein, Magomed

Schaburow und Artur Grigorian profilieren sich. Auf einen Termin für die Rückkehr des "festen Freien" Sdunek will sich bei Universum niemand festlegen.

"Es ist an uns, ihm nach den Warnzeichen der Ärzte den Raum zu geben, sich auf eine erholsame Auszeit vorzubereiten", teilte Klaus-Peter Kohl mit.

Auf keinen Fall aufhören

Der Hamburger ist dabei, seinen Stall von 60 auf rund 30 Boxer zu verschlanken. Da braucht man natürlich auch weniger Trainer.

"Wenn Universum es möchte, dann steige ich ganz aus", sagte Sdunek im Trainingslager für den Klitschko-Kampf, "wenn man mich nicht mehr braucht, werden wir uns in beiderseitigem Einvernehmen trennen.

Dann arbeitet er eben komplett auf selbstständiger Basis weiter. Witali Kitschko wird ihn beschäftigen, so lange er noch aktiv ist.

Anfragen von anderen Boxern gibt es immer wieder. Kürzer treten ja, aufhören aber will Sdunek auf keinen Fall: "Das kann ich gar nicht, dann falle ich sofort tot um."

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