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Vitali Klitschko (r.) hat 37 seiner 41 Profikämpfe durch K.o. gewonnen. © getty

Vitali Klitschko ist nach dem Sieg nach Punkten über Kevin Johnson unzufrieden. Sein Gegner war im Ring angeblich angeschlagen.

Bern - Um 01.32 Uhr in der Nacht zum Sonntag hatte Bernd Bönte genug.

"Diesen Quatsch muss ich mir nicht länger anhören", sagte der Manager von Vitali Klitschko und verließ das Podium der Pressekonferenz in Bern.

Kevin Johnson hatte gerade ausführlichst geschildert, warum er den WM-Kampf in der Schweizer Hauptstadt gegen den WBC-Champion doch eigentlich gewonnen hatte - fast. Das brachte das Fass zum Überlaufen.

Man war genervt im Lager des Ukrainers. Von Johnson, seinem Benehmen, seinem Kampfstil und auch davon, dass Klitschko dieses Großmaul in zwölf Runden trotz der lautstarken Unterstützung von rund 16.000 Fans nicht umhauen konnte 184258(Bilder).

"Unbequemste Gegner meiner Karriere"

So musste sich der 38-Jährige zum zweiten Mal nach dem Fight 2000 gegen Timo Hoffmann mit einem Punktsieg zufrieden geben.

An dessen Deutlichkeit (120:108, 120:108, 119:109) gab es zwar nichts auszusetzen, der bewegliche Verteidigungskünstler aus Atlanta offenbarte aber auch die boxerischen Defizite des "großen" Klitschko.

"Ich bin entäuscht, dass ich ihn nicht stoppen konnte", sagte Klitschko, "das war der unbequemste Gegner meiner Karriere." "Ein Stinker, der nichts von dem gehalten hat, was er vorher versprochen hat", sagte Bruder Wladimir.

War Johnson verletzt?

Der technisch viel stärkere WBO- und IBF-Champion hätte aber wahrscheinlich trotzdem besser ausgesehen als sein älterer Bruder.

Das boxerische Repertoire des schlagkräftigen 38-Jährigen ist eben begrenzt. Immer wieder versuchte er es mit Links-Rechts-Kombinationen zum Kopf. Keine Serien, keine Aufwärtshaken, die ein probates Mittel gewesen wären.

"Ich wusste, dass er mich nicht K.o. schlagen kann, keiner kann das, ich bin zu schnell" tönte Johnson.

Und dann überraschte er auch noch mit einer medizinischen Diagnose, von der während des Kampfes nicht einmal seine Ecke etwas wusste: "Wäre nicht mein linker Ellenbogen verletzt gewesen, hätte ich ihm beide Augen bis zur sechsten Runde geschlossen."

"Werde gegen so einen Feigling nicht mehr boxen"

Johnson zeigte während der 12 Runden praktisch keine Offensivaktion, sein einziges Ziel war es zu "überleben". Dazu provozierte er ständig mit herausgestreckter Zunge und beleidigte Klitschko im Ring.

Nach dem Schlussgong standen sich beide Kämpfer sekundenlang Kopf an Kopf gegenüber, die Lage schien bedrohlich bis Wladimir sich dazwischen stellte.

"Gegen so einen Feigling werden wir nicht mehr boxen", sagte Klitschkos Trainer Fritz Sdunek, "so etwas macht einfach keinen Spaß."

Falsche Gegner-Auswahl?

Da ist offenbar etwas richtig schiefgelaufen bei der Auswahl dieses Gegners. "In seinen anderen Kämpfen und den Videos, die wir von ihm hatten, ist er völlig anders aufgetreten", sagte Bönte.

In 23 Kämpfen war Johnson ungeschlagen, auch der US-TV-Sender HBO redet mit. "Unsere Fernsehpartner würden keine Pflaumen akzeptieren", sagte der Klitschko-Manager.

In der Spitze sahen 12,33 Millionen Zuschauer den Fight bei RTL, eine herausragende Quote. Ob die alle beim nächsten Mal wieder einschalten, ist zumindest fraglich.

Haye auf dem Zettel

Da muss jetzt ein richtig großer Name kommen. David Haye beispielsweise. Der Brite ist Weltmeister der WBA und hat damit den einzigen Titel im Besitz, der den Klitschko-Brüdern noch fehlt.

"Ich versuche eine Titelvereinigung, das wäre ein Traum", sagte Klitschko. Und Johnson dann nur noch eine unerfreuliche Episode.

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