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Brämer gewann 34 von 36 Profikämpfen. 28 davon durch K.o. © imago

Jürgen Brähmer und Sebastian Zbik behaupten ihre Titel, sind aber gezeichnet. Zbik hofft nun auf einen Super-Champ.

Schwerin - So ein Mecklenburger Dickkopf, der kann eben was ab. Die Braue über dem rechten Auge sofort nach dem Kampf mit acht Stichen genäht, das linke Auge von einem tieflila Veilchen geschmückt - so sehen Sieger normalerweise nicht aus.

Jürgen Brähmer war nach seinem blutigen 3:0-Punktsieg (116:112, 116:112, 118:110) gegen den zähen Russen Dimitri Suchotski dennoch bester Laune.

Er hatte seinen WM-Titel der WBO im Halbschwergewicht erfolgreich verteidigt und den 7000 Zuschauern in seiner Heimatstadt Schwerin ein 186642dramatisches Spektakel geboten.

20 Schläge zum Kopf

"Das ist Boxen und kein Rudern", lautete der lakonische Kommentar des 31-Jährigen zu den unappetitlichen Szenen in der zehnten Runde, als er am Seil stehend eine Serie von 20 Schlägen zum Kopf über sich ergehen lassen musste.

Irgendwie aber kam er da raus, auch deshalb, weil der Ringrichter unterbrach, ohne ihn anzuzählen, und die blutige Wunde vom Arzt checken ließ.

Dann ging es weiter, Brähmer kam zurück und gewann den Kampf. Die Halle tobte, Promoter Klaus-Peter Kohl strahlte, sein deutscher Weltmeister behält den Titel.

"Ich lasse mich halt nicht gerne schlagen", begründete Brähmer sein entscheidendes Aufbäumen in der Schlussphase.

"Knastboxer" steht wieder vor Gericht

So ist er halt. Lässt sich nichts gefallen. Ein harter Kerl, ein selbst ernannter Gerechtigkeitsfanatiker, der auch kompromisslos gegen Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit angeht, wenn er sie für falsch hält.

Aber immer auch einer, der leicht aufbraust, wenn er gereizt wird. Nicht nur im Ring wie gegen Suchotski. Zur Zeit steht der vorbestrafte Der Mecklenburger wieder wegen Körperverletzung und Beleidigung vor Gericht, der nächste Termin ist am 30. Dezember.

Mecklenburger Dickkopf

"Die Vorbereitung auf den Kampf war ja nicht ganz so einfach", sagt Brähmer, "es nervt, wenn man immer wieder zum Gericht latschen muss. Meiner Meinung nach hätte man den Prozess schon nach dem zweiten Verhandlungstag abbrechen können."

Zehn sind es bis jetzt, das Urteil soll wohl am 8. Januar fallen.

"Es ist beeindruckend, wie Jürgen diese Sache wegsteckt", sagt Promoter Klaus-Peter Kohl, "viele hätten in dieser Situation nicht geboxt." Aber Brähmer ist eben ein Mecklenburger Dickkopf.

Auch Zbik gewinnt

Und damit auch ein deutlicher Kontrast zu Mittelgewichtler Sebastian Zbik, Kohls zweitem Hoffnungsträger aus Mecklenburg.

Auch der wesentlich eloquentere Zbik wurde nach der erfolgreichen Verteidigung seines Interimstitels der WBC im Mittelgewicht gegen den Italiener Emanuele Della Rosa von seinen Fans gefeiert. Mit 2:1 (117:111, 120:109, 113:115) behielt er die Oberhand.

Auch er musste sich eine härtere Schlacht liefern als gedacht. Die rechte Hand war verletzt, ein dickes "Horn" auf der Stirn, sein Gegner blutete seit der zweiten Runde aus einem Cut.

"Das Warten in der Kabine hat genervt, ich dachte nicht, dass Jürgen über die Distanz geht", sagte Zbik, "insgesamt bin ich jetzt zufrieden."

Kampf gegen Pavlik in Aussicht

Als Interims-Weltmeister verbessern sich seine Chancen, zum Pflichtherausforderer des amerikanischen "Super-Champs" Kelly Pavlik zu werden, der in der gleichen Nacht in Youngstown seine WBC- und WBO-Gürtel gegen Miguel Espino erfolgreich verteidigte.

"Ich würde gerne gegen Pavlik boxen, selbst eine Niederlage würde mich nicht aus der Bahn werfen", sagte Zbik, "ein Kampf in Amerika wäre ein Traum."

Erfolgreiches Profi-Debüt für Amateur-Weltmeister

Ein erfolgreiches Debüt im Profi-Geschäft feierte unterdessen Jack Culkay: Der erste deutsche Amateur-Weltmeister besiegte Jindrich Kubin klar nach Punkten und war jederzeit Herr im Ring.

Dabei provozierte der Newcomer seinen tschechischen Gegner mit einer sehr offenen Deckung zu unüberlegt vorgetragenen Angriffen, die er mit seiner Schnelligkeit ins Leere laufen ließ, um sofort mit seiner schlagstarken Rechten zu kontern.

"Das ist mein Stil, aber den muss ich natürlich je nach Gegner variieren. So offen kann ich nicht gegen jeden boxen", verriet der 24-Jährige Sport1.de und gab zu: "Mit meiner Offensive war ich sehr zufrieden. An meiner Verteidigung muss ich wohl noch arbeiten."

"Ein tolles Erlebnis"

"Ich war überhaupt nicht nervös, obwohl die Kulisse eine ganz andere ist, als bei Amateurkämpfen. Es war ein tolles Erlebnis, in die Halle einzumarschieren, Daran kann man sich gewöhnen", so "Golden Jack" weiter.

"Ich bin sehr zufrieden", kommentierte ein strahlender Coch Michael Timm das Debüt seines Schützlings. "Natürlich gibt es noch einiges zu verbessern, aber das ist ja normal nach einem ersten Profi-Fight."

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