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"King Arthur" Abraham träumt vom Box-Auftritt in den USA © getty

Arthur Abraham steigt am Samstag zur Pflichtverteidigung gegen Raul Marquez in den Ring. Bei Sport1.de steht er Rede und Antwort.

Von Jürgen Blöhs

München ? Am 4. Oktober trifft Arthur Abraham in Bamberg zu einer Pflichtverteidigung seines WM-Titels in Bamberg auf US-Mittelgewichtler Raul Marquez.

Sport1.de erfuhr in einem Gespräch, dass der 28-Jährige ursprünglich eine Karriere in ganz anderer Richtung geplant hatte.

Aber der fränkische Meister musste feststellen, dass sein Können auf dem Rad nicht reichte, ein "zweiter Jan Ullrich" zu werden.

In 27 Kämpfen unbesiegt

Also bot der gebürtige Armenier sich beim Sauerland-Stall als Sparrings-Partner an.

Mit Erfolg: Abraham ist in bisher 27 Profi-Fights unbesiegt und hat noch große Ziele:

Der IBF-Weltmeister will WBC- und WBO-Weltmeister Kelly Pavlik schlagen und Super-Champ werden. Außerdem hofft "King Arthur" weiter auf ein Duell gegen Felix Sturm. Probleme hat Abraham wegen eines schweren Vorwurfs.

Sport1.de: Was erwartet die Fans am 4. Oktober?

Arthur Abraham: Auf jeden Fall ein schwerer Kampf. Marquez ist ein erfahrener Boxer. Er hat von 41 Kämpfen nur drei verloren und war schon einmal Weltmeister. Aber ich werde gewinnen.

Sport1.de: Warum in Bamberg?

Abraham: Ich habe die armenische und die deutsche Staatsbürgerschaft und bin stolz auf beide Länder. Der Kampf in Bamberg ist für mich ein Heimspiel. Ich kämpfe gerne hier.

Sport1: Wie kamen Sie zum Boxen?

Abraham: Begonnen habe ich als Radfahrer, nicht, wie man häufig liest, als Kickboxer. Angefangen habe ich bei Concordia Strullendorf. Ich war Franken-Meister und Bayerischer Vize-Meister, aber ich habe gemerkt, dass ich nicht das Talent hatte, ein zweiter Jan Ullrich zu werden.

Sport1.de: Darunter wollten Sie es nicht machen?

Abraham: Nein, wenn ich etwas mache, dann richtig. Ich bin damals zu Sauerland gefahren und habe gesagt, hier bin ich, nehmen Sie mich. Ich werde mal Weltmeister. Beim Sparring mit Sven Ottke und anderen Stars habe ich dann überzeugt.

Sport1.de: Haben Sie ein Vorbild im Ring?

Abraham: Den jungen Mike Tyson.

Sport1.de: Sie sind dafür bekannt, schweren Gegnern nicht aus dem Weg zu gehen. Nach nur 90 Kämpfen als Amateur sind Sie ins Profi-Lager gewechselt und haben bereits nach 13 Kämpfen gegen Nader Hamdan gekämpft, der bis dahin von 37 Kämpfen nur einen verloren hatte. Lieben Sie das Risiko?

Abraham: Das war sehr riskant, aber irgendwann muss man ja anfangen. Hamdan hatte von 37 Kämpfen nur einen verloren. Am Ende habe ich vorzeitig gewonnen.

Sport1.de: Zu Beginn der Karriere sind Sie mit einer Schlumpfmütze einmarschiert. Wie kam es zu dieser Idee?

Abraham: Das war eine Idee meines Managements. Ich fand das ganz lustig. Die Fans haben das Schlumpflied von Vadder Abraham beim Einmarsch mitgesungen.

Sport1.de: Wie kam es zum Wechsel vom Schlumpf zu "King Arthur"?

Abraham: Als ich Weltmeister wurde, haben wir uns entschieden, was anderes zu machen.

Sport1.de: Gab es keinen Ärger mit Artur Grigorian?

Abraham: Der nennt sich "König Artur" ich bin "King Arthur".

Sport1.de: Jeder erinnert sich an den Kampf gegen Edison Miranda, den Sie trotz Kieferbruchs gewannen. Spielt die Erinnerung daran in ihren Kämpfen eine Rolle?

Abraham: Nein. Wenn da noch Ängste hochkommen würden, dürfte ich nicht mehr boxen. Angst darf man nur vor einer Niederlage haben. Ich habe keine Angst.

Sport1.de: Hat man als Boxer dafür manchmal Angst um den Gegner? Ich denke an den Kampf gegen den klar unterlegenen Khoren Gevor, der seinem Trainer Fritz Sdunek verbot, das Handtuch zu werfen. Zieht man da ein bisschen zurück oder boxt man einfach weiter?

Abraham: Als Trainer hätte ich den Kampf auch gegen den Willen des Boxers gestoppt. Aber solange das nicht passiert, boxt man weiter.

Sport1.de: Herr Abraham, es gibt Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Ihre Person. Was sagen Sie dazu?

Abraham: Die Vorwürfe gegen mich sind absolut haltlos, und ich weise sie in scharfer Form zurück. Mehr möchte ich vor dem Prozess im Oktober dazu nicht sagen.

Sport1.de: Bedauern Sie irgendetwas in Ihrer Karriere?

Abraham: Ich hätte gern gegen Dreifach-Weltmeister Jermain Taylor die Gürtel von vier Verbänden vereinigt. Leider ist es dazu nie gekommen.

Sport1.de: Genau so wenig wie zu einem Duell mit Felix Sturm. Warum?

Abraham: Das weiß ich auch nicht. Wir haben zweimal ein Angebot vorgelegt, zuletzt über 1,5 Millionen Euro, aber Universum kneift. Vielleicht muss er ja irgendwann zu einer Pflichtverteidigung antreten.

Sport1.de: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Abraham: Ich will unbedingt WBC- und WBO-Weltmeister Kelly Pavlik schlagen und Super-Champ werden ? und das kann man nur in Amerika.

Sport1.de: Apropos Amerika. Was halten Sie von Don King?

Abraham: Der größte Promoter und der größte Mafiosi im Box-Geschäft.

Sport1.de: Und Ihr Manager Wilfried Sauerland?

Abraham: Der beste und ehrlichste Manager der Welt und menschlich ein Vorbild.

Sport1.de: Wie lange wollen Sie noch boxen?

Abraham: Ich will nicht ewig im Ring stehen. In vier, fünf Jahren werde ich abtreten ? wie Ottke als Weltmeister.

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