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Klaus-Peter Kohl (r.) ist der Gründer der Universum Box-Promotion GmbH © getty

Eine Verurteilung Brähmers könnte dem Promoter die TV-Einnahmen kosten. Denn auch Weltmeister Felix Strum will nur noch weg.

Hamburg - Jürgen Brähmer droht eine Gefängnisstrafe, Felix Sturm will sich lieber heute als morgen selbst vermarkten, und die weitere Zusammenarbeit mit dem TV-Partner ZDF scheint derzeit mehr als fraglich: Die einst so heile Welt beim Universum-Boxstall wird momentan von einem wahren Meteoritenhagel erschüttert.

Noch vor knapp zwölf Monaten gab Promoter Klaus-Peter Kohl in der Hamburger Zentrale des Unternehmens eine rauschende Feier zum 25-jährigen Bestehen seines Imperiums, inzwischen ist die Partylaune im Gym an der Walddörferstraße bitterer Katerstimmung gewichen.

Den bisher letzten Tiefschlag mussten Kohl und Co. am Dienstag einstecken. Supermittelgewichts-Weltmeister Brähmer wurde vom Schweriner Amtsgericht wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einem Freiheitsentzug von 16 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

TV-Vertrag läuft im Sommer aus

Die Anwälte des zuvor bereits vorbestraften Mecklenburgers kündigten zwar umgehend Berufung an, der endgültige Ausgang des Verfahrens bleibt jedoch ungewiss. Sollte das Urteil Bestand haben, wäre Brähmers Karriere wohl beendet und Kohl ein weiteres Zugpferd los.

Mit Interesse dürfte man diese Entwicklungen auch in Mainz verfolgt haben. Hier sitzt das ZDF, das Universum Spekulationen zufolge bisher jährlich rund 20 Millionen Euro überwiesen haben soll.

Der Vertrag läuft am 31. Juli 2010 aus.

Brähmer bisher ein Quotengarant

"Nach jetzigem Stand wird es danach kein Boxen mehr im ZDF geben", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz dem SID: "Einen Zusammenhang mit dem Urteil gegen Brähmer lässt sich aber nicht herstellen, da die Geschäftsleitung des ZDF die Entscheidung schon früher getroffen hat."

Als Argument, den Sender doch noch umzustimmen, taugen die Entwicklungen um den WBO-Weltmeister aber nicht gerade. Als deutscher Champion garantierte Brähmer bisher eine gewisse Quote, als möglicher Gefängnisinsasse kann er nichts gegen den drohenden schwarzen Bildschirm tun.

Keine große Hilfe für Kohl also, der dennoch an dem 31-Jährigen festhalten will: "Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ich glaube weiter an Jürgens Unschuld."

Sturm hat kein Vertrauen mehr

Brähmer ist nicht der einzige Champion, der dem Promoter derzeit Kopfzerbrechen bereitet. Mittelgewichts-Weltmeister Sturm hatte seinen Vertrag mit Universum bereits im vergangenen August gekündigt und Kohl anschließend mit Vorwürfen überzogen.

"Das Vertrauen ist zerstört", sagt Sturm, der sich künftig selbst vermarkten und die einseitige Option auf Verlängerung seines Kontrakts mit Universum nicht anerkennen will.

Die Hamburger halten derweil dagegen.

Und wieder entscheidet die Justiz

"Wir werden keine Boxkämpfe dulden, die unter Verstoß gegen unsere vertraglichen Exklusivrechte durchgeführt werden", hieß es zuletzt aus dem Universum-Lager. Man werde "alle gebotenen gerichtlichen Schritte wahrnehmen, um sicherzustellen, dass Sturm seinen bis 2012 andauernden Exklusivvertrag zu erfüllen" habe.

Wie bei Brähmer ist Kohl auch in diesem Fall aber von Entscheidungen der Justiz abhängig.

"Geld verdienen kann man nur mit Fernsehen"

"Die Geschehnisse um Brähmer und Sturm haben das Interesse sicher nicht erhöht", sagt Gruschwitz bezüglich einer weiteren Zusammenarbeit: "Wir loten derzeit aber aus, inwieweit es künftig Kooperationen geben kann."

Dass die Situation für Universum brenzlig ist, scheint klar.

"Geld verdienen kann man nur mit Fernsehen", hatte Kohl am Rande des Jubiläums im vergangenen Jahr erklärt. Über das ganz große Zugpferd verfügt sein Boxstall derzeit aber nicht.

Der tiefe Fall steht bevor

Was bleibt, sind die Hoffnungen auf die Justiz und rasante Entwicklungen bei WBC-Interims-Champion Sebastian Zbik oder Amateur-Weltmeister Jack Culcay.

Auch die Kooperation mit US-Superstar Oscar de la Hoya und dessen Golden Boy Promotion soll ein wichtiger Schritt in eine sorgenfreiere Zukunft sein. Ansonsten droht dem Box-Universum, bei dem einst die Klitschko-Brüder, Dariusz Michalczewski oder Regina Halmich unter Vertrag standen, der Absturz in ein schwarzes Loch.

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