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Von seinen 36 Profi-Kämpfen gewann Sebastian Sylvester 33 - davon 16 durch K.o. © imago

Der Mittelgewichts-Champ zeigt in seinem "Wohnzimmer" taktische Mängel, besiegt Ersatz-Gegner Billy Lyell dennoch vorzeitig.

Neubrandenburg - Der ursprüngliche Herausforderer gedopt, der Ersatzmann schwach, der Wunschkandidat noch unerreicht: Box-Profi Sebastian Sylvester spukten bei seiner ersten Titelverteidigung als Mittelgewichts-Weltmeister der Version IBF gleich mehrere Namen durch den Kopf.

Vielleicht war das der Grund, warum der "Hurrikan" beim glanzlosen Sieg durch technischen K.o. in der zehnten Runde gegen den überforderten Amerikaner Billy Lyell in seinem Neubrandenburger "Wohnzimmer" die Fans nicht so von den Sitzen riss wie noch bei seiner Titeleroberung vor vier Monaten.

"Ich stand unter Druck. Ich wollte vor diesem fantastischen Publikum unbedingt eine Rechte krachen lassen und den Gegner auf die Bretter schicken.

Kampf auf der Kippe

Dadurch war ich im Oberkörper zu fest", sagte Sylvester entschuldigend und sorgte sich um die Gesundheit der 4700 Zuschauer, die im Schneechaos von Mecklenburg-Vorpommern ein nicht unerhebliches Risiko auf sich genommen hatten: "Fahrt bitte vorsichtig und kommt alle gesund zu Hause an."

Wegen zugeschneiter Zufahrtswege und der Schneemassen auf dem Dach des Jahnsportforums hatte der Kampf lange auf der Kippe gestanden.

Weniger kritisch wurde es im Ring für den Greifswalder selbst, der die limitierten Fähigkeiten des 25 Jahre alten Herausforders aber nur in den ersten vier Runden richtig auszunutzen wusste.

Lyells Trainer wirf das Handtuch

"Da hat er gezeigt, wer der Weltmeister ist und klare Treffer gesetzt", sagte Ex-Champion Henry Maske.

Danach offenbarte der 29-Jährige jedoch taktische Mängel, als er ungestüm auf ein vorzeitiges Kampfende ging. Dieses kam zwar in der zehnten Runde, als Lyells Trainer John Loew zum Schutz seines Schützlings das Handtuch warf, doch Zufriedenheit herrschte im Sylvester-Lager deswegen nicht.

"Ich bin über seine Leistung nicht glücklich", sagte Trainer Karsten Röwer nach Sylvesters 31. Sieg im 34. Profikampf: "Wenn man die Rechte mit Gewalt durchbringen will, kommt sie meist nur geschoben."

Mildernde Umstände für Sylvester

Allerdings gelten für Sylvester mildernde Umstände, schließlich hatte er sich bis vor zwei Wochen auf Pablo Navascues als Gegner eingestellt. Doch der Spanier wurde bei einer unangemeldeten Dopingkontrolle positiv getestet.

"Lieber stelle ich mich kurzfristig auf einen neuen Gegner ein, aber Doping darf man nicht durchgehen lassen", meinte Sylvester.

Revanche gegen Sturm?

Am 5. Juni kommt es für den Linksausleger zur ersten Pflichtverteidigung gegen den Russen Roman Karmasin. Danach hofft der "Hurrikan" auf den "Sturm" - sprich auf eine Revanche gegen Felix Sturm, der ihm im November 2008 eine bitte Niederlage zugefügt hatte.

"Im Laufe des Jahres kann es zu diesem Kampf kommen", sagte Promoter Wilfried Sauerland.

Allerdings müsste dafür die Gage von WBA-Weltmeister Sturm, der sich inzwischen selbst vermarktet, deutlich sinken. "Da muss man verhandeln. Aber er wird schon noch auf den Boden der Realität zurückkehren", sagte Sauerland.

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