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Henry Maske gewann in seiner Profi-Karriere 31 seiner 32 Kämpfe © getty

Vor dem Kampf Wladimir Klitschko gegen Eddie Chambers vergleicht Henry Maske bei Sport1.de die Chancen der beiden Boxer.

Von Rainer Nachtwey

München - Zum zweiten Mal in seiner Karriere verteidigt Wladimir Klitschko am Samstagabend seine IBF- und WBO-Weltmeistertitel im Schwergewicht in einem Fußballstadion.

In Düsseldorf trifft der Ukrainer auf seinen einstigen Sparringspartner Eddie Chambers aus den USA.

Der ehemalige Halbschwergewichts-Weltmeister Henry Maske wird sich das Spektakel in der Düsseldorfer Arena nicht entgehen lassen.

Große Chancen räumt der "Gentleman" dem Herausforderer bei Sport1.de nicht ein: "Ich traue Chambers keinen Lucky Punch zu."

Im Interview der Woche spricht Maske über den Größenunterschied und beleuchtet die Vorteile der beiden Boxer.

Sport1.de: Herr Maske, freuen Sie sich auf den Kampf?

Henry Maske: Es ist natürlich ein tolles Ereignis, den Fight vor so einer Kulisse in einem Stadion auszutragen, wie in den alten Zeiten. Ich konnte beim ersten Kampf in der Arena AufSchalke gegen Ruslan Chagaev leider nicht vor Ort sein, daher freue ich mich darauf.

Sport1.de: Was erwarten Sie von dem Kampf?

Maske: Ich gehe mal sachlich ran: Chambers kann nicht zaubern. Damit meine ich, dass Chambers Leistungen nicht an Wladimirs heranreichen können. Unsere Sportart lässt nun mal zu, dass durch einen Lucky Punch vieles verändert werden kann. Ich traue Chambers aber aufgrund der Erfahrung, die Wladimir hat, so etwas definitiv nicht zu.

Sport1.de: Sie haben die Atmosphäre in einem Fußballstadion angesprochen. Hat Wladimir Klitschko dadurch, dass er diese von seinem Kampf AufSchalke bereits kennt, einen Vorteil gegenüber Chambers?

Maske: Ich glaube nicht, dass Chambers sich davon beeindrucken lässt und Wladimir sich Vorteile erhofft. Auf dieser Ebene findet so etwas nicht statt.

Sport1.de: Welchen Einfluss wird der Größenunterschied - Klitschko ist 14 cm größer - nehmen?

Maske: Das schüchtert jeden Gegner ein, der nicht annähernd die Größe wie Wladimir oder Vitali hat. Die kleineren Boxer, die es gewohnt sind, gegen größere anzutreten, sagen: 'Das ist genau mein Stil und damit komme ich hervorragend zurecht, die Großen fallen besser, und, und, und.' Aber man muss mit der Größe auch umgehen können.

Sport1.de: Auf was muss Klitschko dabei achten?

Maske: Ich habe die Erfahrung selbst gemacht. Wenn man oft mit Kleineren zu tun hat und erfolgreich ist, stellt man sich darauf ein. Dann liegt der Vorteil ganz klar beim Längeren. Wladimir hat in den Jahren eine Menge gelernt. Man sieht bei ihm, wie er sich in den ersten Runden verhält. Er achtet ganz stark auf Sicherheit, auf Vorsicht und darauf, den Gegner zu kontrollieren. Er gleicht seine Vorstellungen mit der Realität ab. Früher oder später spürt er, dass er alles unter Kontrolle hat, und bringt dann seine entscheidenden Hände unter.

Sport1.de: Beide haben gesagt, dass sie mit der Art des anderen zu boxen, nicht gut zurecht kommen. Wen sehen Sie im Vorteil?

Maske: Wladimir ist derjenige, der das Geschehen dominieren wird. Er kann auf Distanz boxen, von außen den Kampf kontrollieren. Bevor Chambers Wladimir gefährden kann, muss er erst einmal in Wladimirs Gefahrenzone rein. Bei Wladimir sieht das anders aus. Er muss nicht in die Gefahrenzone Chambers' herein, er kann wie gesagt von außen das Geschehen kontrollieren. Das hat natürlich deutliche Vorzüge.

Sport1.de: Wo hat Chambers einen Vorteil?

Maske: Chambers ist der Typ Boxer, der nur für einen Moment arbeitet. Wenn er spürt, hier bietet sich die Möglichkeit, dann ist er radikal und denkt nicht daran, was könnte passieren, wenn es nicht klappt. Aber er hat ja auch keine andere Chance. Chambers muss aufgrund seiner Reichweiten-Nachteile die Distanz verkürzen und begibt sich dadurch in Gefahr. Er muss versuchen, in die Halb- und Nahdistanz zu kommen, um dann eine offene Stelle bei Wladimir zu finden. Das ist die einzige Möglichkeit, die er hat. Über zwölf Runden sehe ich da keine Chance (NEWS: Alles zum Boxen).

Sport1.de: Chambers muss also auf einen K.o. gehen?

Maske: Er kann auch in einer späteren Phase sehr gefährlich sein, das hat er bereits bewiesen. Solche Boxer leben aber nicht davon, über zwölf Runden zu boxen. Wenn sie zu Beginn merken, ich komme nicht zurecht, dann ziehen sie sich zurück, warten den Moment ab und halten mit ihrer Energie haus. Wenn sie den Moment finden, explodieren sie.

Im zweiten Teil spricht Maske über die Dauer des Kampfes und was Wladimir Klitschko von Michael Schumacher unterscheidet >>

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