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Maske war von März 1993 bis November 1996 IBF-Weltmeister im Halbschwergewicht © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews spricht Maske über Chambers Chancen und Hucks Plan, ins Schwergewicht aufzusteigen.

Von Rainer Nachtwey

München - Wladimir Klitschko verteidigt am Samstagabend seine IBF- und WBO-Weltmeistertitel gegen seinen einstigen Sparringspartner Eddie Chambers aus den USA.

Der ehemalige Halbschwergewichts-Weltmeister Henry Maske analysiert im Interview der Woche von Sport1.de das Spektakel in der Düsseldorfer Arena.

Im zweiten Teil sagt der "Gentleman" ein schnelles Ende voraus und sagt, welche Parallele zu Schumi für den Champion spricht. Zudem bewertet Maske den Plan von Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck, ins Schwergewicht aufzusteigen.

Sport1.de: Sie haben die volle Distanz angesprochen. Glauben Sie, dass es einen Kampf über zwölf Runden überhaupt geben kann?

Maske: Nein.

Sport1.de: Was erwarten Sie?

Maske: Ich erwarte, dass Wladimir in der Lage ist, den Kampf zu kontrollieren und irgendwann das Loch findet.

Sport1.de: Wie viele Runden geben Sie Chambers?

Maske: Sechs, sieben Runden. Vielleicht auch acht.

Sport1.de: Wladimir Klitschko musste aufgrund seiner Schulter-OP die längste Kampfpause seiner Karriere einlegen. Kann das Einfluss auf den Kampf nehmen?

Maske: Wladimir und Vitali sind so gestanden, dass sie mit solchen Pausen gut zurechtkommen. Und es ist auch nicht unüblich, eine längere Pause einzulegen. In meiner Zeit wollte mein Trainer Manfred Wolke am liebsten vier, fünf Kämpfe im Jahr.

Sport1.de: Würden Sie es heute noch genauso machen?

Maske: Wenn ich jetzt darüber nachdenke, muss ich sagen: 'Wisst ihr was: lieber noch einen Kampf weniger.' Es ist ein großer Vorteil, seine Akkus auch wieder mal aufladen zu können, nicht permanent vorm nächsten Kampf zu stehen. Das ist eine unheimliche mentale Belastung. Warum ist Michael Schumacher bereit, sich wieder mit einem Auto auseinanderzusetzen? Und warum hat er vor drei Jahren aufgehört und gesagt: 'Wisst ihr was: Mein Akku ist leer. Ich will nicht mehr.' Das kann ein Außenstehender nicht beurteilen, aber es ist tatsächlich so.

Sport1.de: Wie sehen Sie es bei Wladimir Klitschko?

Maske: Wladimir hat ein großes Maß von beidem - sowohl zu verstehen, dass es ein Leben abseits des Leistungssports gibt, dass man auch genießen darf, und trotz alledem ist er im Ring bestmöglich vorbereitet. Er nimmt es so ernst, wie es erforderlich ist. Wenn man diese Harmonie schafft, kann er ohne Schwierigkeiten noch ein paar Tage boxen, ohne danach ausgebrannt zu sein. (Klitschko verteidigt Titel gegen einstigen Sparringspartner)

Sport1.de: Marco Huck will in ein, zwei Jahren ins Schwergewicht aufsteigen und gegen einen der beiden Klitschkos boxen. Wie sehen Sie Chancen, dass der Kampf zu Stande kommt?

Maske: Bevor Marco Huck die physische und mentale Qualität im Schwergewicht erreicht hat, Wladimir oder Vitali zu gefährden, könnte es durchaus sein, dass Wladimir nicht mehr boxt. Marcos Bemühung kann ich durchaus nachempfinden. Er wäre nicht der erste, der von unteren Klassen ins Schwergewicht aufrückt und erfolgreich ist. Ruiz und wie sie alle heißen. Moorer kam aus meiner Gewichtsklasse, wurde im Schwergewicht auch erfolgreich.

Sport1.de: Das heißt, sie halten die Idee von Marco Huck für abwegig?

Maske: Ich sehe das so: An wem soll man sich orientieren, wenn man ins Schwergewicht will, wenn nicht an Wladimir und an Vitali. Sie sind im Moment unerreicht. Da stehen glücklicher Weise zwei Modellathleten. Es ist ja kein Zufall, dass man sich nach wie vor mit Ruiz auseinandersetzt, obwohl ich glaube, dass das kein Thema mehr ist. Aber weil es im Moment anscheinend niemanden gibt, der die physischen und boxerischen Qualitäten mitbringt, um in der Rangordnung der Klitschkos mitzuboxen (NEWS: Alles zum Boxen).

Sport1.de: Wie lange wird Marco Huck brauchen, bis er im Schwergewicht boxt?

Maske: Das muss nicht lange dauern. Drei, vier Jahre, vielleicht fünf Jahre. Er ist ja noch ein junger Kerl, 25 Jahre alt. Der ist 12, 13 Jahre jünger als der Vitali. Das ist eine irre Menge. Er hat genug Zeit, um sich im Schwergewicht einzubringen. Und dann traue ich ihm zu, dass er eine Menge Boxer im Schwergewicht gefährden kann. Aber er wird auch merken: 'Oh, da oben ist eine noch dünnere Luft, da wird tatsächlich noch härter geschlagen.' 212942(DIASHOW: Huck - Richards)

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