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Ahmed Öner (r.) ist der Promoter von Steffen Kretschmann © getty

Steffen Kretschmann gibt gegen Dennis Bachtow auf, aber erst Promoter Öner verhindert einen Skandalsieg seines Sternchens.

Hamburg - Gerade haben die Boxfans in Deutschland dank der intensiven PR-Bemühungen von "Sat.1" den Namen Steffen Kretschmann kennengelernt, da können sie ihn auch schon wieder vergessen.

Der 29 Jahre alte Schwergewichtler aus Halle/Saale wird voraussichtlich keine Kämpfe mehr bestreiten, seine Karriere ist nach der Aufgabe am Samstag in Hamburg gegen den Russen Dennis Bachtow beendet, bevor sie richtig begann. (Alle Box-News)

"Wir arbeiten hier alle hart und der Typ quittiert den Dienst", sagte Promoter Ahmed Öner, "das war peinlich und blamabel, er sollte aufhören."

Aufwändige Doku hypt Kretschmann

"Die Wiedergeburt des Steffen Kretschmann" hatte "Sat.1" den Kampf im Vorfeld gehyped. Der 1,96 m große Hüne war ausersehen, zum Zugpferd beim Comeback des Münchner Senders im Box-Business nach neun Jahren Pause zu werden.

Deutscher Name, deutscher Pass und Schwergewicht reichten als Auswahlkriterium.

Kretschmann hatte bereits im Sommer 2009 durch K.o in der ersten Runde gegen Bachtow verloren. In einer aufwändigen vierteiligen Doku wurde "Kretsche" nun bei seinen Kampfvorbereitungen für die Revanche gefilmt und sollte dem Publikum näher gebracht werden.

"Aufgeben darf man nicht"

Das Konzept, den Boxer in einer hochkarätigen Produktion zu zeigen, war richtig", sagte "Sat.1"-Sportchef Sven Froberg, "leider ist die Geschichte etwas früh zu Ende gegangen."

Der gedachte Held war dem Druck offenbar nicht gewachsen. Die Filmteams beim Training störten ihn, die Gedanken darüber, was auf dem Spiel steht, ließen sich nicht verscheuchen.

Die von Sat.1 engagierte "Mentaltrainerin" Regina Halmich hatte "schon vorher ein ungutes Gefühl" und fühlte sich anschließend bestätigt: "Aufgeben darf man nicht, wenn man dem Druck und Rummel nicht gewachsen ist, muss man die Konsequenzen ziehen."

"Es war ehrliches Boxen"

Immerhin 4300 Zuschauer hatten den Weg in die Alsterdorfer Halle in Hamburg gefunden, Sat.1 inszenierte einen aufwändigen Abend.

Die blonde Sängerin Katherine Jenkins intonierte live einen "Classical Crossover"-Song, als Kretschmann den Ring betrat. "Es war eine wundervolle Inszenierung", sagte Froberg, "und es war ehrliches Boxen."

Das allerdings lag vor allem an dem oft umstrittenen Promoter Öner, der den offensichtlichen Betrugsversuch des Kampfgerichts um Ringrichter Heinrich Mühmert unterband. 117355(DIASHOW: Verbrechensopfer im Sport)

Öner stimmt Ringrichter um

Nach drei ordentlichen Runden zum Auftakt verlor Kretschmann angesichts des stetig nach vorne marschierenden Bachtow immer mehr die Linie und drehte sich in der neunten Runde, auf den Punktzetteln erstaunlicherweise in Führung liegend, mit einer Aufgabe-Geste ab.

Mühmert hatte noch nicht unterbrochen, als Bachtow noch einmal zuschlug. Das reichte dem Ringrichter um eine Disqualifikation des Siegers anzustreben.

"Ich habe auf den Ringrichter eingewirkt, das zu lassen. Ich hatte keine Lust auf eine tobende Halle und ich will nicht so einen desolaten Sieger haben", sagte Öner.

Noch während der Beratungen des Kampfgerichts im Ring hob Öner die Hand des Russen zum Siegeszeichen. "Gegen wen sollte ich Kretschmann denn danach noch boxen lassen? Gegen meine Mutter?"

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