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Der überforderte Ringrichter Laurence Cole hält Arthur Abraham von Dirrell (l.) fern © imago

Arthur Abraham boxt Andre Dirrell nach dessen Ausrutscher krankenhausreif. Die Disqualifikation besiegelt seine erste Pleite.

Detroit/Hamburg - Der Sieger im Krankenhaus, der Verlierer fassungslos: Was zum großen Durchbruch von Arthur Abraham in den USA werden sollte, endete in Detroit in der Nacht zum Sonntag in einem turbulenten Boxskandal. (Alle Box-News)

Mit einer harten Rechten hatte der Berliner Supermittelgewichtler seinen Gegner Andre Dirrell ausgeknockt.

Das Problem war nur, dass der Amerikaner zuvor ausgerutscht war und verteidigungsunfähig in der Ecke kauerte, als es an seiner Schläfe einschlug. Abraham wurde nach 1:13 Minuten in der elften Runde disqualifiziert.

"Wir wollen eine Neuauflage"

"Mit einem solchen Ende hätte ich nie gerechnet", erklärte der 30-Jährige anschließend, "der Ringrichter ging nicht dazwischen. Ich habe auch kein Kommando vernommen. Ich dachte, ich kann schlagen."

Promoter Wilfried Sauerland erwägt nun einen Protest gegen die Entscheidung: "Wir wollen eine Neuauflage."

Wasserflaschen flogen in den Ring, Dirrells Bruder flippte zwischenzeitlich aus. Neben Abraham stand plötzlich Cruisergewichtsweltmeister Marko Huck neben einem hünenhaften Bodyguard, bereit, den Stallkollegen eventuell zu verteidigen.

Boxerisch unterlegen

Die Stimmung war explosiv. "Ich war schon mitten im Schlag", erklärte Abraham, "ich konnte nicht mehr stoppen." 164085(DIASHOW: Super Six)

Es war die erste Niederlage im 32. Kampf für Abraham, der dadurch den möglichen vorzeitigen Einzug in das Halbfinale des Super-Six-Turniers der sechs weltbesten Supermittelgewichtler verpasste.

"König Arthur" fiel allerdings vor allem wegen seiner boxerischen Unterlegenheit gegenüber dem Olympiadritten von 2004 ein Zacken aus der Krone.

Tiefer Cut über dem Auge

Der gebürtige Armenier lag zum Zeitpunkt des Abbruchs auf den Punktzetteln der Punktrichter zurecht hinten. Er fand fast nie ein Mittel, den ungemein schnellen und beweglichen Dirrell zu stellen, der klar die besseren Treffer hatte.

In der vierten Runde musste Abraham nach einer Linken zu Boden und wurde angezählt, in der siebten Runde erlitt der Deutsche einen tiefen Cut über dem rechten Auge.

"Es war sehr schwer, die Distanz zu überbrücken und ihn zu stellen", räumte Abraham ein.

Sauerland glaubt an K.o.

Erst spät wurde Abraham druckvoller und gefährlicher. "Ab der achten Runde habe ich ihn immer besser getroffen. Ich glaubte, dass ich den Kampf noch gewinne", meinte der Berliner.

Er schlug Dirrell in der zehnten Runde nieder, der Amerikaner wurde danach unverständlicherweise vom schwachen Ringrichter Laurence Cole aber gar nicht angezählt.

"Es war ein packender Kampf. Ich bin mir sicher, dass Arthur noch durch K.o. gewonnen hätte", sagte Sauerland.

Keine Dopingprobe von Dirrell

Dazu kam es aber nicht mehr. Dirrell stutzte nach dem Treffer von Abraham noch einen ganz kurzen Moment, dann sank er dahin.

"Ich würde die Reaktion von Dirrell danach anzweifeln", sagte "ARD"-Experte Henry Maske, "er saß noch ein wenig, nimmt die Handschuhe vors Gesicht, legt sich dann hin und lässt Reaktionen von einem ganz schweren K.o. folgen. Das ist zweifelhaft."

Dirrell, der scheinbar gar nicht begriffen hatte, dass er gewonnen hat, wurde anschließend in ein Hospital gebracht. Die verabredete Dopingprobe gab er zunächst nicht ab. Dieser Kampf scheint noch nicht völlig zu Ende.

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