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David Haye gewann 24 von 25 Profikämpfen, 22 davon durch Knockout © getty

Nach dem Sieg über Ruiz will der WBA-Champion den Klitschko-Brüdern alle Titel abnehmen - verbunden mit gewaltigen Zahltagen.

Von Martin Hoffmann

München - David Haye hat gerade erst einmal drei Kämpfe im Schwergewicht bestritten.

Und glaubt man ihm, werden auch nur noch drei oder vier hinzukommen, im kommenden Jahr will der 29-Jährige schon in den Ruhestand gehen.

Was der streitbare Brite bis dahin anpeilt, ist nicht weniger als die boxerische Unsterblichkeit - auf Kosten der Klitschko-Brüder.

Nachdem Haye am Osterwochenende seinen WBA-WM-Gürtel gegen US-Herausforderer John Ruiz verteidigt hat, will er nun alle vier von der Fachwelt anerkannten Titel auf sich vereinigen ? und das mit dem größtmöglichen Theaterdonner. 220944(DIASHOW: Haye vs. Ruiz - Hopkins vs. Jones)

80.000 Fans - 11 Millionen Euro

Ein potenzieller Fight gegen einen der Klitschkos soll überdimensional in jeder Hinsicht werden.

Als Schauplatz ist das 80.000 Fans fassende Wembley-Stadion auserkoren, als Kampfbörse sind laut britischen Medien um die elf Millionen Euro angepeilt - für jeden.

"Wir würden das Haus ausverkaufen", frohlockt Haye: "Das wird großartig, die größte Nacht, die ich mir erhoffen kann."

Und gerade er hat in seiner kurzen Schwergewichts-Karriere schon so viel "Buzz" erzeugt, dass ein Kampf mit seiner Beteiligung auch für die monumentalen Zielmarken gut sein wird.

"Punkrocker und Underdog"

Haye ist der Typ Weltmeister, nach dem sich die Szene lange gesehnt hatte: Ein aufstrebender Fighter mit ausgeprägtem Sinn für Showeffekte innerhalb und außerhalb des Rings - Kompetenzen, die ein großer Teil des internationalen Publikums an den Klitschko-Brüdern vermisst.

Haye dagegen wird gefeiert als "prächtige Medizin gegen den Mangel an Unterhaltung, Thrill und Persönlichkeit, der das Schwergewicht zu lange zerfressen hat", wie der "Independent" schwärmt.

Die heimischen Medien vergleichen die "Mischung aus Punkrocker und furchtlosem Underdog" schon mit ähnlich veranlagten Größen wie Mike Tyson oder gar Muhammed Ali.

Wohlkalkulierte PR-Inszenierungen

Und der abseits der Kameras recht still und bedächtig wirkende Haye versteht es, sich als legitimer Erbe der schlagkräftigen Showmänner zu vermarkten.

Schlagzeilenträchtige Skandale wie der T-Shirt-Aufdruck mit den geköpften Klitschkos oder das Kaputthauen eines Papp-Aufstellers von Nikolai Walujew sind wohlkalkulierte PR.

"Boxen sollte Unterhaltung sein", beschreibt Haye sein Credo: "Einige Kämpfer haben das vergessen."

Vorwürfe in Richtung Klitschkos

Eine Kritik, die die Klitschkos einschließt, denen er vorwirft, sich bewusst schwache Kontrahenten herauszupicken.

"Schauen Sie sich doch die letzten beiden Gegner der beiden an: ziemlich langweilig. Die waren eine Schande fürs Boxen", so Hayes Anklage. 215487(DIASHOW: Klitschko vs. Chambers)

Wobei Haye schon mehrmals Gelegenheit hatte, einem der Klitschkos gegenüberzutreten ? die Kämpfe allerdings platzen ließ. Einmal war es eine Rückenverletzung, einmal Ärger über die Vertragskonditionen.

Womöglich steckte auch dahinter Berechnung: Die Absagen haben den Fan-Hunger auf einen Showdown erhöht ? und Hayes seitdem errungene Siege über Walujew und Ruiz haben seinen Marktwert und damit seine Verhandlungsposition gestärkt.

Hindernis Walujew

Ein Problem, das Haye jetzt noch im Weg steht: Er ist vertraglich verpflichtet, Nikolai Walujew, dem er im November den Titel abnahm, ein Rückmatch zu gewähren.

Haye sagt zwar: "Sollte ein Kampf mit Walujew mehr Geld einbringen, werden mich meine Promotion-Partner in diese Richtung drücken."

Dass diese zu besagtem Schluss kommen, ist nicht anzunehmen. Wahrscheinlich ist, dass das Haye-Lager den als Gegner wenig attraktiven Walujew ausbezahlt, um den Weg für einen der Klitschkos frei zu machen.

"Es geht mir nicht ums Geld"

Fraglich ist nur noch, für welchen.

WBC-Champion Vitali hat es im Mai zunächst mit dem Polen Albert Sosnowski zu tun, Wladimir soll im September IBF- und WBO-Titel gegen Alexander Powetkin aus Russland aufs Spiel setzen.

Es heißt aber, Wladimir könnte einen Kampf mit Haye vorziehen, sollte der Sieger dann gegen Powetkin antreten.

Hayes bevorzugter Fahrplan soll lauten: erst Wladimir beide Titel abnehmen, und dann ein Kampf gegen Vitali um alle Gürtel ? und damit verbunden der Zahltag seines Lebens.

Wobei Haye sagt: "Es geht mir nichts ums Geld, es geht mir um Ruhm und darum, ein Vermächtnis aufzubauen."

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