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Allzu viele brenzlige Situation hatte Klitschko nicht zu überstehen © getty

Im Interview spricht WBC-Champion Vitali Klitschko über die Gefühle, als Samuel Peter vor der neunten Runde die Waffen streckte.

München/Berlin - Vitali Klitschko strahlte trotz aller Erschöpfung über das ganze Gesicht.

Nach 1400 Tagen Kampfpause hatte sich der Ukrainer am Samstagabend mit einem überzeugenden Sieg gegen Samuel Peter die Schwergewichtskrone des Verbandes WBC gesichert.

Im Interview spricht Klitschko über das Risiko, das er mit seinem Comeback einging und die Enttäuschung, als Peter vor der neunten Runde die Waffen streckte.

Frage: Herr Klitschko, wie erklären Sie sich Ihre starke Leistung nach einer so langen Pause?

Vitali Klitschko: Zunächst muss ich sagen, dass ich jedem dankbar bin, der mir die Daumen gedrückt hat. Auch den Skeptikern. Ihnen konnte ich beweisen, dass ich es schaffe. Ich bin ein hohes Risiko gegangen. Mir war klar, wenn ich den Kampf verlieren würde, wäre mein Traum geplatzt. Eine zweite WM-Chance hätte ich nicht bekommen. Ich hatte heute ein One-Way-Ticket.

Frage: Was war anders im Vergleich zu Ihrem letzten Kampf vor vier Jahren?

Klitschko: Schwer zu sagen. Heute ist 2008, damals war 2004. Ich habe einige graue Haare mehr bekommen. Eigentlich war es eine ähnliche Performance. Aber ich ich glaube, ich bin lockerer geworden. Oder wie Trainer Fritz Sdunek sagt: Ich bin reifer geworden.

Frage: Waren Sie überrascht, dass Peter nach der achten Runde nicht mehr boxen wollte?

Klitschko: Ja, ich war schon überrascht. Und ich war etwas enttäuscht. Ich hatte versprochen, den Kampf vorzeitig zu beenden. Leider ist mir das nicht mit einem richtigen K.o. gelungen. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich meinen Gegner in der neunten oder zehnten Runde zu Boden schicken würde, wenn er im Ring geblieben wäre.

Frage: Wann war Ihnen klar, dass Sie gewinnen werden?

Klitschko: Ich habe sehr stark begonnen. Schon in der ersten Runde dachte ich, den schlägst du k.o. heute. Ich habe früh gesehen, dass mein Gegner nicht so schnell war. Meine Sparringspartner im Training waren da explosiver. Trotzdem Hut ab vor Peter. Er hat große Nehmerqualitäten gezeigt.

Frage: Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Klitschko: Ich bin noch nicht so weit, eine Botschaft zu senden. Ich werde mir alles in Ruhe überlegen. Wichtig ist, wie ich den Kampf gesundheitlich wegstecke. Meine Hände sind geschwollen, weil Peter viel eingesteckt hat. Aber ich werde weiter träumen. Ohne Träume ist das Leben langweilig

Frage: Haben Sie nach diesem Sieg noch Zeit für Ihre politische Karriere, um in Kiew bei den Bürgermeister-Wahlen anzutreten?

Klitschko: Die Ukraine ist ein Land, in dem sich viel ändern muss. Wir wollen dort Europa aufbauen. Ich habe eine Vision von einer modernen und europäischen Ukraine. Dafür werde ich mit meinen Freunden kämpfen. Ich werde dafür noch viel Zeit investieren, doch ich habe auch die Zeit, weiterhin zu boxen. Das habe ich heute bewiesen.

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