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Erstmals im Boxsport sind zwei Brüder gleichzeitig Schwergewichtsweltmeister © getty

Don King träumt schon von einem Kampf Walujew gegen Klitschko. Der will jetzt aber erst einmal in Ruhe seinen Sieg genießen.

Berlin - "Brüderchen, wir haben es geschafft", sagte Wladimir Klitschko spät in der Nacht und nahm seinen Bruder Vitali noch einmal in den Arm.

Mit einer boxerischen Glanzleistung hat Vitali Klitschko bei seinem Comeback nach fast vier Jahren Pause Titelverteidiger Samuel Peter in Berlin durch einen Aufgabesieg nach der achten Runde entthront und sich damit "seinen" WBC-Titel zurückgeholt.

"Wir haben unseren Traum wahrgemacht", sagte der 37-Jährige: "Ich bin unglaublich glücklich."

Die Königsklasse im Berufsboxen ist endgültig zu einer Familienangelegenheit geworden. Wladimir trägt die Gürtel der Verbände WBO und IBF.

Nur der Titel der WBA fehlt noch in der Sammlung, den der russische 2,13 Meter-Hüne Nikolai Walujew hält.

Man wird ja mal weiter träumen dürfen. "Ich bin in Topform, ich sehe keine Hindernisse, sofort wieder um eine WM zu boxen", sagte Vitali: "Es wäre schön, alle vier Titel in den Händen der Familie zu haben."

Klitschko dominiert Peter

Exakt 1400 Tage nach seinem letzten Kampf im Dezember 2004 ist der studierte Sportwissenschaftler zurückgekommen wie einem Jungbrunnen entstiegen.

Er hat Peter aussehen lassen wie einen schwerfälligen Jahrmarktsboxer. Nach der achten Runde hatte der Nigerianer genug.

"No, no", stammelte er auf die Frage, ob er weitermachen will und schüttelte demoralisiert den zerbeulten Kopf. Mit seinem linken Jab traf Klitschko wie er wollte, hielt Peter stets auf Distanz und hatte zum Zeitpunkt der Aufgabe alle Runden nach Punkten gewonnen.

"Peter war zu langsam"

"Dass es so leicht wird, hätte ich nicht gedacht", meinte Trainer Fritz Sdunek, der seinen Schützling 100 Tage lang exzellent vorbereitet und genau die richtige Taktik gegen den 28 Jahre alten Peter ausgearbeitet hatte.

"Peter war zu langsam, Vitalis Führungshand kam aus allen Richtungen", sagte der Coach: "Er hat ihn aussehen lassen wie einen Anfänger."

Der "Nigerian Nightmare" präsentierte sich als Albtraum für das Boxen und verstärkte die Zweifel an der vorhandenen Qualität in der Königsklasse.

"Peter war nicht so schlecht, Vitali war so großartig", behauptete allerdings US-Promoter-Legende Don King, der auch Peter vertritt: "Ich konnte nicht glauben, was ich gesehen habe, was für eine Nacht."

Klitschko vs. Walujew?

Der wieder völlig überdrehte Geschäftsmann ist neben Wilfried Sauerland an den Kampfrechten für Walujew beteiligt und wittert bereits ein Millionengeschäft: "Ich denke jetzt an Vitali gegen Walujew. Das könnte man vor 150.000 Leuten in Russland machen, es wäre eine Riesenshow", sagte King: "Ich werde mit Wladimir Putin reden."

Walujew selbst hat schon mal sein grundsätzliches Interesse anklingen lassen: "Das ist eine schwere, aber reizvolle Aufgabe."

Der St. Petersburger könnte den größten Zahltag seiner Karriere haben. Er soll am 20. Dezember seinen Titel freiwillig verteidigen.

Sauerland hatte dafür bei dem 46 Jahre alten Evander Holyfield angefragt. Klitschko-Manager Bernd Bönte sieht die Chancen für den Vereinigungskampf deshalb skeptisch.

"Holyfield hat doch zuletzt geboxt wie eine Mumie, wenn Sauerland lieber gegen ihn als Vitali boxen will, sagt das doch alles."

Erstmal den Sieg genießen

Vitali Klitschko seinerseits muss innerhalb von 90 Tagen seinen WBC-Titel gegen den Kubaner Juan Carlos Gomez verteidigen.

Ob er dazu Lust hat, ist auch unklar: "Ich will den Sieg jetzt erstmal genießen und später entscheiden, wo es langgeht."

Dann packte er seinen Gürtel ein und ging voller Stolz feiern. "Er hat gezeigt, dass er der bessere Klitschko ist", sagte Wladimir - und es gab keinerlei Widerspruch.

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