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Fritz Sdunek (l.) ist seit 1996 Cheftrainer bei Universum Box-Promotion © imago

Im Interview mit Sport1.de spricht Fritz Sdunek über Vitalis Kampf gegen Peter, die Zukunft und einen Fight gegen Walujew.

Von Jürgen Blöhs

München - Am Samstag hat sich Vitali Klitschko in hervorragender Manier die WBC-Krone im Schwergewicht von Samuel Peter erkämpft.

Als nach acht Runden alle drei Ringrichter den Nigerianer mit 72:80 Punkten hinten sahen, trat "The Nigerian Nightmare" zur neunten Runde nicht mehr an.

"So klar habe ich das nicht erwartet", gibt Klitschkos Trainer Fritz Sdunek im Gespräch mit Sport1.de zu, von einem Sieg sei er aber trotz der fast vierjährigen Pause seines Schützlings überzeugt gewesen.

Sdunek verplappert sich

"Der nächste WM-Kandidat von Universum kann Dimitrenko werden", hofft Sdunek. Der muss allerdings gegen seinen Stall-Kollegen Luan Krasniqi um das Herausforderungsrecht für einen WM-Kampf ran.

Oder bekommt der Ukrainer auf einem anderen Weg seine WM-Chance?

"Das muss man abwarten. Da kommt schon noch was", so der 61-Jährige vieldeutig, als er erfährt, dass der Sauerland-Stall bei einem Gespräch mit Sport1.de einen Kampf von Dimitrenko WBA-Champ Nikolai Walujew abgelehnt hat.

Im Interview spricht Sdunek außerdem über Vitalis Erfolgsrezept gegen Peter, die Zukunft und einen Fight gegen Walujew.

Sport1.de: Herr Sdunek, haben Sie eine so klare Dominanz von Vitali Klitschko im Kampf gegen Samuel Peter erwartet?

Fritz Sdunek: Ich hatte ein sehr gutes Gefühl und war mir sicher, dass er das Ding packen wird. So klar und dominant habe ich das aber nicht erwartet. Vitali hat alles taktisch genau so umgesetzt, wie wir uns das im Training vorgestellt hatten.

Sport1: Wie sah die Erfolgstaktik aus?

Sdunek: Er hat Peter nicht in den Kampf kommen lassen. Wenn Peter Attacken starten wollte, war er im richtigen Moment weg, hat die Beine gut benutzt, hat Angriffe durch seine Oberkörperbeweglichkeit, die viel besser war als in den Kämpfen zuvor, immer wieder entschärft. Außerdem hat er mit seiner Linken den Gegner erfolgreich gestört, so dass der keine Angriffe starten konnte.

Sport1: Es fiel auf, dass Peter sich nicht umstellen konnte. Ist das nicht enttäuschend für einen Weltmeister?

Sdunek: Er hat es nicht geschafft. Er hat es monoton in einem Tempo immer wieder versucht. Damit konnte er Vitali nicht überraschen.

Sport1: Uns fiel auf, dass Vitali ohne Deckung geboxt hat, das kann man doch wohl nicht gegen jeden Gegner machen?

Sdunek: Aber wenn man den Gegner provozieren will, wie es unser Plan war, dann muss man das schon so machen. Das hat Ali so gemacht und jetzt Vitali. Wenn Einer nicht kommt und man ihn leerlaufen lassen will, dann muss man ihn dazu provozieren. Gegen Lennox Lewis oder andere hat er nicht so geboxt. Das kommt immer auf den Gegner an. Man muss sich das natürlich erlauben können und die richtigen Reflexe haben - und die hat Vitali.

Sport1: Wird er weiterkämpfen?

Sdunek: Das weiß ich nicht, aber ich denke schon. Nach so einer Leistung kann man doch nicht aufhören.

Sport1: Mit Ihnen in der Ringecke?

Sdunek: Ich bin seit Anfang an Vitalis Trainer und denke, ich werde das auch zu bleiben.

Sport1: Selbst bei einem eventuellen Kampf gegen Pflichtherausforderer Juan Carlos Gomez, den Sie auch trainiert haben und der Vater ihrer Enkelin ist?

Sdunek: Natürlich kenne ich Juan Carlos sehr gut und habe ihn auch zum Weltmeister gemacht, aber er hat sich von mir getrennt. Das ist Sport. Trainer, die zum Beispiel von Bayern München zu einem anderen Verein wechseln, müssen ja auch gegen ihre alte Mannschaft spielen.

Sport1: Was halten Sie von Don Kings Idee eines Kampfes von Vitali gegen Nikolai Walujew vor 150.000 Zuschauern in Russland?

Sdunek: Natürlich versucht King mal wieder, ein dickes Geschäft machen. Aber das muss man erstmal abwarten.

Sport1: Und von dem Kampf von Walujew gegen Evander Holyfield, den der Sauerland-Stall machen wollte, zumindest Walujews Schwiegervater aber abgelehnt hat?

Sdunek: Das ist Sache von Walujew und seinem Management.

Sport1: Sauerland hat uns gesagt, dass über einen Holyfield-Kampf nachgedacht wird, weil die attraktiven Gegner wie Wladimir Klitschko, Alexander Powetkin derzeit vor anderen Kämpfen stehen oder Fighter wie Dimitri Dimitrenko noch nicht so weit sind, um?

Sdunek (unterbricht): Wer wollte Dimitrenko nicht?

Sport1: Sauerland.

Sdunek: Das muss man abwarten. Da kommt schon noch was.

Sport1: Aber wo sind die neuen Stars der Schwergewichtsszene? Früher wurde sie von US-Boxern dominiert. Heute kommen die Weltmeister aus dem ehemaligen Ostblock, aber generell scheint die Szene überaltert. Vitali ist immerhin schon 37.

Sdunek (erbost): 37 ist doch kein Alter! Und wo die Stars bleiben, gerade aus den USA, das dürfen Sie mich nicht fragen. Richtig ist, die Amerikaner haben ihre Probleme. Vielleicht sind sie nicht mehr so hungrig wie talentierte Boxer aus dem Osten.

Sport1: Wie sieht es im Universum-Stall aus, für den Sie als Trainer arbeiten?

Sdunek: Mit Ruslan Tschagajew haben wir einen Weltmeister. Denis Boytsow und Markus Tomala haben noch alle Zeit. Der nächste WM-Kandidat von Universum kann Dimitrenko werden. Da ist eine Menge Potenzial vorhanden.

Sport1: Dimitrenko muss sich in einem stallinternen Duell gegen Luan Krasniqi für eine Pflichtherausforderung qualifizieren. Kann man als Boxer da abschalten?

Sdunek: Ich halte von stallinternen Kämpfen gar nichts, aber wenn es so sein muss, dann muss es halt so sein. Da muss man dann abschalten.

Sport1: Bei dem Gegner für den Sieger kann es sich um Wladimir Klitschko handeln, der am 13. Dezember seinen Titel gegen Powetkin verteidigen muss. Wie geht der Kampf aus?

Sdunek: Ich denke, Powetkin ist zu hausbacken, zu amateurhaft. Wadimir wird mit seiner Führungshand Kampf und Taktik bestimmen und klar gewinnen.

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