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Marco Huck wurde am 11. November 1984 in Sjenica (Serbien) geboren © getty

Durch einen Sieg über den "tätowierten Sandsack" Minto bleibt Huck Weltmeister. Trainer Wegner sieht noch taktische Schwächen.

Oldenburg - Nach der neunten Runde hatte Brian Minto genug.

Völlig ausgepumpt und schwer gezeichnet gab der Amerikaner auf. Der Herausforderer war nicht mehr als ein tätowierter Sandsack, Weltmeister Marco Huck verteidigte seinen WM-Titel im Cruisergewicht in Oldenburg offiziell durch einen technischen K.o in der zehnten Runde.

Sein 85 Jahre alter Opa Osman jubelte erleichtert im Ring, Trainer Ulli Wegner aber konnte sich an der teilweise wilden Prügelei kaum erfreuen.

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns", sagte der 68 Jahre alte Erfolgscoach: "Marco muss lernen, sich an die Taktik zu halten." (Alle Box-News)

Huck klar überlegen

Wie ein Bulldozer kam der 35 Jahre alte Minto immer wieder nach vorne, ohne Huck ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Dafür waren die boxerischen Mittel des Mannes, der im November 2008 das Comeback von Axel Schulz verdorben hatte, viel zu gering.

Er kassierte stattdessen harte Schläge und ging in der dritten, fünften und neunten Runde zu Boden.

"Normalerweise wächst dort kein Gras mehr, wo ich hinschlage", sagte Huck, "ich war überrascht, dass er sich nach den schweren Niederschlägen immer wieder zum Kampf stellte."

"Er hat verdient gewonnen"

Zweimal verlor Minto nach dem Schlaghagel die Orientierung und setzte sich in der Rundenpause auf den falschen Stuhl in der blauen Ecke. "Ich spüre, dass ich ausgepowert bin", sagte der gelernte Monteur nach dem Kampf, "Huck hat einen harten Schlag. Er hat verdient gewonnen."

Aber schön war es eben nicht. Vor allem, weil Huck immer wieder die Keilerei mitmachte statt in Ruhe seine Reichweite und größere boxerische Klasse auszuspielen.

In den Ringpausen redete Wegner immer wieder in seiner beschwörenden Art auf seinen Schützling ein:

"Du machst eine sinnlose Schlägerei, lass das. Du musst schlau boxen." Auch Promoter Wilfried Sauerland war nicht zufrieden: "Marco vergisst manchmal, nach Niederschlägen konzentriert weiterzuboxen."

Minto der richtige Gegner

Die Wahl von Brian Minto als Gegner war gerade deshalb genau die richtige. Huck bekam seine immer noch vorhandenen Defizite vorgeführt, ohne dass dies zu größeren Schäden hätte führen können.

"Wir sind alle glücklich, dass Marco gewonnen hat. Sein Sieg war nie in Gefahr", sagte Wegner, "trotzdem wurde mir klar, welche Arbeit wir besonders in der Verteidigung noch vor uns haben. Im Cruisergewicht ist viel los, da kann man sich nicht allein auf seine Schlagkraft verlassen."

Mehr Instinkt als Übersicht

25 Jahre alt ist sein in Serbien geborener Schützling erst.

Da ist noch keine Ruhe und Abgeklärtheit, da flackern immer wieder mal die Emotionen hoch, haust du mich, hau ich dich.

Und wenn der Instinkt regiert, ist der Trainer machtlos, das ist für Wegner teilweise frustrierend. Interessant wird, wie sich Huck in Zukunft entwickelt.

"Ich weiß, dass ich locker boxen soll", sagt der Champion einsichtig, "ich steigere mich von Kampf zu Kampf."

22. Knockout für Huck

Es war sein 29. Sieg und der 22. Knockout-Erfolg im 30. Kampf.

Ein Ende ist noch lange nicht abzusehen. Anders als bei seinem Gegner Minto, der erstmals im Cruisergewicht bis 90 Kilogramm antrat, aber merkte, dass er gegen Spitzenleute auch in dieser Gewichtsklasse keine Chance hatte.

Einmal noch konnte er an einem Zahltag in Deutschland immerhin seinen Namen vermarkten, den er sich mit dem t.K.o.-Sieg über den beliebten Schulz gemacht hatte.

"Ich werde jetzt über meine Karriere nachdenken", sagte er. Und dann hoffentlich aufhören.

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